Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 131 (Dezember 2012)

Herz- und Lungen-Beteiligung beim Morbus Bechterew

von Dr. Mahnaz Momeni, Dr. Nora Taylor und Dr. Mahsa Tehrani, George-Washington-Universität, Washington DC, USA

Herzbeteiligung beim Morbus Bechterew

Bei etwa 2–10% der Patienten ist der Morbus Bechterew mit einer Herz-Erkrankung verbunden1.  Dabei handelt es sich häufig um eine Entzündung der Aorta (der Hauptschlagader, die vom Herzen wegführt). Auch Reizleitungs-Störungen, undichte Herzklappen und eine Erkrankung des Herzmuskels kommen bei Morbus-Bechterew-Patienten häufiger als in der Allgemeinbevölkerung vor, oft zunächst ohne dass sie Beschwerden bereiten.

Erkrankung der Herzklappen:

Eine Erkrankung der Aorta-Wurzel2 oder der zugehörigen Herzklappe kommt als Spätfolge des Morbus Bechterew vor, kann aber auch den Gelenkbeschwerden vorausgehen. Es handelt sich um einen Entzündungsprozess, der zur Gewebeverdickung im Bereich der Aorta-Wurzel und im Gefolge zu einer geringeren Beweglichkeit der Aorta-Herzklappe und zum Blutrückfluss an dieser Klappe führt.

Reizleitungs- und Rhythmusstörungen

Störungen der Reizleitung im Herzen, die den Herzrhythmus steuert, gehören zu den häufigsten Herz-Manifestationen beim Morbus Bechterew. Im EKG (Elektrokardiogramm) erkennt man einen „AV-Block“ (atrioventrikulärer Block: teilweise oder vollständige Blockierung der Reizleitung zwischen Vorhof und Hauptkammer des Herzens).

DIK u.a. fanden 2010 bei Morbus-Bechterew-Patienten häufiger als in der Allgemeinbevölkerung einen AV-Block ersten Grads und eine Zunahme seiner Häufigkeit mit der Krankheitsdauer. Sie fanden aber auch einen AV-Block bei HLA-B27-positiven Personen, die nicht an einer entzündlich-rheumatischen Krankheit litten. TOUSSIROT u.a. fanden 1999 bei Morbus-Bechterew-Patienten Störungen im autonomen Nervensystem, z.B. eine geringe aber statistisch signifikante Erhöhung der Herzfrequenz, vor allem bei erhöhten Entzündungs-Laborwerten (Blutsenkungsgeschwin¬digkeit oder CRP). Sie fanden auch eine geringere Fähigkeit, einen konstanten, von der Position (liegend oder stehend) unabhängigen Blutdruck aufrechtzuerhalten. Sie vermuteten, dass damit auch die Reizleitungs- und Herzrhythmusstörungen zusammenhängen.
Es ist wichtig, dass solche Störungen rechtzeitig entdeckt (und dann behandelt) werden, z.B. mit Hilfe eines 24-Stunden-Langzeit-EKGs oder einer Ultraschalluntersuchung des Herzens. Eine andere Möglichkeit im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen ist die Fahndung nach einer „QT-Dispersion“ im EKG (Streuungen in der Dauer der Zusammenziehungs- und Erschlaffungsphase der Herzkammern)3. Eine solche Streuung ist mit dem Risiko von Herzrhythmusstörungen verknüpft.

Herzmuskel-Erkrankungen

Eine Fehlfunktion des Herzmuskels bei Morbus-Bechterew-Patienten zeigt sich in diastolischen Unregelmäßigkeiten (Diastole ist die Phase der Erschlaffung des Herzmuskels, während der sich die Herzkammern mit Blut füllen). Bei Ultraschalluntersuchungen zeigt sich dies durch eine geringere Blutflussgeschwindigkeit am Anfang der Herzkammerfüllung und eine höhere Geschwindigkeit gegen Ende der Füllung. GOULD u.a. berichteten 1992, dass die maximale Füllung der Herzkammern bei Anstrengung und die Zeitdauer dieser Füllung bei Morbus-Bechterew-Patienten im Mittel niedriger sind als bei Vergleichspersonen. Diese Befunde weisen auf eine verminderte diastolische Funktion des Herzens hin.

1) Einen ausführlichen und reich illustrierten Artikel über die Herzbeteiligung
    beim Morbus Bechterew finden Sie im MBJ Nr. 104 S. 4–9.
2) Wiederholt verwendete Fremdwörter werden in der Tabelle auf Seite 14 nochmals erklärt.
3) MBJ Nr. 104 S. 7

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