Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 131 (Dezember 2012)

Magenschutzmittel auch bei Coxiben?

von Dr. Vera E. Valkhoff, Dr. Eva M. van Soest, Dr. René Schade, Dr. Ernst J. Kuipers, Dr. Miriam C. J. M. Sturkenboom und Dr. Gianluca Trifiro aus Rotterdam, Dr. Giampiero Mazzaglia aus Florenz, Dr. Mariam Molokhia aus London, Dr. Jay L. Goldstein aus Chicago und Dr. Sonia Hernandez-Diaz aus Boston (USA)

Einleitung

Die Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (cortisonfreie entzündungshemmende Medikamente, NSAR) ist eines der Standbeine der Rheumatherapie, auch beim Morbus Bechterew. Da die NSAR sowohl die schleimhautschützende Cyclooxygenase 1 als auch die entzündungsvermittelnde Cyclooxygenase 2 hemmen, sind NSAR mit dem Risiko einer Schleimhautschädigung im Magen (Magengeschwür, Magendurchbruch) und im Zwölffingerdarm verknüpft.

Deshalb wurde eine neue Gruppe von NSAR entwickelt, die vorwiegend die entzündungsvermittelnde Cyclooxygenase 2 (COX-2) hemmen und weniger die schleimhautschützende Cyclooxygenase 1 (COX-2-selektive NSAR, kurz als Coxibe bezeichnet). Das Magen-Darm-Risiko ist bei diesen Medikamenten geringer1.

Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen im Magen-Darm-Trakt ist es üblich, zusätzlich zur Verschreibung eines nichtselektiven NSAR ein Magen-schutzmittel zu verschreiben2.

Wie weit es sinnvoll ist, auch bei der Behandlung mit einem Coxib (z.B. Celebrex) zusätzlich ein Magenschutzmittel zu verschreiben, wurde in zwei Studien untersucht. Eine dieser Studien wurde an 441 Patienten durchgeführt, die wegen Magen-Darm-Blutungen nach einer Behandlung mit nicht-selektiven NSAR im Krankenhaus waren. Diese Patienten erhielten entweder ein Coxib und ein Magenschutzmittel oder ein Coxib und ein Placebo (Scheinmedikament). Nach im Mittel 13 Monaten kam es bei keinem Patienten der Magenschutz-Gruppe erneut zu einem blutenden Geschwür, aber bei 9% der Patienten der Placebo-Gruppe.

Andere Studien hatten ähnliche Ergebnisse, zeigten also, dass es durchaus sinnvoll sein kann, bei Patienten mit NSAR-bedingten Magengeschwüren in der Vorgeschichte neben Coxiben zusätzlich ein Magenschutzmittel einzusetzen.

Entsprechende Leitlinien empfehlen die Verschreibung von Magenschutzmitteln zusätzlich zu Coxiben bei Patienten mit hohem Magen-Geschwür-Risiko.

Auswertung von Patientenregistern

Um zu erforschen, wie wichtig die konsequente Einnahme von Magenschutzmitteln bei der Behandlung mit Coxiben ist, werteten wir in drei Patientenregistern aus Großbritannien, den Niederlanden und Italien die Daten aller über-50-jährigen Patienten aus, die vor 2007 mit Coxiben behandelt wurden. In diesen Ländern werden medizinische Daten aller Bürger zentral registriert, in Übereinstimmung mit Leitlinien der Europäischen Union zur Auswertung medizinischer Daten für Forschungszwecke.

Nicht in die Studie eingeschlossen wurden Patienten mit vorhandenen Magen-Darm-Geschwüren, Alkohol-Missbrauch, einer chronischen Leberkrankheit, einer entzündlichen Darmkrankheit (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) oder einer Blutgerinnungsstörung.

Studienergebnisse

Unter den mehr als 5 Millionen in den Patientenregistern geführten Patienten wurden 81.000 mit Coxiben behandelt. In Großbritannien wurde in 17% der Fälle ein Magenschutzmittel mitverordnet, in den Niederlanden in 13% und in Italien in 11% der Fälle (insgesamt 14.416 Patienten).

Die am häufigsten verschriebenen Coxibe waren Celecoxib (43%), Rofecoxib (41%) und hatten Magen-Darm-Komplikationen eine Häufigkeit von nur 12 Komplikationen pro 1000 Behandlungsjahre.

1) MBJ Nr. 94 S. 12–13, Nr. 96 S. 11–13, Nr. 98 S. 15–16, Nr. 111 S. 15–17
2) Bechterew-Brief Nr. 72 S. 19–22

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!