Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 131 (Dezember 2012)

Wirksamkeit von Pilates-Übungen beim Morbus Bechterew

von Prof. Dr. Lale Altan, Ass.-Prof. Nimet Hasil Korkmaz, Dr. Meltem Dizdar,
Prof. Dr. Merih Yurtkuran, Uludag-Universität in Bursa, Türkei

Einleitung

Die Rolle von Bewegungsübungen in der Morbus-Bechterew-Therapie ist unbestritten. Leider gibt es in der wissenschaftlichen Literatur keine genauen Empfehlungen über Art und Häufigkeit dieser Übungen. In einer 2008 erschienenen Übersichtsarbeit war die Schlussfolgerung, dass es hilfreich sei, Übungen für die Rumpfmuskulatur zu empfehlen, die der Patient leicht immer wieder ausführen kann, um die Wirbelsäulenbeweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern.

Das Pilates-Übungsprogramm1, das Jo-seph H. PILATES während des 1. Weltkriegs entwickelte und das seither weiterentwickelt wurde, enthält über 500 Muskeldehnungs- und  kräftigungs-Übungen. Pilates war überzeugt, dass alle Muskeln des Körpers gestärkt und gedehnt werden sollten, mit dem Hauptaugenmerk auf die Muskeln der Körperachse, die er als „Kraftwerk“ des Körpers betrachtete.

Während Pilates-Übungen vor allem in Gruppen für Gesunde als Fitness-Programm angeboten werden, wurden sie kürzlich auch als Therapieform für einige rheumatische Erkrankungen vorgeschlagen2. Für Kreuzschmerzen wurde ihre Wirksamkeit in drei Studien nachgewiesen. Die positiven Ergebnisse wurden dem Training der Bauch- und Rücken-Muskulatur und der damit erreichten besseren Beweglichkeit zugeschrieben.

In unserer Universitätsklinik beobachteten wir im Rahmen einer Studie eine Schmerz-linderung und verbesserte Lebensqualität bei der Fibromyalgie3. Die Patienten führten drei Monate lang unter fachlicher Anleitung Pilates-Übungen durch. In einer weiteren Studie haben wir nun auch die Wirksamkeit von Pilates-Übungen beim Morbus Bechterew untersucht.

1) MBJ Nr. 118 S. 10–11
2) Wo kann man Pilates durchführen? Es gibt eigenständige Pilates-Studios, die ausschließlich mit der Pilates-Methode arbeiten und sowohl auf Matten als auch vor allem an den von Pilates entwickelten Geräten unter Einzelanleitung arbeiten. Daneben gibt es aber auch sehr viele Therapeuten und Therapiezentren, die diese Methode als Ergänzung zu ihrem Gesamtprogramm anbieten mit Pilates-Übungen auf der Matte, die von den gerätegestützten Übungen abgeleitet sind, Anmerkung der Redaktion.
3) MBJ Nr. 108 S. 23–24

  • Katharina Conti, Physiotherapeutin in der Hessing-Klinik Augsburg, führt zwei Pilates-Stellungen vor. Aus MBJ  Nr. 118 S. 11
  • Katharina Conti, Physiotherapeutin in der Hessing-Klinik Augsburg, führt zwei Pilates-Stellungen vor. Aus MBJ  Nr. 118 S. 11

Katharina Conti, Physiotherapeutin in der Hessing-Klinik Augsburg, führt zwei Pilates-Stellungen vor. Aus MBJ  Nr. 118 S. 11

Tabelle 1: Gruppen-Mittelwerte zu Studienbeginn, nach 12 und nach 24 Wochen. Bei der Krankheitsaktivit„t (BASDAI), der Behinderung (BASFI) und der Beweglichkeitseinschränkung (BASMI) bedeuten negative Veränderungen eine Besserung, bei der Lebensqualit„t (ASQoL) und der Atembreite eine Verschlechterung. Signifikante Besserungen sind grün hervorgehoben, signifikante Verschlechterungen rot.

Woche 0 Woche 12 p Woche 24 p
Gruppe I BASDAI 2,8 2,1 0,04 2,4 n.s.
BASFI 2,4 1,7 0,03 1,7 0,007
BASMI 8,8 8,4 0,005 8,4 0,009
ASQoL 3,7 4 n.s. 4 n.s.
Atembreite 3,9 cm 4,5 cm 0,002 4,2 cm n.s.
Gruppe II BASDAI 2,6 3,1 n.s. 3,1 0,03
BASFI 2,2 2,3 n.s. 2,3 n.s.
BASMI 8,9 8,7 n.s. 9,1 n.s.
ASQoL 3,5 3,2 n.s. 3 n.s.
Atembreite 3,6 4 n.s. 3,7 n.s.

p = Wahrscheinlichkeit, dass der Unterschied gegenber Woche 0 auf einem Zufall beruht.
p = 0,05 bedeutet eine Wahrscheinlichkeit von 5%.
n.s. = nicht signifikant (p größer als 0,05)