Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 131 (Dezember 2012)

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Patienten mit nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis und Patienten mit Morbus Bechterew

Von DVMB-Forschungspreisträgerin Dr. med. Uta Kiltz, Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne

Patientenverständliche Fassung der mit dem DVMB-Forschungspreis 2012 ausgezeichneten Arbeit der Verfasserin.

1. Einleitung

Mit der Veröffentlichung der neuen ASAS (Assessment of SpondyloArthritis International Society)-Klassifikationskriterien für Patienten mit axialer Spondyloarthritis ist das Konzept der Erkrankung „Morbus Bechterew“ neu definiert und um einige Bereiche erweitert worden1 . Neben der Diagnose „Morbus Bechterew“ (medizinisch auch als ankylosierende Spondylitis bezeichnet) ist die Diagnose „nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis“ eingeführt worden2. Während der Morbus Bechterew durch knöcherne Veränderungen an den Kreuzdarmbeingelenken (Sakroiliakalgelenken) und evtl. zusätzlich durch knöcherne Veränderungen in der Wirbelsäule gekennzeichnet ist, bestehen bei der nicht-röntgenologischen axialen Spopndyloarthritis diese im Röntgenbild sichtbaren Veränderungen (noch) nicht.

Bei der nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis besteht häufig eine im Magnetresonanzbild sichtbare Entzündung in den Kreuzdarmbeingelenken. Von Wissenschaftlern wird angenommen, dass sich diese entzündeten Stellen im Laufe der Erkrankung knöchern umwandeln und sich dadurch die typische Gelenküberbrückung bildet. Für diese Hypothese wird ein gewisser zeitlicher Bezug angenommen (erst Entzündung, dann Knochen), der jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen ist.

In den letzten Jahren sind viele Patienten weltweit in sogenannten „Kohorten“ beobachtet worden, um etwas über den Krankheitsverlauf und die Ausprägung der axialen Spondyloarthritis lernen zu können. In Kohorten werden Patienten mit einer Erkrankung (hier zum Beispiel axiale Spondyloarthritis) über einen längeren Zeitraum beobachtet und während dieses Zeitraums mit vorher festgelegten Untersuchungen überwacht. Die Wissenschaftler konnten dadurch Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Gruppe der Patienten mit axialer Spondyloarthritis und kurzer Erkrankungsdauer finden. Es fehlten bislang jedoch Daten aus Kohorten, in denen Patienten ohne zeitliche Begrenzung der Krankheitsdauer beobachtet wurden.

2. Zielsetzung meiner Arbeit

Das Ziel meiner Arbeit, für die ich den DVMB-Forschungspreis 2012 erhielt, war die Charakterisierung einer Patientengruppe mit nachgewiesener axialer Spondyloarthritis unabhängig von der Krankheitsdauer. In dieses Projekt wurden insgesamt 100 Patienten mit der Diagnose axiale Spondyloarthritis eingeschlossen. Die Patienten wurden von uns zweimal in einem Abstand von 6 Monaten untersucht. Die Untersuchung umfasste die Erhebung von Krankheitsdauer, Diagnose (nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis oder Morbus Bechterew), demografischen Faktoren (Alter, Geschlecht, Bildungsgrad usw.) und das Ausmaß der Entzündungsaktivität (Laborwerte und Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild der Wirbelsäule). Dazu kamen Fragebögen zur Krankheitsaktivität (BASDAI) , zum Ausmaß der körperlichen Funktionseinschränkung (BASFI)3, der Schmerzen (Schmerz-Skala von 0 bis 10), zur Lebensqualität (Fragebogen ASQoL = Ankylosing Spondylitis Quality of Life Questionnaire), zum Gesundheitszustand (Fragebogen „Short-Form-36“) und zu den Krankheitsbewältigungs-Strategien (Trierer Skalen für Krankheitsbewältigung).

3. Ergebnisse

Im Zeitraum von Januar 2010 bis Juli 2011 konnten 100 Patienten mit der Diagnose axiale Spondyloarthritis aus dem Rheumazentrum Ruhrgebiet und aus vier kooperierenden rheumatologischen Praxen eingeschlossen werden. Darunter waren sowohl Patienten mit nicht-röntgenologischer axialer SpA als auch Patienten mit Morbus Bechterew. Die Patienten durften beim Eintritt in die Studie keine bestehende Therapie mit TNF-Blockern haben (Ausschlusskriterium).

3.1. Klinische4 Ausprägung der Erkrankung

Die Patienten waren im Mittel 40 Jahre alt und hatten eine mittlere Krankheitsdauer von 11 Jahren. 44% der Patienten hatten eine nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis und 56% hatten einen Morbus Bechterew. Dabei unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich Alter und Krankheitsdauer nicht. Das Geschlechterverhältnis unterschied sich jedoch: bei den Patienten mit Morbus Bechterew waren 57% der Patienten männlich, wohingegen die Mehrheit der Patienten mit nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis weiblich waren (68%). In der Gesamtgruppe waren 88% der Patienten HLA-B27-positiv. 18% der Patienten litten außer an Rückenschmerzen an einer Entzündung peripherer Gelenke, 2% an einer Sehnenansatzentzündung (Enthesitis), 6% an einer Regenbogenhautentzündung (Iritis), 10% an einer Schuppenflechte (Psoriasis) und 6% an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa).

1) MBJ Nr. 123 S. 5
2) Die Bezeichnung „nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis“ ersetzt die alte Bezeichnung undifferenzierte
    Spondyloarthritis, siehe MBJ Nr. 117 S. 4–6 , Nr. 129 S. 36–37.
3) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
4) Unter „klinisch“ versteht der Arzt alles, was ohne Geräte erfasst werden kann.

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