Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 132 (März 2013)

Herz-Kreislauf-Risiken: Welches NSAR ist das sicherste?

Von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, Redaktion Morbus-Bechterew-Journal

Die Rücknahme des entzündungshemmenden Medikaments Rofecoxib (Handelsname Vioxx, ein COX-2-selektives nichtsteroidales Antirheumatikum) im Jahr 2004 hat uns schlagartig darauf aufmerksam gemacht, dass die dauerhafte regelmäßige Einnahme von NSAR nicht nur mit einem Magen-Darm-Risiko verbunden ist, sondern auch mit einem Herz-Kreislauf-Risiko. Im Morbus-Bechterew-Journal haben wir uns damit schon mehrfach befasst1.
Ein Team der Universität Bern (Schweiz) unter Leitung von Prof. Dr. Peter JÜNI2 hat nun durch Auswertung von 31 Studien mit insgesamt 116.429 teilnehmenden Patienten versucht, herauszufinden, welches NSAR in Bezug auf Herz-Kreislauf-Risiken das sicherste ist.
Ihr Ergebnis ist in Bild 1 dargestellt. Das Herzinfarkt-Risiko war bei Rofecoxib und Lumiracoxib am höchsten doppelt so hoch wie bei Placebo) und das Schlaganfall-Risiko bei Ibuprofen (dreimal so hoch wie bei Placebo). Das Risiko eines Herz-Kreislaufbedingten Todes war bei Diclofenac und Etoricoxib am höchsten (viermal so hoch wie bei Placebo).
Bei insgesamt 117.218 Patientenjahren, die durch die Studien erfasst wurden, wurden 554 Herzinfarkte beobachtet (5 pro 1000 Patientenjahre, von denen freilich nur ein Teil mit dem NSAR-Gebrauch zusammenhing), 377 Schlaganfälle (3 pro 1000 Patientenjahre), 312 Herz-Kreislaufbedingte Todesfälle, und 676 Todesfälle beliebiger Ursache.
Bild 1: Mit dem Langzeit-Gebrauch verschiedener nichtsteroidaler Antirheumatika in üblicher Dosis verbundene Herz-Kreislauf-Risiken im Vergleich zu Placebo, nach TRELLE u.a. 2011. Die Zahlen geben den Faktor an, um den das Risiko größer ist als das Risiko ohne NSAR-Gebrauch (in den Studien: als bei Einnahme eines Placebos).
Als Zusammenfassung ihrer Ergebnisse kommen die Verfasser zu dem Schluss, dass keines der untersuchten NSAR in Bezug auf Herz-Kreislauf-Risiken wirklich sicher ist, dass aber das Risiko bei Naproxen am geringsten zu sein scheint.
Wie man im Bild 1 sieht, ist die Streuung3 größer als die Unterschiede zwischen den verschiedenen NSAR. Wenn sich bei Ihnen ein Präparat durch seine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bewährt hat, gibt es also keinen Grund, das Medikament zu wechseln.
Nick WARDE4 schreibt in einem Kommentar zu dieser Auswertung: „Die Alternativen für Patienten mit Entzündungsschmerzen sind rar und haben ebenfalls ihre Grenzen in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit. Es bleibt also nichts übrig als die Patienten, die über einen längeren Zeitraum NSAR nehmen, sorgfältig zu überwachen“5.
Uns Patienten bleibt immerhin die Möglichkeit, zusätzliche Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen zu vermeiden.

1) MBJ Nr. 111 S. 15–17, Nr. 114 S. 13–17, Nr. 121 S. 13–14
2) Trelle u. a.: Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs: network meta-analysis. British Medical Journal, Heft 342 vom 11. Januar 2011
3) die Statistiker sprechen vom Glaubwürdigkeitsintervall, angedeutet durch die waagrechten Linien im Diagramm.
4) Warde N: The cardiovascular risks of NSAID use: which NSAID is the safest of them all? Nature Reviews Rheumatology. Band 7 (2011) S. 129
5) Mehr zum Nutzen und den Risiken des NSAR-Gebrauchs bei Morbus Bechterew und auch zu den empfehlenswerten Kontrolluntersuchungen finden Sie in MBJ Nr. 114 S. 13–17.

Bild 1: Mit dem Langzeit-Gebrauch verschiedener nichtsteroidaler Antirheumatika in üblicher Dosis verbundene Herz-Kreislauf-Risiken im Vergleich zu Placebo, nach TRELLE u.a. 2011. Die Zahlen geben den Faktor an, um den das Risiko größer ist als das Ris
Bild 1: Mit dem Langzeit-Gebrauch verschiedener nichtsteroidaler Antirheumatika in üblicher Dosis verbundene Herz-Kreislauf-Risiken im Vergleich zu Placebo, nach TRELLE u.a. 2011. Die Zahlen geben den Faktor an, um den das Risiko größer ist als das Risiko ohne NSAR-Gebrauch (in den Studien: als bei Einnahme eines Placebos).