Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 132 (März 2013)

Risikofaktoren für schwere Infektionen unter einer Anti-TNF-alpha-Therapie

von Dr. Anja Strangfeld1, Maria Eveslage1, Prof. Dr. Matthias Schneider2, Dr. med Hans Joachim Bergerhausen3,
Dr. med. Thilo Klopsch4, Prof. Dr. Angela Zink1 und Dr. Joachim Listing1
1) Berlin, 2) Düsseldorf, 3) Duisburg, 4) Neubrandenburg

Eine zunehmende Zahl von Patienten mit einer entzündlich-rheumatischen Krankheit verdankt eine wesentliche Linderung ihrer Beschwerden den TNF-alpha-Blockern. Die Wirksamkeit dieser Medikamente beruht darauf, dass sie den entzündungsfördernden Botenstoff „Tumor-Nekrose-Faktor alpha“ blockieren. Die damit verbundene Dämpfung des Immunsystems ist allerdings mit einem erhöhten Risiko schwerer Infektionen verbunden.
Während es bereits eine ganze Reihe von Untersuchungen dazu gibt, welche Faktoren im Einzelfall ein gutes Ansprechen auf diese Medikamente wahrscheinlich machen , ist wenig darüber bekannt, bei welchen Patienten mit einem erhöhten Risiko für das Auslösen einer schweren Infektion durch die Anti-TNF-alpha-Therapie zu rechnen ist.
Eine Möglichkeit, Informationen nicht nur über die Wirksamkeit, sondern auch über die Nebenwirkungen dieser Medikamente zu sammeln, sind Patientenregister, in denen solche Vorkommnisse registriert werden. Bei der Auswertung solcher Register und vieler Therapiestudien fiel uns auf, dass die Häufigkeit schwerer Infektionen mit der Therapiedauer abnimmt, und wir mussten uns fragen, ob das Risiko hauptsächlich in den ersten Therapiemonaten besteht oder ob vielleicht nur besonders widerstandsfähige Patienten („survival of the fittest“) die Therapie über längere Zeit fortsetzen.

Studie zum Infektionsrisiko unter einer Anti-TNF-alpha-Therapie

Unsere Untersuchung basiert auf dem Patientenregister RABBIT (Rheumatoide Arthritis: Beobachtung der Biologika-Therapie), in dem medizinisch relevante Daten über die Behandlung der rheumatoiden Arthritis mit TNF-alpha-Blockern und anderen Biologika (molekularbiologisch hergestellten Medikamenten) gesammelt werden. Die Patienten werden zu Beginn der Behandlung, nach 3 und 6 Monaten und dann halbjährlich von Rheumatologen untersucht und nach Nebenwirkungen der Therapie befragt. Bei einem Ausscheiden aus der Studie oder beim Tod eines Patienten wird nach den Gründen dafür geforscht.
Eine Infektion wird der Anti-TNF-alpha-Therapie zugeordnet, wenn die Therapie entweder noch läuft oder höchstens 3 Monate vor der Infektion beendet wurde.

Studienergebnisse

Zwischen dem 1. Mai 2001 und dem 31. Dezember 2006 wurden 5274 Patienten im RABBIT-Register geführt, von denen 5044 in unsere Studie aufgenommen wurden. Nicht aufgenommen wurden Patienten, die mit Anakinra (einem anderen Biologikum) behandelt wurden oder von denen nur die Ergebnisse der Erstuntersuchung bekannt waren. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 2,6 Jahre.

Trend in der Infektionsrate

Wie in Tabelle 1 zu sehen ist, war der Anteil mit einer schweren Infektion im zweiten Behandlungsjahr – und erst recht im dritten Behandlungsjahr – wesentlich kleiner als im ersten Behandlungsjahr. In einer Vergleichsgruppe, die mit langfristig krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (sogenannten Basismedikamenten) behandelt wurde, änderte sich dagegen die Infektionsrate nicht mit der Behandlungsdauer.

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