Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 132 (März 2013)

Wenn TNF-alpha-Blocker beim Morbus Bechterew versagen: Gibt es Alternativen?

von Dr. Uta Kiltz*, Dr. Frank Heldmann, Dr. Xenofon Baraliakos* und Prof. Dr. Jürgen Braun*, Herne
*) Träger des DVMB-Forschungspreises

Einleitung

Die medikamentöse Behandlung der axialen Spondyloarthritis1 einschließlich des Morbus Bechterew war bis vor wenigen Jahren im Wesentlichen auf nichtsteroidale Antirheumatika (cortisonfreie Entzündungshemmer, NSAR) beschränkt. Sulfasalazin und Methotrexat sind wirkungslos, wenn sich die Krankheit auf die Wirbelsäule beschränkt. Im Gegensatz zu ihrer Bedeutung bei der rheumatoiden Arthritis spielen sie bei der axialen Spondyloarthritis auch bei peripherer Gelenkbeteiligung (außerhalb der Körperachse) nur eine untergeordnete Rolle.
Wesentlich erweitert wurde das Spektrum wirksamer Entzündungshemmer beim Morbus Bechterew durch Medikamente, die das entzündungsfördernde Zytokin (Botenstoff) Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-a) blockieren. Aber auch diese Medikamente, die eingesetzt werden, wenn NSAR nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden, haben ihre Grenzen: Nur etwa die Hälfte der damit behandelten Morbus-Bechterew-Patienten erreicht eine Besserung der Krankheitsaktivität (BASDAI2) um mindestens 50%. Mit der Ausnahme sehr früher Krankheitsstadien bei jungen Patienten erreicht weniger als ein Drittel der mit TNF-Blockern behandelten Morbus-Bechterew-Patienten die angestrebte Remission3.
Für Morbus-Bechterew-Patienten, bei denen die Wirksamkeit der TNF-Blocker unzureichend ist oder bei denen Kontraindikationen (Gegenanzeigen) gegen ihren Einsatz vorliegen, werden alternative Behandlungsstrategien dringend gesucht.
Aus den Ergebnissen von mikroskopischen Gewebeuntersuchungen und aus Magnetresonanzbildern kann man schließen, dass sich der Morbus Bechterew primär an der Grenze zwischen Knochen und Knorpel abspielt. Immunzellen (Makrophagen, T-Zellen und B-Zellen) und entzündungsfördernde Zytokine (insbesondere TNF-alpha) wurden an solchen Stellen nachgewiesen. Neben dem TNF-alpha spielen auch andere Zytokine (Interleukin-1, Interleukin-6 und Interleukin-17) im Rahmen des Entzündungsprozesses eine Rolle.
Wir berichten hier über Studien, bei denen versucht wurde, Morbus-Bechterew-Patienten mit anderen Medikamenten zu behandeln. Einige von ihnen wurden bei der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasis-Arthritis erfolgreich untersucht.

Abatacept

Das Medikament Abatacept, das die Aktivierung von T-Lymphozyten (weißen Blutkörperchen) hemmt, wurde in mehreren kleinen Studien mit Morbus-Bechterew-Patienten erprobt. Nach einer 24-wöchigen Behandlung zeigte sich nur bei 13% der vorher nicht mit einem TNF-alpha-Blocker behandelten Patienten und bei keinem der Patienten, die vorher vergeblich mit einem TNF-alpha-Blocker behandelt wurden, eine 40%ige Besserung nach den ASAS-Besserungskriterien4. Eine so kleine Erfolgsrate liegt im Bereich des auch mit einem Placebo (Scheinmedikament) Erreichbaren. Abatacept scheint also beim Morbus Bechterew wirkungslos zu sein.

Anakinra

Das Medikament Anakinra, das die Wirkung des Zytokins Interleukin-1 blockiert, wurde in zwei Studien an Morbus-Bechterew-Patienten erprobt. Bei einer in Berlin durchgeführten Studie wurden 20 Patienten, bei denen NSAR nicht ausreichend wirksam waren, 24 Wochen lang mit Anakinra behandelt. Obwohl 7 Patienten aus der Studie vorzeitig ausstiegen, wurde bei 4 Patienten das ASAS-40-Besserungskriterium4 erreicht. Weil aber der mittlere BASDAI aller Studienteilnehmer sich nicht signifikant änderte, konnte auch hier nicht auf eine Wirksamkeit beim Morbus Bechterew geschlossen werden.


1) MBJ Nr. 117 S. 4–6 und S. 39–40, Nr. 123 S. 5, Nr. 129 S. 36–37 und S. 5 in diesem Heft
2) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
3) Schmerzen, Morgensteifigkeit, körperliche Funktionseinschränkung und Beurteilung
    des allgemeinen Gesundheitszustands unter 20% der Skalenlänge
4) MBJ Nr. 113 S. 5, Nr. 121 S. 11, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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