Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 134 (September 2013)

Darf ich vorstellen…

von Peter Koncet, Mitglied des DVMB-Bundesvorstands und der MBJ-Redaktion

Dieses Mal darf ich Ihnen zwei Schwergewichte in der DVMB vorstellen. Das kann man zum einen auf deren Körpergröße beziehen, anderseits sind ihre Leistungen für unseren Verband ebenso groß wie ihre Erscheinung. Einer wuchs im Osten auf und war ein frühes Mitglied der Vereinigung Morbus Bechterew in der DDR, die 1990 in der DVMB aufging. Der andere fand in seiner südlichen Wahlheimat einen energischen Hausarzt, der ihn 1989 mehrfach auffordern musste, in die neu gegründete DVMB-Gruppe in Traunreut einzutreten. Keiner der beiden ahnte damals, welche „Karrieren“ ihnen in der DVMB bevorstanden.

Peter Hippe
Peter Hippe
Peter Hippe

weiß als dienstältestes Vorstandsmitglied im Bundesverband aus oft erlebter Erfahrung, dass es nie zu spät für einen Neuanfang ist. Der am Neujahrstag 1958 in Halle/Saale geborene gelernte Elektromonteur mit Abitur trotzte in der Wendezeit den Verlockungen aus den westlichen Bundesländern und entschloss sich zum Studium des Bauingenieurwesens in Leipzig.
Aufmerksam wurde er auf die bevorstehende Gründung der Vereinigung Morbus Bechterew in der DDR über die Zeitung „Neues Deutschland“ (Bechterew-Brief Nr. 40 S. 15-19). Mit Gründung dieser Vereinigung (Bechterew-Brief Nr. 41 S. 3-15) gehörte er ihr bereits seit Mai 1990 als Mitglied an, wo er automatisch mit Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3.10.1990 Mitglied in der DVMB wurde. Erste Symptome des Morbus Bechterew traten bei ihm 1986 nach einem Ausrutscher auf Glatteis mit Steißprellung auf. Dieser Vorfall mit der anschließenden Diagnose bedeutete ihm damals das Ende der Welt. Doch heute möchte er auf die vielen Freunde, die ihm die Arbeit mit und in der DVMB gebracht hat, nicht mehr verzichten.
Wichtig für ihn ist nicht nur die DVMB, sondern auch sein Job, seine Kinder Sebastian und Lena, seine Eltern, seine Brüder und deren Familien und seine Frau Kerstin. „Dass die DVMB ein wesentlicher Teil meines Lebens geworden ist, wurde nur möglich, weil meine Frau meine Aufgaben in diesem Verband auch akzeptiert“, weiß Peter Hippe stolz zu berichten.
Auf der Gründungsversammlung des Landesverbands Sachsen-Anhalt 1991 (Bechterew-Brief Nr. 47 S. 52-54) wurde er zum 1. Vorsitzenden und auf der Bundesdelegiertenversammlung 1992 zum Beisitzer in den DVMB-Bundesvorstand gewählt. Viele Jahre bekleidete er das Amt des Schriftführers, bevor er auf der Bundesdelegiertenversammlung 2012 einstimmig zum Vorsitzenden gewählt wurde (MBJ Nr. 130 S. 42-43). Ein wichtiges Ziel ist ihm, dass es gelingen möge, dass Beschlüsse oder Vereinbarungen, die in unseren Gremien demokratisch gefasst werden, auch auf allen Ebenen in unserem Verband umgesetzt werden.
Neben seinem Beruf bedeutet sein ehrenamtliches Engagement als Vorsitzender viele zusätzliche Stunden in der Woche für die DVMB. Entspannung findet er in seiner Freizeit, indem er die Beine hoch legt oder etwas Leckeres für sich, seine Frau und die Kinder, wenn sie mal in Naumburg zu Besuch sind, kocht. Hierbei schreckt er auch nicht vor aufwendigen internationalen Menüs zurück. Die Grundlagen hierzu hat er sich in seiner Kindheit durch den Blick über die Schultern seiner Großmutter  angeeignet. Oder er hört als leidenschaftlicher Autofahrer Musik von Marius Müller-Westernhagen laut im Auto. Dabei bekommt er am besten seinen Kopf frei und kann wieder klar denken.

Dr. Eckhard Pfeiffer
Dr. Eckhard Pfeiffer

wurde 1941 in Stolp/Pommern geboren. Sein Vater, ein Zahnarzt, fiel 1943 in Russland und seine Mutter floh mit ihm und seiner Schwester im März 1945 in einem kleinen Schnellboot zunächst nach Danzig/Godenhafen, dann mit einem Lazarettschiff nach Dänemark. Aus der Internierung in Dänemark folgte 1947 die Einreise in die französische Zone, wo die kleine Familie im Kreis Tübingen schließlich Fuß fassen konnte und die Mutter als Verwaltungsangestellte Arbeit fand und ihn und seine Schwester liebevoll umsorgte.
Gerne wäre Eckhard Pfeiffer Ingenieur geworden, da sich in der Schule seine mathematische Begabung zeigte und er Freude an praktischen Tätigkeiten hatte und heute immer noch hat. Da er in der Universitätsstadt Tübingen wohnte, entschloss er sich – vor allem aus Kostengründen – zum Physik- statt Ingenieurstudium. Der Abschluss erfolgte 1970 mit Promotion in Physik. Nach 3 Jahren Industrietätigkeit fand er in einem Krankenhaus in Bad Mergentheim eine Stelle in der Medizinischen Physik, in der Nuklearmedizin. Von dort wechselte er – wegen der Nähe zu den geliebten Bergen – nach Traunstein. Hier fand er in der Arbeit mit Röntgen, Strahlenschutz, Nuklearmedizin und vor allem Strahlentherapie bis zu seiner Rente 2001 eine sehr ausfüllende und befriedigende Tätigkeit. 1976 begannen die typischen frühmorgendlichen starken Rückenschmerzen. Dass er auf eine Diagnose nicht lange warten musste, verdankt er seinem Chef in der Strahlenabteilung. Dieser sah auf der Röntgenaufnahme des Beckens Flüssigkeitssäume in den Sakroiliakalgelenken. Ein Zeichen für Entzündungen! Der Begriff Morbus Bechterew war ihm bereits vertraut, weil damals ein Morbus-Bechterew-Patient im Institut mit Kobalt bestrahlt wurde. Außerdem berichtete sein Chef schon von einem Bechterewler in Hamburg, der sich jeden Tag flach auf den Bauch legen musste, damit seine Frau – eine Krankenschwester – ihn mit ihrem Gewicht gerade drücken konnte! Die Diagnose bedeutete ihm damals Ansporn, die Folgen der Krankheit zu bewältigen und sich in seinem Beruf dadurch nicht beeinträchtigen zu lassen. Von einer Freundin seiner Frau, die zufällig als Ärztin mit der Bechterew-Gymnastik im Klinikum links der Isar in München beschäftigt war, lernte er seine erste Spezialgymnastik kennen, die er trotz guter Vorsätze zu Hause allerdings nicht ausübte.
Seit 1989 nahm er regelmäßig an den Therapien der Gruppe Traunreut teil und wurde Mitglied in der DVMB. Als 1993 niemand Nachfolger des Gruppengründers als Gruppensprecher werden wollte, übernahm er diese Position bis 2008. 1998 bewarb er sich auf Betreiben von Franz Gadenz um die Funktion des Beisitzers im Bundesvorstand, dem er bis 2008 angehörte. 1999 wurde er Redaktionsmitglied des damaligen Bechterew-Briefs, des heutigen Morbus-Bechterew-Journal. Als Franz Gadenz 2002 Bundesvorsitzender wurde, übernahm er von ihm die Funktion des Vorsitzenden des Landesverbands Bayern.
Die vielfältigen Aufgaben, die Eckhard Pfeiffer ausübt, sind nach seiner Aussage damit zu erklären, dass er in der DVMB eine gute Gemeinschaft gefunden hat und seine Frau ihn in seiner Arbeit ebenso unterstützt als auch darauf achtet, dass er sich nicht übernimmt. Allerdings bedauert der Familienmensch und fünffache Vater und Großvater, dass manche Planungen mit der Familie wegen der DVMB-Termine eingeschränkt sind. Doch die schöne Umgebung seiner Wahlheimat, dem Chiemgau mit seinen Seen und Bergen, bietet ihm wunderbare Möglichkeiten, sich bei Berg- und Radwanderungen im Sommer und Skilanglauf im Winter zu entspannen. Das gilt auch für die wöchentlichen Besuche seines Enkels Severin. Hier findet er Gelegenheit, neue Kraft zu schöpfen. Kraft, die er nicht mehr zwingend für das Erreichte, sondern für eine bessere Attraktivität der DVMB für die jungen Bechterewler einsetzen möchte.