Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 134 (September 2013)

Gesunde Genüsse zum 33-jährigen Jubiläum der DVMB – ein Koch-Event

von Annika Nuri, Mönchengladbach

Gute Ratschläge zum gesunden Essen bei Morbus Bechterew hatte ich in meinem Leben ja schon reichlich bekommen. Anfang April aber bekam ich bei meinem Quartalstermin in der rheumatologischen Praxis gleich eine Einladung für die Teilnahme an einem „antientzündlichen“ Koch-Event am 28. April.
Zum 33-jährigen Jubiläum der DVMB hatten sich Dr. Gudrun LIND-ALBRECHT und Ruth KURZ (Österreischiche Vereinigung Morbus Bechterew) ein besonderes Geschenk für die DVMB ausgedacht. In liebevoller Kleinarbeit und mit farbenprächtiger Gestaltung haben sie eine ganze Reihe vielfach erprobter und ernährungsmedizinisch fundierter Rezepte in einem speziell an Morbus-Bechterew-Patienten gerichteten „kleinen Kochbuch der gesunden Genüsse“ zusammengestellt.

Sozusagen als Vernissage zum Erscheinen dieses Kochbuchs haben sie dann eingeladen zum Koch-Event in einer Lehrküche nahe Düsseldorf, nämlich in der so genannten „Abenteuer-Küche“ unter der Leitung der Besitzerin und Ernährungsberaterin Petra GESTHUYSEN-MIEDEN in Meerbusch-Bösinghoven.
Ruth Kurz hatte eine ganze Truppe von Mit-Patienten nebst der Physiotherapeutin ihrer „Turngruppe“ aus dem Burgenland mitgebracht. Dr. Lind-Albrecht hatte eine ganze Reihe ihrer Patienten aus der Morbus-Bechterew-Ambulanz der Praxis RHIO in Düsseldorf angeheuert. Selbstverständlich ließ es sich auch Ludwig HAMMEL als Geschäftsführer der DVMB und als begeisterter Hobbykoch und anerkannter Genießer nicht nehmen, dabei zu sein.   
Ludwig Hammel brachte auch die druckfrischen Kochbuch-Exemplare mit. Die Rezepte in diesem Kochbuch waren die Grundlage des 5-Gänge-Menüs, das wir jetzt gemeinsam herstellen sollten, womit wir dann sozusagen gleich überprüfen konnten, wie schmackhaft und wie leicht zuzubereiten die Speisen nach den Rezepten sind. Ob sie, wie versprochen, auch die Entzündungsaktivität vermindern, konnten wir natürlich so schnell nicht feststellen.
In zwei Gruppen aufgeteilt, trafen sich an besagtem Samstag die deutsch-österreichischen „Morbus-Bechterew-Köche“ (fast genauso viele Männer wie Frauen), um gemeinsam zu schnippeln, zu rühren, zu braten, backen, köcheln und dann auch zu schlemmen.
Den großen Tisch fanden wir schon bei unserm Eintreffen ganz einladend gedeckt und unsere Vorfreude war groß. Auch eingekauft hatte Frau Gesthuysen-Mieden bereits reichlich – und wir sahen schon Berge von Gemüse und Kräutern incl.Wildpflanzen, allerlei Beerenobst neben feinem Öl, Aceto, ja sogar Wein auf dem Küchenwagen auf uns warten.
Mit einem leckeren alkoholfreien Wiesenblumen-Aperitif wurden wir begrüßt und wir teilten uns in kleinere Teams auf, die jeweils für einen der geplanten Menü-Gänge verantwortlich waren.
Nun wurde unter Regie von Frau Gesthuysen-Mieden – begleitet von ein paar antientzündlichen Erklärungen von Frau Dr. Lind-Albrecht – losgelegt. Rund um die Kochinsel und an einzelnen Zusatztischen verteilten sich die Teams – und es mussten alle Gänge der Menüfolge für ein späteres nicht mehr durch Arbeiten unterbrochenes Festessen zusammengezaubert werden.

Als Vorspeise war die Tomatensuppe „Rotkäppchen“ ausgewählt worden, natürlich nur aus frischen Zutaten. Anstelle der Croutons bestand die Suppeneinlage aus frisch gezupften Taubnesselblüten – eine hübsche und schmackhafte Anregung. Dann folgte ein Brokkoli-Feta-Salat, leicht zuzubereiten, auch für Koch-Neulinge. Wie man Fenchel „artgerecht“ zubereitet, bekamen wir noch schnell als ganze Gruppe erklärt, und dann machte sich das Fenchel-Team an die Arbeit für das Ingwer-Fenchel-Gemüse mit Walnüssen. Wie man Quinoa kocht, erfuhren wir dann als nächstes, und das entsprechende Team machte sich ans Werk mit gründlichem Auswaschen vor dem Kochen. Der frische Lachs wurde gewürzt und für den Backofen vorbereitet – hier musste der richtige Zeitpunkt getroffen werden, um später neben dem Inka-Korn Quinoa ein zartes Stück Fisch auf dem Teller zu haben. Die Nachspeise aus pürierten Beeren und Topfencreme – mit dunklen Schoko-Raspeln –  sollte den Abschluss bilden.
Alle diese Köstlichkeiten wurden tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt fertig – auch die Mischung aus Koch­neulingen und Kochprofis sowie die teils etwas schwierige Sprachverständigung zwischen den Burgenländern und den Rheinländern taten dem Ergebnis keinen Abbruch – im Gegenteil, sie waren eine weitere besondere Würze. Das Schöne an so einem gemeinsamen Kochen mit „Wildfremden“ aber dennoch gleichermaßen Betroffenen ist die lockere Atmosphäre, die sich gleich einstellt, und damit die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. Ganz nebenbei erfährt man Wissenswertes über gesunde Ernährung, Kräuter und Gewürze, auch Wildkräuter, die teilweise als scheinbare Unkräuter (wie der Giersch) sogar bei uns in der Wiese oder im eigenen Garten zu finden sind.
Als wir gemeinsam an der langen Tafel Platz nahmen, waren wir alle höchst gespannt, wie denn unsere Meisterwerke so schmecken würden. Und es stimmte: wir hatten wirklich kulinarische Köstlichkeiten gezaubert. Ein Gang nach dem andern wurde in gemütlicher Atmosphäre am einladend gedeckten Tisch gemeinsam verzehrt, dazu ließen wir uns ein gutes Glas Wein munden.
Nachdem ich ja nun einen Auszug aus dem Kochbuch kreieren und probieren konnte, kann ich allen Lesern vergewissern, dass die Rezepte der gesunden Genüsse wirklich sehr schmackhaft sind. Ganz nebenbei kann dies auch noch die Entzündungsaktivität unserer Krankheit dämpfen. Mich persönlich hat dieser Tag auch neugierig gemacht, einmal etwas Neues in der Küche / in der Ernährung auszuprobieren, egal ob es sich hierbei um neue Rezepte oder um neue, mir bisher nicht bekannte oder vertraute Zutaten handelt. Zusätzlich hat dieser Koch-Event mich aber animiert, bewusster über meine Ernährung und die verwendeten Zutaten bzw. Lebensmittel nachzudenken.
„Das kleine Kochbuch gesunder Genüsse“ ist übrigens in der DVMB-Schriftenreihe als Heft Nr. 17 erschienen (siehe Buchbesprechung im MBJ 133, S. 26).Vielleicht hat Sie mein Bericht auch neugierig gemacht, sich noch intensiver mit dem eigenen Koch- und Ernährungs-Verhalten zu beschäftigen und mehr gesunde und ausgewogene Gerichte in den Kochplan mit aufzunehmen.