Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 134 (September 2013)

Schlafstörungen bei Morbus Bechterew

von Jinane Hakkou, Samira Rostom, Mariam Mengat, Nawal Aissaoui, Rachid Bahiri und Professor Najia Hajjaj-Hassouni, El-Ayachi-Universität in Sale und Mohammed-V-Souissi-Universität in Rabat, Marokko

Morbus-Bechterew-Patienten klagen oft über Schlafstörungen. Sie wachen nachts auf wegen entzündungsbedingter Schmerzen.
Da über den Zusammenhang mit anderen Krankheitsaspekten fast nichts bekannt ist, führten wir eine Studie durch, um

  • die Häufigkeit von Schlafstörungen bei der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) zu erforschen und
  • Zusammenhänge mit der Krankheitsaktivität, der Behinderung, mit Depressionen, Ängsten und verschiedenen Aspekten der Lebensqualität zu ergründen.

110 Morbus-Bechterew-Patienten nahmen an der Studie teil, die an der El-Ayachi-Uni-versitätsklinik in Sale (Marokko) durchgeführt wurde. Patienten, die auch noch andere Krankheiten hatten, die zu Schlafstörungen führen können, wurden von der Studie ausgeschlossen.
Die Krankheitsaktivität wurde mit dem BASDAI-Fragebogen1)  bestimmt, bei dem die Patienten auf 6 Skalen die Stärke der Müdigkeit, der Rückenschmerzen, der Schmerzen in Gelenken außerhalb der Wirbelsäule, der Empfindlichkeit von Sehnenansätzen und die Stärke und Dauer der Morgensteifigkeit angaben.
Zur Bestimmung der Behinderung bei alltäglichen Verrichtungen wurde der BASFI-Fragebogen1) verwendet.
Das Ausmaß der Schlafstörungen wurde auf einer Skala angegeben, die von 0 (keine Schlafstörungen) bis 4 (sehr schwere Schlafstörungen) reicht. Außerdem wurde nach der durchschnittlichen Zahl nächtlichen Erwachens gefragt.
Das Ausmaß von Depressionen und Ängsten wurde auf dem Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) eingetragen.
Zur Beurteilung der Lebensqualität wurde der SF-36-Fragebogen verwendet, in dem nach Aspekten gefragt wird, die in Tabelle 1 aufgeführt sind.

Tabelle 1: Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und anderen krankheitsspezifischen Parametern bei der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew)
Studienergebnisse

Von den 110 befragten Morbus-Bechterew-Patienten litten 65% unter Schlafstörungen (40% unter leichten bis mäßigen Schlafstörungen und 25% unter schweren bis sehr schweren Schlafstörungen). Von den Patienten mit Schlafstörungen litten ¾ unter Depressionen und/oder Angstzuständen. Die mittlere Anzahl nächtlichen Aufwachens betrug 1,5 pro Nacht.
Patienten mit Schlafstörungen hatten im Mittel mehr Schmerzen, eine höhere Krankheitsaktivität waren stärker behindert, ein größerer Anteil von ihnen hatte Depressionen und Ängste, und auch die verschiedenen Aspekte der Lebensqualität waren bei ihnen im Mittel signifikant schlechter. Dagegen gab es keinen Zusammenhang mit dem Alter oder Geschlecht (Tabelle 1).
Mit der „multivariaten Regressionsanalyse“ wurde festgestellt, dass Schmerzen und Depressionen unabhängige Risikofaktoren für krankheitsbedingte Schlafstörungen sind. Ähnliche Ergebnisse wie in unserer Studie wurden 2009 auch von GÜNAYDIN u.a. berichtet2) .

Schlussfolgerungen

Schlafstörungen als Krankheitsfolge werden im medizinischen Alltag noch zu wenig beachtet. Schmerzen und Depressionen müs-sen nicht nur deshalb optimal behandelt werden, weil sie die Lebensqualität erheblich herabsetzen, sondern auch, weil sie als Risikofaktoren für Schlafstörungen zusätzlich zur Beeinträchtigung der Lebensqualität beitragen.

1) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
2) MBJ Nr. 120 S. 4–5
 
Anschrift der Verfasser:
Department of Rheumatology,
El Ayachi University Hospital,
Sale, Marokko

Quelle: Gekürzte patientengemäße Übersetzung eines in der Zeitschrift Rheumatology International Band 33 (2013) S. 285–290 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis

Anmerkung der Redaktion: Empfehlungen und Tipps gegen Schlafprobleme und Müdigkeit finden Sie im MBJ Nr. 124 S. 5–6 und Nr. 131 S. 30.

Schlafstörungen © Copyright Christian BOB Born, Freiburg
Schlafstörungen © Copyright Christian BOB Born, Freiburg