Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 135 (Dezember 2013)

Morbus Bechterew und Übergewicht

von Dr. Laura Durcan, Dr. Fiona Wilson, Dr. Richard Conway, Prof. Dr. Gaye Cunnane und Dr. Finbar D. O’Shea, St. James’s Hospital und Trinity College in Dublin, Irland

Körperliche Aktivität ist ein zentraler Bestandteil im Umgang mit dem Morbus Bechterew. Studien ergaben, dass körperliche Aktivität beim Morbus Bechterew die Beweglichkeit verbessert, Behinderungen entgegenwirkt und zur Erhöhung der Lebensqualität beiträgt. Obwohl es immer mehr Belege dafür gibt, wie wichtig Bewegungsübungen im Leben eines Morbus-Bechterew-Patienten sind, geben nur 18–47% der Patienten an, solche Übungen regelmäßig auszuführen1.
Fettleibigkeit ist in der Allgemeinbevölkerung mit einer erhöhten Sterblichkeit verknüpft sowie mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, einer eingeschränkten Funktionskapazität und einem erhöhten Risiko für Krebs, Zuckerkrankheit und Depressionen.
Da die Häufigkeit von Übergewicht beim Morbus Bechterew und ihre Auswirkung auf den Krankheitsverlauf bisher nicht untersucht wurden, untersuchten wir bei den Morbus-Bechterew-Patienten unserer Kliniken die Häufigkeit eines erhöhten „Body mass index“ (BMI)2 und den Zusammenhang mit der Krankheitsschwere.

Studie zur Übergewichtigkeit bei Morbus-Bechterew-Patienten

Von den 46 Morbus-Bechterew-Patienten unserer Studie waren 33% normalgewichtig  (BMI kleiner als 25 kg/m2), 37% übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30 kg/m2) und 30% fettleibig (BMI über 30 kg/m2). Bezüglich der Geschlechtsverteilung und dem Raucheranteil gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen diesen Gruppen. Auch bezüglich des Anteils mit Uveitis, mit einer entzündlichen Darmerkrankung oder mit einer Anti-TNF-Therapie war der Unterschied nicht signifikant.
Ein Vergleich einiger Krankheitsaspekte zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen bzw. fettleibigen Patienten ist in Tabelle 1 wiedergegeben. Signifikante Unterschiede zu Gunsten der Normalgewichtigen gab es bei der Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands, bei der Krankheitsaktivität (BASDAI), der Behinderung bei Alltagsverrichtungen (BASFI) und bei der Beurteilung des Werts von Bewegungsübungen und den empfundenen Hindernissen gegen Bewegungsübungen.

Schlussfolgerungen

Der Anteil Fettleibiger ist unter den Morbus-Bechterew-Patienten etwa doppelt so hoch wie in der irischen Allgemeinbevölkerung. Dies ist alarmierend angesichts der Beobachtung, dass übergewichtige Morbus-Bechterew-Patienten eine höhere Krankheitsaktivität aufweisen und ein geringeres allgemeines Wohlbefinden, ganz abgesehen von der höheren Sterblichkeit und den zusätzlichen Gesundheitsrisiken Fettleibiger, wie sie auch in der Allgemeinbevölkerung beobachtet werden..
Medikamente können zwar die Beschwerden lindern. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass regelmäßige Bewegung und insbesondere krankheitsspezifische Bewegungsübungen eine ganz zentrale Rolle in der Bewältigung der Krankheit spielen.

Tabelle 1: Auswirkungen der Krankheit bei normalgewichtigen (BMI < 25  kg/cm2) und übergewichtigen oder fettleibigen (BMI > 25  kg/cm2) Morbus-Bechterew-Patienten

1) Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahr 2008 gaben 26% an, täglich oder fast täglich Bewegungsübungen auszuführen.
2) BMI = Körpergewicht (in kg) dividiert durch Körperlänge (in Metern) im Quadrat.

Anschrift des letztgenannten Verfassers:
Rheumatology Day Centre,
St. James’s Hospitall
Dublin 8, Irland.
Quelle: Gekürzte patientengemäße Übersetzung eines im Journal of Rheumatology Band 39 (2012) S. 2310–2314 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis)