Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 136 (März 2014)

Hörprobleme bei Morbus Bechterew

Prof. Dr. Orhan Kemal Kahveci, Prof. Dr. Ümit Seçil Demirdal, Dr. Abidin Duran, Prof. Dr. Ali Altuntas,
Prof. Dr. Vural Kavuncu, Prof. Dr. Erdogan Okur, Afyon-Kocatepe-Universität in Afyonkarahisar, Türkei

Die häufigsten Begleiterkrankungen beim Morbus Bechterew außerhalb des Skeletts betreffen die Augen (Iritis), den Darm (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), die Nieren und die Lunge. Neue Studien ergaben, dass auch Hörprobleme beim Morbus Bechterew häufiger sind als in der Allgemeinbevölkerung, wobei ihre Ursache unbekannt ist.1)
Mit unserer Studie wollten wir genaueres über diese Hörprobleme herausfinden. Wir verglichen 37 Morbus-Bechterew-Patienten mit 20 gesunden Vergleichspersonen. Nicht in die Studie aufgenommen wurden Patienten, die gehörgefährdende Medikamente einnahmen (außer wenn diese Medikamente gegen den Morbus Bechterew eingenommen wurden), Patienten, die beruflich Lärm ausgesetzt oder am Ohr operiert waren, Patienten mit Menière-Krankheit oder einer anderen Ohrenkrankheit, Kopfverletzungen, Stoffwechsel- oder Nervenkrankheiten oder einem Hörsturz in der Vergangenheit.
Die Morbus-Bechterew-Patienten und die Vergleichspersonen wurden in unserer Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten gründlich untersucht, auch auf Tinnitus2) und Schwindel3), und wurden nach Hörverlusten in der nahen Verwandtschaft befragt. In einem schalldichten Raum wurde die Hörschwelle (die Lautstärke, bei der ein Ton gerade noch wahrgenommen wird) bei verschiedenen Frequenzen (Tonhöhen) und die Fähigkeit zum Sprachverstehen bestimmt.
Bei den Morbus-Bechterew-Patienten wurden außerdem in der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation die Krankheitsaktivität (BASDAI)4), die Entzündungslaborwerte CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie der Medikamentengebrauch protokolliert.

Studienergebnisse

Das mittlere Alter der Morbus-Bechterew-Patienten und der Vergleichspersonen lag übereinstimmend bei 41 Jahren. 13 der Morbus-Bechterew-Patienten (35%) berichteten über Tinnitus-Probleme. Bei den Vergleichspersonen war es nur einer (5%). Bei den Schwindelanfällen und bei der Funktion der Hautnerven gab es dagegen keinen signifikanten Unterschied, und auch nicht bei der Häufigkeit von Hörproblemen in der nahen Verwandtschaft.
Die mittlere Hörschwelle bei den Morbus-Bechterew-Patienten lag bei allen untersuchten Frequenzen im Mittel signifikant höher als bei den Vergleichspersonen. Bei den Morbus-Bechterew-Patienten gab es einen Hörverlust um mindestens 20 Dezibel5) im gesamten Frequenzbereich in 11 der 74 Ohren (15%) und einen Hochfrequenz-Hörverlust in weiteren 9 Ohren (12%). Bei den Vergleichspersonen gab es nur 1 Ohr (2,5%) mit Hörverlust im gesamten Frequenzbereich und kein weiteres mit einem Hochfrequenz-Hörverlust.

1) Ein Erfahrungsbericht und ein Leserbrief zum Thema Hörsturz beim Morbus Bechterew erschien im Bechterew-Brief
    Nr. 61 S. 24–25 und S. 88
2) Ein ausführlicher Artikel über Tinnitus (störende Ohrgeräusche) beim Morbus Bechterew erschien im Bechterew-Brief
    Nr. 70 S. 17–27.
3) Ein ausführlicher Artikel über Schwindelanfälle beim Morbus Bechterew und seine Behandlung erschien im Bechterew-Brief
    Nr. 52 S. 14–17, eine Reihe von Leserbriefen dazu im Bechterew-Brief Nr. 52 S. 62–67
4) siehe MBJ Nr. 121 S. 9–12 und DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) Ein Unterschied von 20 Dezibel bedeutet ein Verhältnis 1:100 in der Schall-Leistung.

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