Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Darf ich vorstellen…   

Von Peter Koncet, Mitglied des DVMB-Bundesvorstands

Alles muss seine Ordnung haben. Recht und Ordnung. Überall, wo Menschen zusammenleben, geht es nicht ohne Regeln, Absprachen und gegenseitige Hilfestellung. Wie für das Gemeinwesen, gilt dies auch für eine Selbsthilfegemeinschaft. Die ordnungsgemäße Beachtung der Satzung gebietet eine ordentliche Prüfung der Kassen. Sie ist ein wesentlicher Teil der rechtsrelevanten Tätigkeit eines gemeinnützigen Vereins. Sie dient den Interessen der Gesamtheit der Mitglieder und ist bedeutend für den Fortbestand des Vereins. Durch die Überprüfung werden die Integrität des Vereins und das Vertrauen der Mitglieder in ihren Vorstand gestärkt. Vor allem aber müssen sich staatliche und private Geldgeber darauf verlassen können, dass die DVMB mit den überlassenen Geldern sorgsam und gewissenhaft umgeht.
Tipps und Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, ist die Kernidee der Selbsthilfe. Gelegentlich brauchen unsere Mitglieder jedoch auch Hilfe in sozialrechtlichen Fragen. Stolz sind wir darauf, als erste Selbsthilfeorganisation unseren Mitgliedern ein besonderes Angebot machen zu können: Wir bieten professionelle juristische Beratung in rechtlichen Fragen, die die Krankheit Morbus Bechterew und deren Folgen betreffen. 
Das alles hört sich so selbstverständlich an. Doch ohne die Personen die diese Aufgaben seit Jahren gewissenhaft übernommen haben, würde unsere ehrenamtliche Selbsthilfegemeinschaft nicht funktionieren und wir hätten nicht die anerkannte Stellung in der Selbsthilfelandschaft. Diese Menschen stehen zwar nicht im Focus der alltäglichen Erfüllung unserer Aufgaben. Dennoch sind ihre Leistungen für alle wertvoll. Gut zu wissen, dass für Recht und Ordnung gesorgt ist.

Meike Schoeler
Portrait von Meike Schoeler

musste 1987 aus familiären Gründen umziehen und deshalb ihre Arbeitsstelle in einer größeren Anwaltssozietät aufgeben. Sie suchte dringend eine neue Stelle, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Beim Arbeitsamt machte man ihr zunächst wenig Hoffnung. Doch dann meldete sich ihr Berater vom Arbeitsamt und teilte ihr mit, dass sich bald ein Herr HÜMMER, Vorsitzender einer Selbsthilfegruppe von Morbus-Bechterew-Patienten aus Schweinfurt melden würde. Herr Hümmer suche dringend eine Sekretärin, die Widersprüche für die Mitglieder gegen Bescheide von Krankenkassen und den Rentenversicherungen schreiben könne. Da wäre es doch besser, gleich eine Juristin einzustellen. Bald meldete sich Herbert Hümmer und vereinbarte einen Vorstellungstermin. Auf den ersten Blick sah für sie noch alles sehr provisorisch aus. Das „Büro“ war in einer 3-Zimmer-Wohnung in einem Zweifamilienhaus untergebracht. Eine Küche und ein Bad. Im Wohnzimmer auf dem Esstisch stand die Schreibmaschine. Das  Kinderzimmer diente der Aktenaufbewahrung und beherbergte die Poststelle. Schließlich öffnete Herr Hümmer die letzte Tür – zum ehelichen Schlafzimmer – und verkündete: „Das ist ab 1. Januar Ihr Arbeitsplatz“!
Am 2. Januar 1988, ihrem ersten Arbeitstag, stand dann allerdings ein Schreibtisch dort und ein großer Willkommens-Blumenstrauß. Seitdem ist sie die Justitiarin der DVMB! Und darauf ist sie stolz. Im Gegensatz zu ihrem Hauptberuf als Rechtsanwältin kann sie hier noch mehr helfen und daran arbeiten, das Leben von Menschen mit der chronischen Erkrankung Morbus Bechterew zu verbessern. Das geschieht durch die tägliche Beratung von hilfesuchenden Mitgliedern und deren Angehörigen, durch Unterstützung des Vorstands und Kontakte zu anderen Selbsthilfeverbänden. Sie sorgte für zahlreiche  Veröffentlichungen, zuerst im Bechterew-Brief und nun auch im Morbus-Bechterew-Journal zu wichtigen sozialrechtlichen Fragen. Sie schuf die Loseblattsammlung Bechterew-Recht und die gleichnamige CD. Sie hielt zahlreiche Seminare zum Sozialrecht und erstellte sozialpolitische Stellungnahmen. Und es ist ihr jedes Mal etwas ganz Besonderes und Erfüllendes, wenn sie einem Morbus-Bechterew-Patienten den entscheidenden Tipp geben kann, der alles zum Guten wendet und die Probleme lösen kann. Dieses Gefühl motiviert sie jeden Tag aufs Neue.
Ihr soziales Engagement und das Interesse für medizinisch- juristische Zusammenhänge hat Meike Schoeler wohl ihren Eltern abgeschaut. Sie waren ganz wesentlich ihr Vorbild für den weiteren Lebenslauf. Im Mai 1955 wurde Meike Schoeler in eine alt eingesessene Familie von Handwerkern und Kaufleuten hineingeboren. Der Vater war Richter von Beruf, ihre Mutter Schwesternhelferin und vielfältig ehrenamtlich engagiert. Ihr Geburtsort ist Fritzlar, ein über 1270 Jahre altes nordhessisches Fachwerkstädtchen. Ihr Geburtshaus, ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1740, steht mitten in der historischen Altstadt.
Sie ging auf das ortsansässige Gymnasium, schwärmte für Natur und Tiere, insbesondere Pferde, Musik und Bücher. Nacheinander wollte sie Pfarrerin, Landwirtin, Tierärztin und Lehrerin für Deutsch und Geschichte werden, entschloss sich aber nach dem Abitur 1974, zunächst in Marburg und dann in Tübingen Jura zu studieren. Vorbild war hier wiederum ihr Vater, der in der Kleinstadt Fritzlar in allen Lebenslagen um Hilfe gebeten wurde. Das beeindruckte sie: Menschen durch juristisches Wissen effektiv zu ihrem Recht zu verhelfen und so positiv Einfluss nehmen zu können.
Seit ihrem 2. Staatsexamen 1982 war sie als Rechtsanwältin tätig. Zunächst in Pforzheim, danach in Schweinfurt, bis sie schließlich wieder in ihrer Geburtsstadt Fritzlar landete. Sie ist geschieden und wieder verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.
Sehr entspannen kann sie beim Chorsingen, beim Schwimmen und in der Sauna sowie in geselliger Runde mit den Kindern und Schwiegerkindern, der Großfamilie oder mit Freunden bei einem leckeren Essen, Wein oder einem fruchtigen Cocktail. Zur Ruhe kommt sie, wenn sie sich am weiten Strand der dänischen Insel Röm gegen den Wind stemmen kann, die tosende Nordsee neben ihr und dann vor dem Kamin ein heißer Tee und ein Krimi von Andreas Franz oder Nele Neuhaus oder eine interessante Biografie. So kann sie den Tag  am besten zusammen mit ihrem Mann beschließen. Überhaupt möchte sie mit niemand anderem lieber den Tag verbringen als mit ihrem Mann.
Der DVMB wünscht Meike Schoeler, dass wieder mehr von dem Mut und dem Unternehmungsgeist der Gründerjahre spürbar wird, sich Mitglieder für die Sache der Morbus-Bechterew-Patienten engagieren und begeistern lassen, ohne dass gleich danach gefragt wird, was denn für einen selbst dabei herauskommt. Und weniger Kleinmut und Verzagtheit! Schon ihre Großmutter pflegte bei großen Unglücken und Enttäuschungen zu sagen: „Nicht traurig sein, wer weiß wofür es gut ist!“ Dieser Spruch hat sich immer wieder als richtig erwiesen. Denn schließlich gilt: Das Leben ist ungerecht, aber nicht immer zu unseren Ungunsten! Dass es jeden Tag ein bisschen gerechter wird, dafür arbeitet sie auch weiterhin als Justitiarin der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew mit aller Kraft.

Henning Müßigbrodt
Portrait von Henning Müßigbrodt

Endlich Schluss mit „Scheuermann“, dem steten Verdacht auf Diabetes und dem wochenlangen Tragen eines Zinkleimverbandes. Darüber freute sich Henning Müßigbrodt, als er  genau am 11. Juli 1988 die Diagnose Morbus Bechterew durch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) erhielt. Die überflüssige Entfernung der Mandeln machte ihn jetzt noch wütender, aber die Ursachen der LWS-Schmerzen, Entzündungen in den Zehen, Fersen und im Becken sowie eine siebenmalige Iritis hatten jetzt einen Namen: Morbus Bechterew. Erste Symptome traten bei ihm 1964 als ständig wiederkehrende Rückenbeschwerden auf.
Geboren wurde Henning Müßigbrodt Anfang Januar 1940 in Krobsdorf Kreis Löwenberg i. Schlesien. Aufgewachsen ist er in der Lüneburger Heide, genauer in Bad Fallingbostel, wo er die Volks- und Mittelschule besuchte. Bei der Kreissparkasse Fallingbostel zu Walsrode absolvierte er die Ausbildung zum Sparkassenkaufmann, obwohl er als Kind immer Lokomotivführer werden wollte, oder lieber noch – wegen der Mangeljahre nach dem Krieg – Schiffskoch. An der Deutschen Sparkassenschule Hannover bildete er sich zum Sparkassenbetriebswirt weiter. Auf seinen beruflichen Werdegang ist er heute noch stolz.
Wegen Morbus Bechterew war Henning Müßigbrodt siebenmal zur Kur in Bad Aibling, Klinik Wendelstein, zuletzt 1999. Im Februar 2000 ging er in Rente und konnte nun seinen Tagesablauf weitgehend auf die rehasportlichen Anforderungen der Krankheit umstellen. Auf die DVMB aufmerksam wurde er 1990, als bei seiner ersten Kur in Bad Aibling ein in seinen Augen wahrer Vortragskünstler erschien, der u.a. die DVMB vorstellte. Der Vortragende war niemand anderes als der damals noch neue Geschäftsführer der DVMB, Ludwig HAMMEL. Dessen Vortrag überzeugte ihn und er wurde gleich Mitglied. Anschluss fand er in der örtlichen Gruppe in Hameln. Ab dem Geschäftsjahr 1998 ist er Kassenprüfer beim DVMB-Bundesverband. Auf seine Erfahrungen griff nicht nur der Landesverband Niedersachsen zurück, wo er für die Jahre 2003 und 2004 die Kassenprüfung übernahm, sondern auch die Gruppe Hameln, die er seit 2001 als Kassenwart betreut.
Seitdem arbeitet er in der Gruppenleitung mit. Zugleich kümmerte er sich um die Außenvertretungen der Gruppe beim Kreissportbund, der Paritätische Hameln-Pyrmont und beim Behindertensportverband in Niedersachsen.
Die Frage, ob sich seine damaligen Erwartungen an eine Mitgliedschaft in der DVMB erfüllt haben, beantwortet er eher schmunzelnd: „Na ja, die Krankheit bin ich nicht losgeworden, aber ich habe durch den Verband viel gelernt und kann heute damit gut umgehen“. Überzeugt hat ihn für sein Engagement besonders in der Gruppe schon eher die Tatsache, dass sich hier Mitbetroffene finden, die sich untereinander hinsichtlich der gesundheitlichen Belastung verstehen, die einander Rat geben können und zuverlässig zusammenhalten. Das Angebot in der örtlichen Gruppe muss nach seiner Meinung über den qualifizierten Rehasport unter professioneller Anleitung hinausgehen. Da gehören Infoveranstaltungen, Wanderungen, Ausflüge u.ä. unbedingt dazu. Wichtig ist ihm auch, dass der Einzelne als Behinderter nicht isoliert wird und dass darüber hinaus auch Familienangehörige in die Aktivitäten  eingebunden werden.
Kraft gewinnt Henning Müßigbrodt vor allem im Umgang  mit seinen Kindern, Enkeln, Geschwistern und Freunden. Viel Freude hat er an nationaler und internationaler Volksmusik, ebenso an ausgiebigen Wanderungen. Gerne darf es beim Wandern auch einmal weiter gehen. Wenn er auf seinen Reisen die Länder Mittelosteuropas besucht, freute er sich, Land und Leute jetzt näher kennenzulernen, da er diese Länder jahrzehntelang nicht bereisen konnte.