Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Gebrauch von Rheuma-Medikamenten vor und nach Operationen

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

von Prof. Dr. Klaus Krüger, Dr. Katja Albrecht, Prof. Dr. Stefan Rehart und Priv.-Doz. Dr. Roger Scholz
für die Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen1)  werden häufig mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken. Ist eine Operation erforderlich, muss entschieden werden, ob die medikamentöse Therapie unterbrochen wird oder fortgeführt werden kann. Bei einer Fortführung besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Wundheilungsstörungen, dessen Ausmaß und Auswirkungen für viele Medikamente bisher nicht hinreichend geklärt sind. Eine Unterbrechung kann andererseits einen Krankheitsschub zur Folge haben, der seinerseits den Heilungsverlauf erschweren kann.

Die folgenden Empfehlungen dienen als Orientierung für eine individuelle Entscheidung, wenn eine Operation bevorsteht.

Allgemeine Empfehlung und Risikoeinschätzung

Die medikamentöse Therapie vor und nach einer Operation sollte nach einer individuellen Einschätzung des Risikoprofils des Patienten und unter Berücksichtigung der Empfehlungen zu den einzelnen Medikamenten erfolgen.

Art des Eingriffs

Wegen der Vielfalt möglicher Operationen und der unterschiedlichen Faktoren, die das Entstehen einer Infektion beeinflussen können, ist es notwendig, eine individuelle Risikoeinschätzung vorzunehmen.
Liegt ein steriles Umfeld vor wie bei einer Star-Operation im Auge, ist das Risiko einer Infektion deutlich niedriger als bei einer möglichen Anwesenheit von Bakterien, z.B. bei einer Darm-Operation. Die Häufigkeit einer Infektion im Zusammenhang mit einem Gelenk-Ersatz liegt inzwischen bei 1–2%. Bei einer gleichzeitigen Therapie, die das Immunsystem unterdrückt, werden jedoch Infektionsraten von 4–8% angegeben. Wiederholungsoperationen und vorausgegangene Infektionen sind Risikofaktoren für ein höheres Infektionsrisiko im Zusammenhang mit einer Operation. Auch die Operation an einem oberflächlich gelegenen Gelenk (Ellenbogen, Fuß/Sprunggelenk) ist mit einem höheren Risiko verknüpft. Eine kurze Operationsdauer reduziert das Infektionsrisiko.

Gesundheitszustand des Patienten, Grunderkrankung

Das Alter des Patienten, Fettleibigkeit, Alkohol- und Nikotinkonsum sind zusätzliche Risikofaktoren für eine Infektion.
Als Begleiterkrankungen müssen insbesondere

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
  • Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) und
  • chronische Lungen-Erkrankungen bedacht werden.


Weitere potenzielle Infektionsquellen sind

  • eine Divertikulitis (Entzündung einer Ausstülpung im Darm),
  • Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung),
  • Infekte im Kieferbereich,
  • infizierte Hämorrhoiden
  • und auch eingewachsene Zehennägel.

Ebenso muss die Begleitmedikation überprüft werden.

1) In dieser Patientenversion  wird auf diejenigen Medikamente eingegangen, die bei der Morbus-Bechterew-Therapie gebräuchlich sind. Siehe auch MBJ Nr. 114 S. 10–11

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