Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Musik verdrängt die Schmerzen komplett

von Reto Baliarda, Redakteur bei der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew, Zürich

Im Dorfladen von Obervaz (Graubünden, Schweiz) sticht dem Kunden das exklusive Käse-Angebot sofort ins Auge. „Käse ist nebst der Musik meine große Leidenschaft“, betont Daniel PFEIFFER (57). Der Filialleiter des Geschäfts spricht engagiert über seine vielseitigen Aktivitäten. Dass er gleichzeitig an Morbus Bechterew leidet, fällt dem Gegenüber kaum auf.
Als Jugendlicher hatte sich Daniel Pfeiffer daran gewöhnt, dass es in seinem Rücken immer wieder mal zwickt. Doch als der gelernte Landwirt im Jahre 1983 einmal eine schwere Last bewegen wollte, meldeten sich heftige Rückenschmerzen, die fortan nicht mehr verschwinden wollten. Die Beschwerden strahlten in die Beine aus. „Häufig konnte ich sie vor Schmerzen kaum noch bewegen“, blickt Pfeiffer zurück. So wurde die Arbeit auf seinem gepachteten Hof im Emmental immer mehr zur Qual.

Die Klarinette ist Daniel Pfeiffers beste Schmerztherapeutin. Wenn er in die Musik abtaucht, nimmt er keine Beschwerden mehr wahr.
Die Klarinette ist Daniel Pfeiffers beste Schmerztherapeutin. Wenn er in die Musik abtaucht, nimmt er keine Beschwerden mehr wahr.
Angst vor der Nachtruhe

Noch schlimmer erging es ihm nachts. Seine Frau Ruth erinnert sich: „Mein Mann hatte regelrecht Angst, ins Bett zu gehen. Er wusste, dass ihn die Schmerzen spätestens um 3 Uhr morgens aus dem Schlaf reißen würden.“ Und Daniel Pfeiffer ergänzt: „Am Morgen brauchte ich häufig eine halbe Stunde, bis ich aufstehen konnte.“ Nach zweijähriger intensiver Leidenszeit und einer Odyssee durch etliche Arztpraxen meldete ihn sein Hausarzt beim Inselspital in Bern an, wo er schließlich die Diagnose Morbus Bechterew erhielt.
Diesen Befund bezeichnet Daniel Pfeiffer heute als Erfolg: „Endlich hatten meine Schmerzen einen Namen.“ Er meldete sich bei der Therapiegruppe Langnau der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew an. Dass er dort Mitbetroffene mit zum Teil gekrümmten Rücken antraf, gab ihm zwar zu denken. Doch konnte er damit gut umgehen.

Erfolgreiche Umschulung

Mehr zu schaffen machte ihm die berufliche Zukunft. Es wurde ihm schmerzlich bewusst, dass er mit einer rheumatischen Krankheit seinen Beruf als Bauer früher oder später an den Nagel hängen musste. So ließ er sich zum Agrokaufmann umschulen. Mittlerweile leitet er seit 13 Jahren die Spar-Filiale in Obervaz.
Mit dem Morbus Bechterew kommt Pfeiffer heute wesentlich besser zurecht als in der Zeit vor der Diagnose. Zwar ist sein Nacken teilweise versteift, so dass er den Kopf nach beiden Seiten nur noch um rund 45° drehen kann. Doch längst sind seine Schmerzen, vor allem im Schulterbereich, nicht mehr so stark.

Musik zaubert seine Schmerzen weg

Bei einem Schmerzschub nimmt er alternative Präparate oder ein Antirheumatikum. Doch die beste Medizin gegen die Beschwerden ist für Daniel Pfeiffer die Musik. „Wenn ich auf meiner Klarinette spiele, hat nichts anderes mehr Platz. Dann fühle ich mich einfach wohl und kann die Schmerzen völlig ausblenden, bis ich das Spielen beendet habe und mich vom Stuhl erhebe“, beschreibt er die positive Wirkung, die er übrigens auch beim Komponieren spürt. Bis heute hat er über 50 Melodien kreiert und drei CDs mit Eigenkompositionen herausgegeben.
Dank der Musik kann der vielseitige Bündner seinem Morbus Bechterew sogar etwas Positives abgewinnen. Denn seit er den Beruf als Landwirt aufgegeben hat, haben er und seine Familie mehr Zeit. Diese wurde u.a. in den Musikunterricht für seine zwei Söhne investiert. „Heute haben wir eine Familienkapelle“, betont Pfeiffer, der auch mit den Formationen „Klarinettissimo Plus“, „Kapelle Rätia“ und „Ländlerkapelle Vadret“ auftritt. Mit der Formation „Klarinettissimo Plus“ trat er kürzlich sogar im Schweizer Fernsehen in der Unterhaltungssendung „Potzmusig“ auf.
Schließlich hat ihn der Morbus Bechterew auch beim Komponieren inspiriert. So sind die Stücke „Z‘ früa ufgschtanda“ und „Kalti Nächt“ wegen der Krankheit entstanden.

Anschrift von Daniel Pfeiffer:
Voa Viglia 7A, CH-7082 Faz/Oberfaz, SCHWEIZ

Quelle:    Bechterew News
               der Schweizerischen Vereinigung Morbus Bechterew