Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Rehabilitation bei Morbus Bechterew

von Dr. Martin Skoumal1,2, Prof. Dr. Günther Haberhauer2,3 und Dr. Christoph Strehblow3

1)Laab im Walde (Österreich), 2)Baden (Österreich), 3)Wien (Österreich)

Gekürzte patientengemäße Überarbeitung eines in der Wiener Medizinischen Wochenschrift Band 160 (2010) S. 215–219 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis).

Einleitung

Gemäß den ASAS/EULAR-Empfehlungen1)  besteht eine moderne Behandlung der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) aus einer Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiemaßnahmen. Neben der medikamentösen Therapie ist die Rehabilitation mit all ihren Möglichkeiten ein wichtiger Bestandteil der Behandlung entzündlicher Wirbelsäulenerkrankungen. Dabei wird speziell auf die Krankheitssituation, die Krankheitsaktivität, persönliche und psychische Aspekte sowie auf die berufliche Situation des Patienten eingegangen und versucht, mit den zur Verfügung stehenden Maßnahmen ein optimales Therapiekonzept für den jeweiligen Patienten zu entwickeln.

Was ist Rehabilitation

Rehabilitation ist ein sich wiederholender auf Problemlösungen ausgerichteter erzieherischer Prozess, der ganz spezifisch auf Aktivitätseinschränkungen eingeht und somit zur Erhöhung der Teilnahmefähigkeit (Partizipation) am Zusammenleben führt. Durch diese Maßnahmen kommt es zu einer Verringerung der Sorge von Betroffenen bezüglich ihrer Erkrankung und von Angehörigen, die mit der Betreuung von Patienten mit chronischen Erkrankungen konfrontiert sind. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Grenzen, die sich aus der Krankheitsaktivität und den bereits eingetretenen Schäden ergeben.
Die Rehabilitation ist klar abgegrenzt von Wellness, Kur, Erholung oder Urlaub, weil hier intensiv auf die körperlichen und psychischen Defizite eingegangen wird, um die Teilhabe am Zusammenleben, die Funktionalität und die Aktivität zu verbessern.

Ziele der Rehabilitation

Ziele der Rehabilitation sind eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität, die einerseits durch den Krankheitsprozess und dadurch bedingte Funktionseinschränkungen und andererseits durch Arbeitsunfähigkeit und soziale Nachteile herabgesetzt ist. Krankheitsprozesse können sowohl von sich aus zu einer Verminderung der Lebensqualität führen als auch dadurch, dass Funktionseinschränkungen zur Arbeitsunfähigkeit und zur sozialen Isolation führen können. Arbeitsunfähigkeit und soziale Isolation können ihrerseits den Krankheitsprozess beschleunigen und die Funktionsfähigkeit verschlechtern. Dies ist ein Teufelskreis, in den die Rehabilitation an mehreren Angriffspunkten eingreift.
Bezüglich der Aktivitätsstörungen ist das Ziel, die Selbständigkeit der Patienten zu verbessern, sie in die Lage zu versetzen, weniger auf Hilfsmittel und fremde Hilfe angewiesen zu sein, die Beweglichkeit zu verbessern, die Geschicklichkeit zu trainieren und insgesamt mehr Ausdauer zu erlangen. Ein wichtiger Bestandteil hierbei ist die optimale Krankheitsbewältigung mit intensiver psychologischer Betreuung zur Schmerzbewältigung und zum Umgang mit einer chronischen Erkrankung.

Individuelle Ziele setzen

Am Beginn einer optimalen Rehabilitation steht die Beurteilung und Interpretation der Erkrankung des Patienten. Danach wird ein Therapieplan erarbeitet, in dem die patientenzentrierten Ziele bestimmt und mit allen Beteiligten abgestimmt werden.2
Um optimal zu rehabilitieren, müssen individuelle Ziele gesetzt werden, die gemeinsam mit dem Patienten und dem Rehabilitationsteam definiert werden. Man unterscheidet dabei zwischen einer zustandserhaltenden (präventiven) Verringerung von Folgeschäden, einer kurativen Behandlung zur Verbesserung der Ausgangssituation und den rehabilitativen Schulungsmaßnahmen. Die individuellen Ziele werden in regelmäßigen Abständen überprüft.2
Ziele zu setzen, führt zu Veränderungen im Verhalten, zu einer Verbesserung des Lernergebnisses, wobei eine Unterscheidung zwischen kurz- und langfristigen Zielen am effektivsten ist.
Zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit sind auch berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen, Umschulungen und evtl. auch Lebensstiländerungen notwendig, die im Rahmen einer Rehabilitation besprochen und zum Teil auch in die Wege geleitet werden können.

1) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9
2) siehe auch Seite 4–7 in diesem Heft
3) MBJ Nr. 97 S. 14–18, Nr. 102 S. 24–26,  Nr. 110 S. 21–24, Nr. 113 S. 17–20

Bild 1: Trainingstherapieraum (siehe auch MBJ Nr. 136 S. 34)	Quelle: DVMB
Bild 1: Trainingstherapieraum (siehe auch MBJ Nr. 136 S. 34) Quelle: DVMB

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