Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Voraussetzungen für eine Morbus-Bechterew-Therapie mit TNF-Blockern

Auszug aus einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Von Prof. Dr. Bernhard Manger, Prof. Dr. Hubert G. Nüsslein, Prof. Dr. Matthias Schneider, Prof. Dr. Joachim Sieper
und der Kommission Pharmakologie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie

Voraussetzungen für eine Behandlung der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew)1)  sind nach der im Jahre 2006 von der Kommission Pharmakologie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie herausgegebenen Empfehlung:

  • Die Diagnose muss gesichert sein.
  • Die Erkrankung sollte mindestens ein halbes Jahr Beschwerden bereitet haben.
  • Eine erhöhte Krankheitsaktivität (BASDAI mindestens 4) sollte seit über mindestens einem Monat bestehen.
  • Zusätzlich sollte ein positives Votum eines mit der Erkrankung und mit der Anti-TNF-alpha-Therapie vertrauten Experten, in der Regel eines Rheumatologen, vorliegen, dass eine Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker indiziert ist. Diese Expertenmeinung sollte auf objektiven Zeichen einer Entzündung (ärztliche Untersuchungsbefunde, erhöhte EntzündungsLaborwerte, Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild oder rasches Fortschreiten im Röntgenbild) beruhen.
  • Bei vorherrschenden Wirbelsäulenbeschwerden ist eine vorherige Behandlung mit konventionellen Basistherapeutika nicht erforderlich. Die Patienten sollten jedoch mit mindestens 2 nichtsteroidalen Antirheumatika in der höchsten zugelassenen und tolerierten Dosis ohne ausreichenden Erfolg behandelt worden sein, es sei denn, es liegen Kontraindikationen für eine solche Therapie vor.
  • Bei im Vordergrund stehenden Gelenkentzündungen außerhalb der Wirbelsäule sollten die Beschwerden trotz mindestens einer lokalen Corticosteroid-Injektion und einem Therapieversuch mit Sulfasalazin über mindestens 4 Monate in der maximal tolerierten Dosis fortbestehen, außer wenn diese Therapie kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird.
  • Ist innerhalb von 3 Monaten kein Ansprechen auf die Anti-TNF-alpha-Therapie festzustellen, sollte die Behandlung nicht fortgesetzt werden.
  • Die Behandlung sollte durch einen Arzt eingeleitet werden, der eigene umfangreiche Erfahrungen in der Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen mit immunmodulierenden Wirkstoffen besitzt. Das ist in der Regel ein internistischer Rheumatologe.
  • Eine TNF-Blocker-Therapie sollte nicht begonnen bzw. eine laufende Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn ernste lokalisierte oder allgemeine, akute oder chronischaktive Infektionen vorliegen oder auftreten.
  • Zum Ausschluss einer durchgemachten Tuberkulose soll vor Beginn der Anti-TNF-alpha-Therapie ein Röntgenbild der Lunge aufgenommen werden (falls nicht bereits innerhalb der letzten 3 Monate erfolgt).
  • Außerdem soll ein Tuberkulin-Test zum Ausschluss einer latenten Tuberkulose durchgeführt werden.
  • Im Zweifelsfall sind weitere Labortests nötig

1) Die Empfehlungen sind sinngemäß auch auf die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (undifferenzierte Spondyloarthritis, ohne deutliche Veränderungen im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke) übertragbar,
Anmerkung der Redaktion

Anschrift des erstgenannten Verfassers:
Medizinische Klinik III mit Poliklinik
Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
Krankenhausstraße 12, 91054 Erlangen

Quelle:     Patientenverständlicher
Auszug aus der in der Zeitschrift für
Rheumatologie Band 66  (2007) S. 72–75
erschienenen Veröffentlichung