Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 137 (Juni 2014)

Zielgerichtete Behandlung entzündlicher Wirbelsäulenkrankheiten

Empfehlungen einer internationalen Expertengruppe

von Prof. Dr. Josef S. Smolen (Wien), den DVMB-Forschungspreisträgern Prof. Dr. Jürgen Braun,
Prof. Dr. Martin Rudwaleit, Prof. Dr. Joachim Sieper und Dr. Xenofon Baraliakos sowie 27 weiteren Experten aus 12 Ländern

Das Vorgehen bei der Diagnose, Therapie und Verlaufsbeurteilung von Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) oder einer Psoriasis-Arthritis (Schuppenflechte mit Gelenkentzündung) hat sich im vergangenen Jahrzehnt sehr verändert: Die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS) hat neue Klassifikationskriterien und neue Krankheitsbezeichnungen beschlossen1, neue Medikamente haben sich als wirksam erwiesen, das Magnetresonanzbild gewann eine zunehmende Bedeutung als Untersuchungsmethode bei Spondyloarthritiden (entzündlichen Wirbelsäulenkrankheiten)2, und neue Beurteilungsmaßstäbe für die Krankheitsaktivität wurden entwickelt3. Auch wurden Empfehlungen für die Behandlung der Spondyloarthritiden herausgegeben4. Durch die neuen Klassifikationskriterien wurden auch die beiden vorwiegenden Erscheinungsformen der Spondyloarthritis unterschieden: die axiale und die periphere Spondyloarthritis und ihre möglichen Überlappungsformen.
Trotz all dieser Fortschritte bleibt die Behandlung der Spondyloarthritiden eine Herausforderung, nicht zuletzt, weil ein klares Ziel der Behandlung und eine Strategie zur Erreichung dieses Ziels bei der Spondyloarthritis (im Gegensatz zu einigen anderen Krankheiten) bisher nicht festgelegt wurden.
Eine Gruppe von Spezialisten nahm sich deshalb dieser Aufgabe an und erarbeitete unter dem Slogan „Treat to target“ Empfehlungen zur Verbesserung der Behandlung der axialen und peripheren Spondyloarthritis, die im Folgenden erläutert werden.

Ergebnisse

Das Ergebnis unserer Literaturauswertung basiert auf 14 Studien zur ankylosierenden Spondylitis und 7 Studien zur Psoriasis-Arthritis, die sich als auswertbar für unser Thema erwiesen. Bei den anschließenden Beratungen erhielten 5 übergeordnete Prinzipien und 11 Empfehlungen eine Mehrheit.
Die Empfehlungen werden detailliert erläutert. Die Erläuterungen sind Teil der beschlossenen Empfehlungen.5

Übergeordnete Prinzipien

Nach Ansicht der Expertengruppe gehören einige Aspekte der Spondyloarthritis-Therapie so grundlegend zur guten ärztlichen Praxis, dass sie ein allgemeines Gerüst für die Empfehlungen bilden. Wir nennen sie „übergeordnete Prinzipien“ und stellen sie den Empfehlungen voran.

A. Das Behandlungsziel basiert auf einer gemeinsamen Entscheidung des Patienten und des Rheumatologen.
Die Patientenbeteiligung an Therapieentscheidungen gehört inzwischen fest zur ärztlichen Praxis, vor allem, wenn es sich um eine chronische Krankheit handelt. Dies ist ein allgemeines Patientenrecht, das nachweislich das gegenseitige Verständnis und den Behandlungserfolg verbessert und in zunehmendem Maße auch bei der Spondyloarthritis als wichtig anerkannt wird.
Die Arbeitsgruppe war überzeugt, dass die Patienten informiert sein müssen über das angestrebte Behandlungsziel, die Möglichkeiten, das Ziel zu erreichen, und die Gründe, auch im Licht der damit verbundenen Risiken gerade dieses Ziel anzustreben. Die Patienten sollten aktiv an dieser Diskussion teilnehmen.

1) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6
2) MBJ Nr. 98 S. 12, Nr. 100 S. 6, Nr. 115 S. 17–19, Nr. 122 S. 13–14
3) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 122 S. 21, Nr. 124 S. 17–18, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
4) MBJ Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9, Nr. 130 S. 10
5) In der hier abgedruckten Patientenfassung sind die Erläuterungen stark verkürzt wiedergegeben.

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