Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 138 (September 2014)

„Liebe, Lust und Leiden(schaft)“

Das 23. Treffen des FrauenNetzWerks der DVMB

Von Kathrin Reinsch, Frauenansprechpartnerin in Niedersachsen

Ganz unter diesem Motto trafen sich vom 23. bis 25.Mai 2014 zehn Frauen in Köln zum 23. Arbeitstreffen des FrauenNetzWerks (FNW) der DVMB. Als neues Gesicht konnten wir Jessica Kranich aus Hamburg begrüßen,die unter der „Schirmherrschaft“ von MargretOelmann aus Niedersachsen das Handwerk der Ansprechpartnerinnen kennenlernen wollte.
Bevor der eigentliche Workshop beginnen konnte, veranstaltete die Leiterin des FNW, Christina Schneider, ein Kennenlernspiel à la „stille Post“. Es zeigte sich recht deutlich, wie wichtig Kommunikation sein kann. Anschließend berichteten die Vertreterinnen der einzelnen Landesverbände über erfolgte und geplante Frauenseminare. Schön ist, dass in fast allen Landesverbänden mit Ansprechpartnerin etwas auf die Beine gestelltwerden konnte oder in Planung ist.

Am Samstag konnten wir Uwe Detter aus Regensburg vom Medho Bezirksklinikum Regensburg/IBP (Institutfür Bildung und Personalentwicklung) in unserer Runde begrüßen. Er leitete den Workshop „Liebe, Lust und Leiden(schaft)“. Diese Thematik ist sicher nicht einfach rüber zu bringen – hat doch jeder seine eigenen Vorstellungen von dem Thema und eine persönliche Einstellung dazu.

Wir begannen mit so einfachen Dingen wie der Körperwahrnehmung und dem Körperbild. Wie gehe ich mit meinem Äußeren um, wie stehe ich zu mir selbst, wie nehme ich mich wahr oder werde von anderen wahrgenommen? Was ist sexy? Eine einfache Antwort darauf zufinden, ist nicht leicht. Warum denken viele Menschen, behinderte Menschen können nicht sexy sein oder wären gar asexuell? Der Wunsch, die eigene Sexualität zuleben, wird nicht von einer Behinderung gemindert. Die meisten Menschen mit Behinderung sind natürlich auch an Sex interessiert. Egal ob heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder sexuell verwirrt, behinderte Menschen sind genau wie der Rest der Menschheit – und ja, vielleichtsind auch manche asexuell. Nur die meisten sind es nicht.

Die „schönste Sache der Welt“, leider für Menschen mit Handicap oft ein Trauma à la  „behinderte Liebe= verhinderte Lust“. Dieses Thema wird gerne übergangen, ist für viele ein Tabuthema. In den Medien werden nur ideale Körper, perfekte Figuren und makellose Menschen als liebenswert vorgeführt. So kommt es häufig vor, dass „normale“ Menschen sich missraten finden und erst recht Behinderte oder Personen mit Handicap. Damit wird diesen Menschen (also auch uns) aber ein wesentlicher Teil unserer Persönlichkeit genommen.Was kann man also tun, wenn die Krankheit die sexuelle Lust behindert? Der Morbus Bechterew beeinträchtigt den normalen Geschlechtsverkehr im Allgemeinen nur wenig. Schmerzen und Steifheit begrenzen zwar die Möglichkeiten bei vielen Menschen, so dass sie Positionen vermeiden, die den Rücken besonders belasten. Dies schränkt aber die Variationsmöglichkeiten insgesamt kaum ein. Größere Probleme können sich einstellen, wenn Gelenke der Arme oder Beine stark mitbetroffen sind, insbesondere die Hüftgelenke.

Wie weit die mit der Krankheit verbundenen Schmerzen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit die sexuelle Lust beeinflussen, hängt stark von seelischen Einflüssen ab (Selbstbewusstsein, Vertrauen zwischen den Partnern). Hier sollten der Patient und sein Partner den Mut nicht verlieren und durch Experimentieren und Erfahrungen eine individuelle Lösung finden. Offenheit und Unvoreingenommenheit auf beiden Seiten sind dabei von entscheidender Bedeutung (siehe auch MBJ Nr.106 S.22–26 sowie im Leitfaden, DVMB-Schriftenreihe Heft 1).

Dieses schwierige Thema in einem eigenen Seminar unterzubringen, wird sicher nicht einfach sein, aber wir als FrauenNetzWerk wollen uns dessen gern annehmen.Dieser Workshop wird uns sicher eine Hilfe dabei sein. In Niedersachsen und Bayern sind bereits für 2015 Seminare zu diesem Thema geplant. Wir dürfen gespannt sein.

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