Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 138 (September 2014)

Kneipp und Morbus Bechterew – ein Versuch

von Manfred Stemmer, Beisitzer im DVMB-Bundesvorstand, Berlin

Kneipp = Wassertreten, Kneipp = kalte Güsse, das ist das verbreitete oberflächliche Wissen über die Kneippschen  Anwendungen. Aber Kneipp ist viel mehr. Die Lehre ruht auf 5 Säulen:

Ernährung, Bewegung, Kräuter, Lebensordnung, Wasser.

Es ist also die für die Morbus-Bechterew-Behandlung ganz wichtige Bewegung enthalten und die anderen vier Säulen sind eigentlich auch für jeden gut.

„Hotel-Kur“ mit vielseitiger Bewegungstherapie

Durch Zufall hatte ich vor einiger Zeit ein Hotel in Bad Wörishofen, dem Mekka der Kneipp-Anwendungen, kennengelernt, das neben den klassischen Wasser-Anwendungen auch viel Bewegungstherapie, meist in Gruppen, bietet und eine eigene physiotherapeutische Abteilung  hat. Das Hotel hat neben Schwimmbad und Sauna eine eigene Turnhalle und rühmt sich einer besonders naturnahen Kost. Da war zwar keine  klassische stationäre Reha-Maßnahme möglich, aber eine von der Krankenkasse finanziell unterstützte „ambulante Vorsorgemaßnahme am anerkannten Kurort“, früher „offene Badekur“ genannt. Ich hatte in den letzten Jahren keine starken Beschwerden, ich brauchte nur ganz selten Medikamente, nahm aber an vielen Bewegungstherapien teil. Ich ging nicht zur Kur, weil es mir schlecht ging, sondern damit es mir nicht schlecht ging. Da schien mir so eine vielseitige „Hotel-Kur“ das Richtige.
Mir ist klar, dass eine derartige „Kur“ nichts ist für junge frisch diagnostizierte Patienten, die auf ständige Betreuung durch einen Rheumatologen angewiesen sind, oder für Patienten, bei denen die Schmerzbewältigung im Mittelpunkt steht. Aber für ältere Patienten, die eine gewisse Erfahrung und Routine im Umgang mit der Krankheit haben und vor allem auf Bewegungstherapie Wert legen, schien es mir eine interessante Alternative.

Bei der Vorbereitung zum Fußbad
Bei der Vorbereitung zum Fußbad

Als Bechterewler im fortgeschrittenen Alter kommen zum Morbus Bechterew oft auch noch andere Beschwerden und Krankheiten hinzu. Auch das sprach dafür, mal eine Kombination mit Kneipp zu versuchen. Die Kneippschen Anwendungen werden empfohlen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Arthrosen und dienen allgemein der Stärkung des Immunsystems und der Abhärtung.
Mein ärztlich verordnetes Programm bestand aus durchschnittlich 6 Anwendungen pro Tag. Davon 3 Kneippsche Anwendungen, zweimal Bewegungstherapie und einmal Massage oder Manuelle Therapie.  Die Kneippschen Anwendungen umfassten neben den bekannten Kalt-Warm-Güssen auch Wannenbäder, Beinwickel und Fußbäder. Dazu kam mehrmals in der Woche morgens um 4:30 Uhr ein heißer  duftender Heusack, der mir von der Bademeisterin ins Bett gepackt wurde.
Die Bewegungstherapie gab es in Gruppen als Wirbelsäulengymnastik, Wassergymnastik, Pilates, Qi-Gong und Muskelentspannung nach Jacobson. Es hätte in einer Reha-Klinik kaum mehr sein können. Zusätzlich ging ich noch häufig im Kurpark Wassertreten und auf einem langen Barfußpfad mit sehr wechselhaftem Untergrund. Ich fühlte mich gefordert und gut behandelt. Mein Blutdruck ging um 20 Punkte zurück, meine Schmerzen aus einer schon fast chronischen Magenschleimhautentzündung  verschwanden und ich schlief besser durch.

Erstverschlimmerung“ oder ungeeignete Behandlung?

Aber: In der dritten Kurwoche bekam ich heftige und schmerzhafte Verspannungen im Nacken und in der Hüfte. Die Physiotherapeutin musste und konnte mir die Beschwerden beseitigen, die ich bei Kurantritt nicht hatte und die am nächsten Tag wiederkehrten.
Als ich nach drei Wochen nach Hause kam, hatte ich Rücken-, Nacken- und Fußschmerzen und konnte mich nur schwerfällig bewegen. Ich fühlte mich um 30 Jahre zurückversetzt, in die Zeit, als die Schmerzen im unteren Rückenbereich mich sehr beeinträchtigten. Ich hatte das Gefühl, dass bei bestimmten Bewegungen nur noch ein kleiner Ruck reichte, um einen krampfartigen Schmerz auszulösen. Folglich unterließ ich diesen letzten Ruck. Insgesamt schienen es mir weniger aus der Tiefe einer Entzündung kommende Schmerzen zu sein als vielmehr
krampfartige Verspannungen. Später kamen auch tieferliegende Schmerzen im Bereich Lendenwirbelsäule / Kreuzdarmbeingelenke hinzu. Die sonst gemiedenen und äußerst selten eingenommenen Diclofenac-Tabletten mussten diesmal als Nothelfer dienen.

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