Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 138 (September 2014)

Rheumatologie bei der Porte Maillot

Bericht vom EULAR-Kongress 2014 in Paris

Von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, Redaktion Morbus-Bechterew-Journal

Der diesjährige Kongress der European League against Rheumatism (EULAR) fand vom 11. bis zum 14. Juni im Palais des Congrès an der Metro-Station Porte Maillot im Westen von Paris statt. Trotz der ausgezeichneten Beschilderung konnte man sich in dem riesigen Kongresspalast (Bild oben) schnell verlaufen, wenn man einen bestimmten Saal suchte. Mit etwa 14.000 registrierten Teilnehmern aus 130 Ländern aller Kontinente, 725 Vorträgen und 1.800 Poster-Präsentationen war dies wieder die Nummer 1 unter den jährlich stattfindenden Rheumatologie-Kongressen1, wie bei der Kongress-Eröffnung bekanntgegeben wurde.
Mehr als 160 Poster bezogen sich auf die Spondyloarthritiden. Nur einen kleinen Teil davon kann ich in diesem Bericht berücksichtigen. Da die Vortragenden und die Verfasser der Poster im Programm des Kongresses sämtlich ohne Titel aufgeführt waren, wird auch in diesem Bericht auf die Nennung von Titeln verzichtet.

Bild 1: Der Berliner Rheumatologe Jan BRANDT (links) und DVMB-Forschungspreisträger Martin RUDWALEIT (rechts) im Gespräch in einem der großen Poster-Säle.
Bild 1: Der Berliner Rheumatologe Jan BRANDT (links) und DVMB-Forschungspreisträger Martin RUDWALEIT (rechts) im Gespräch in einem der großen Poster-Säle.

Diagnostik

DVMB-Forschungspreisträger Martin RUDWALEIT (Bild 1) wies darauf hin, dass es zur Diagnose einer axialen Spondyloarthritis nicht genügt, die Punkte der Klassifikationskriterien2  abzuhaken. Die ärztliche Gesamtbeurteilung ist dabei ebenso wichtig wie Spondyloarthritisspezifische Symptome und Röntgenbilder. Zu beachten ist auch, dass nicht alle Patienten mit einer nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis3 später in einen Morbus Bechterew übergehen.
Victoria NAVARRO-COMPÁN u.a. aus Spanien halten die zwischen rechts und links wechselnden Gesäßschmerzen für ein besonders charakteristisches Zeichen entzündlicher Kreuzschmerzen, das bei der Überweisung zum Rheumatologen wegen Verdacht auf eine Spondyloarthritis berücksichtigt werden sollte.
Ozair ABAWI u.a. aus Leiden (Niederlande) schlugen eine zweistufige Überweisungsstrategie vor: Wenn Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im Alter von weniger als 45 Jahren mindestens 2 der 3 Verdachtsmomente – rechts/linkswechselnde Gesäßschmerzen oder Besserung durch Bewegung oder Psoriasis – aufweisen, werden sie mit Verdacht auf eine Spondyloarthritis zum Rheumatologen überwiesen. Wenn sie weniger als 2 dieser Verdachtsmomente aufweisen, wird ein Test auf HLA-B27 veranlasst und der Patient wird bei positivem Ergebnis ebenfalls zum Rheumatologen überwiesen. Bei einem Vergleich von 10 Überweisungsstrategien hatte diese die höchste Trefferwahrscheinlichkeit.

Bild 2: Sofia RAMIRO (Mitte) und Vasco ROMAO (rechts, beide aus Portugal) im Ausstellungsstand der Jungen Rheu-matologen und Rheumaforscher.
Bild 2: Sofia RAMIRO (Mitte) und Vasco ROMAO (rechts, beide aus Portugal) im Ausstellungsstand der Jungen Rheu-matologen und Rheumaforscher.
Krankheitsverlauf

DVMB-Forschungspreisträger Denis PODDUBNYY aus Berlin u.a. stellten fest, dass sich Patienten mit einer nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis3 und mit einer ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) in den ersten Krankheitsjahren hinsichtlich empfundener Krankheitsaktivität (BASDAI)4  und Behinderung (BASFI)4 im Mittel nicht unterscheiden. Auch im Medikamentenbedarf gab es keinen signifikanten Unterschied. Der Entzündungs-Laborwert CRP liegt jedoch bei den Morbus-Bechterew-Patienten im Mittel signifikant höher.
Das Team um Denis PODDUBNYY stellte außerdem fest, dass die knöcherne Versteifung in den ersten Krankheitsjahren umso schneller fortschreitet, je höher die Krankheitsaktivität (ASDAS)5  ist.
Auch Sofia ROMIRA aus Portugal (Bild 2) u.a. suchten nach Einflüssen auf die Versteifungsgeschwindigkeit und fanden, dass Rauchen den Einfluss der Krankheitsaktivität auf das Fünffache steigert.

 

 

1) Über frühere EULAR-Kongresse berichteten wir im MBJ Nr. 95 S. 15–21, Nr. 98 S. 11–17, Nr. 110 S. 15–20, Nr. 120 S. 34–35,
    Nr. 122 S. 20–23, Nr. 126 S. 13–17 und Nr. 130 S. 16–20.
2) MBJ Nr. 106 S. 5–8, Nr. 117 S. 39–40, Nr. 123 S. 5–10
3) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6
4) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 124 S. 17–18, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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