Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 138 (September 2014)

Sportklettern und Therapeutisches Klettern mit Morbus Bechterew

Von Dr. med. Alfred A. J. Gruber, Arzt für Chirurgie im Rheuma-Therapie-Zentrum Nürnberg

Grundsätzlich sind sportliche Betätigungen auch für Patienten mit Morbus Bechterew sinnvoll und empfehlenswert. Natürlich gibt es Eignungen für bestimmte Sportarten: Manche Sportarten können für einen Morbus-Bechterew-Patienten gar nicht, dafür andere aber sehr profitbringend durchführbar sein. „Der Sport und die Freude an der Bewegung stellen einen therapeutischen Nutzen zur Schmerzbewältigung dar und haben einen wesentlichen Einfluss auf die psychische Gesundheit und Lebensqualität“, schrieben wir in unserem 2013 erschienenen Rheuma-Buch . Regelmäßiger Sport steigert das Wohlbefinden und die körperliche Integrität eines jeden, auch eines Morbus-Bechterew-Patienten.
Schmerzen und zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit und Belastbarkeit der Wirbelsäule haben nicht nur einen Einfluss auf die körperlichen Befindlichkeiten, sondern auch auf die Psyche des Patienten und auf den gesamten Erkrankungsverlauf. Sport bessert diese Grundstimmung und zeigt, dass längst verloren geglaubte Bewegungsmuster doch noch möglich sind.1
Die sportliche Betätigung sollte natürlich an die Krankheit angepasst sein. Bei der Auswahl der Sportarten sollte man darauf achten, dass die betroffenen Gelenke nicht verstärkt abgenutzt oder belastet werden. Wesentlich sind dabei Überlegungen, z. B. Stoßbelastungen für den Morbus-Bechterew-Patienten zu vermeiden und ausreichende Ruhepausen einzulegen.
„Sport macht nur dann Sinn, wenn er regelmäßig ausgeübt wird. Am besten ist es, wenn man schon vor der Erkrankung diese Sportart ausgeübt hat“.1
Bei der Beurteilung, ob Sportklettern für den Betroffenen geeignet ist, sind die Diagnose, das genaue Gelenkbefallsmuster und das Stadium der Erkrankung maßgeblich und die individuelle Abstimmung der Sportart auf den Patienten notwendig. Der Sport sollte außerdem nicht unter Wettkampfbedingungen ausgeübt werden.

Sportklettern mit Morbus Bechterew

Bild 1: Aufgerichtete Position, Blick nach oben, volle Konzentration.
Bild 1: Aufgerichtete Position, Blick nach oben, volle Konzentration.

Sportklettern ist für Morbus-Bechterew-Patienten eher eine funktionsunterstützende Bewegung. Beim Klettern wird eine aufgerichtete Position der Wirbelsäule unterstützt. Die Bewegungsabläufe stärken die Muskelgruppen, die zur Aufrichtung des Morbus-Bechterew-Patienten sehr wichtig sind (Bild 1). So wird besonders die Gesäßmuskulatur trainiert, die zur Streckung der Hüftgelenke wichtig ist.
Es sind gerade die Muskelgruppen der Gesäßmuskulatur und der Muskulatur des Schultergürtels, die durch die Pathomechanik der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) überdehnt und geschwächt werden.
Da beim Klettern aber auch die Beugemuskulatur des Oberkörpers und die Arm-Adduktoren (durch die ausgestreckte oder nach oben gestreckte Arme an den Körper herangezogen werden) trainiert werden, sollte als Ausgleich unbedingt ein spezielles Training für die Oberarmstrecker, die rückseitige obere Schultermuskulatur und die Rückenstrecker durchgeführt werden.
Das Klettern fördert auch das Zusammenspiel von Konzentration und Koordination der Bewegungen, die zu einer gesamten Körperspannung führen und so die Aufrichtung der Wirbelsäule begünstigen.
Mit der Notwendigkeit zu harmonischen Bewegungsabläufen, die beim Sportklettern abgefordert werden, wird somit das gesamte Muskelsystem wieder harmonisiert.
Man steht vor der Wand, richtet sich auf – nach oben auf das Ziel gerichtet: das Ziel, den Gipfel zu erreichen.

 

1) A. Gruber und U. Donhauser-Gruber: Rheuma – Untersuchen und Behandeln entzündlich-
    rheumatischer Erkrankungen, siehe Buchbesprechung im MBJ Nr.136 S. 25.