Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 138 (September 2014)

Was stärkt die Abwehrkräfte?

von Dr. Florian Meier und Prof. Dr. Uwe Lange, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und Universität Gießen

Jede Woche in die Sauna oder morgens ein eiskalter Guss auf die Beine: Manche Menschen schwören darauf, ihr Immunsystem so zu stärken. Was ist dran?

Stärkt regelmäßige Bewegung mein Immunsystem?

Viele Studien haben belegt, dass Inaktivität dem Körper schadet. Das gilt sowohl für das Herz-Kreislauf- als auch für das Immunsystem. Aber auch ein Zuviel ist ungesund und lässt Stresshormone unser Immunsystem schwächen. Ob in frischer Luft oder im Fitness-Studio, ist eigentlich egal: auf die richtige Motivation kommt es an.

Die Belastung sollte im sogenannten aeroben Bereich stattfinden
Worauf sollte ich achten?

Für Patienten mit einer rheumatischen Krankheit, die Sport treiben, gelten drei zentrale Regeln:

  1. Schmerz ist ein Warnsignal. Sobald Schmerzen auftreten, sollte man pausieren oder die Übung abbrechen. In jedem Fall gilt es, die Intensität zu verringern.
  2. Es gilt, die Gelenke zu schützen. Vor allem im Fitness-Studio sollte man darauf achten, jede Übung korrekt auszuführen. Es sollte daher vor Beginn eine professionelle Einweisung erfolgen.
  3. Es gilt, den Trainingszustand zu beachten. Ist einmal der Entschluss gefasst, sich trotz rheumatischer Beschwerden regelmäßig körperlich zu betätigen – und dazu können wir jeden nur motivieren –, befindet sich gerade am Anfang jeder in einer unterschiedlichen Verfassung. Jeder sollte sein individuelles Maß finden – nicht zu viel, nicht zu lang und nicht zu stark.

Die Belastung sollte im sogenannten aeroben Bereich stattfinden.
Einen Anhaltspunkt gibt die maximale Herzfrequenz = 220 minus Alter in Jahren. Die Trainingspulsfrequenz (Schläge pro Minute), die nicht überschritten werden sollte, beträgt 75% der maximalen Herzfrequenz. Wer diese Grenze einhält, kann davon ausgehen, dass er seinem Kreislauf und Immunsystem etwas Gutes tut.

Gibt es Alternativen, wenn meine Beweglichkeit stark eingeschränkt ist?

Gerade in der Rheumatologie treffen wir Patienten in unterschiedlichen Erkrankungs- und Funktionsstadien an. Zudem muss der aktuelle Zustand, ob akut oder chronisch, in Betracht gezogen werden. Gerade wenn die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist, sollten sich Betroffene professionelle Hilfe suchen. Ein erfahrener Physiotherapeut kann in Einzelbehandlungen die Übungen an die aktuelle Situation anpassen. Dabei kann schon die passive Bewegung der Gelenke durch den Therapeuten helfen, den kompletten Funktionsverlust zu verhindern.

Der abhärtende Reiz durch kaltes Wasser führt zu einer Reaktion der Immunzellen unseres Körpers
Helfen Kneipp-Güsse oder eiskaltes Duschen, Infekte zu vermeiden?

Kneipp beschreibt in seinem Buch „Meine Wasserkur“ drei Zwecke: das Lösen, zum Beispiel von Verspannungen mittels warmer Bäder oder Dämpfe, das Ausscheiden von Krankheitsstoffen durch Wickel oder Güsse, und die Kräftigung mit Hilfe von kalten Bädern und anderen Abhärtungen.
Die Wirkung hängt von der Tempeinhalt/ratur ab. Heißes Wasser mit einer Temperatur von über 40°C wirkt lösend, Temperaturen zwischen 34 und 35°C beruhigen, während kaltes Wasser unter 30°C das Immunsystem trainiert.
Der abhärtende Reiz durch kaltes Wasser führt zu einer Reaktion der Immunzellen unseres Körpers. Das lininhalt/dert Schmerzen und beeinflusst Entzündungsprozesse positiv. Jeder kann sich diesen Effekt auch zu Hause zunutze machen. Grundsätzlich gilt: Kaltwasseranwendungen oberhalb des Nabels aktivieren, kräftigen und erhöhen die Spannung von Gewebe und Blutgefäßen, während eine Anwendung unterhalb des Nabels eher beruhigend wirkt.

Ältere Menschen sollten jedoch aufpassen, da ihr Kreislauf auf solche Anwendungen möglicherweise anders reagiert als der von jungen Menschen. So kann sich beim Kneippen zum Beispiel Beispiel der Puls beschleunigen, was bei Herzerkrankungen eine zusätzliche Belastung darstellt. Der Blutdruck kann nach der Anwendung abfallen, Schwindel tritt auf und die Sturzgefahr erhöht sich. Die Muskelanspannung kann stark ausfallen, zu Kältezittern und sogar Krämpfen führen. Eine schrittweise Gewöhnung des Körpers an diese Belastungen ist somit anzuraten.
Wer eine kalte Dusche oder Sitzbad scheut, kann auch Güsse, Wickel oder Teilbäder durchführen. Möglich ist auch Wasser- oder Tautreten oder auch Schneegehen. Idealerweise hat man dazu beim Start jedoch schon warme Füße. Wer auch anschließend seine Füße warm einpackt, nutzt den Effekt optimal aus.

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