Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 139 (Dezember 2014)

Gemeinsamkeiten und Unterschiede entzündlicher Wirbelsäulen-Krankheiten

von Prof. Dr. Rubén Burgos-Vargas, Mitglied des ASAS-Exekutivkomitees, Mexiko

Von einer „undifferenzierten Spondyloarthritis“ spricht man, wenn die Kriterien für eine Spondyloarthritis erfüllt sind, aber keine der zu den Spondyloarthritiden gehörenden Krankheiten (Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, Spondyloarthritis mit einer entzündlichen Darmkrankheit, reaktive Arthritis) vorliegt.
Für den Fall der vorwiegend axialen (die Wirbelsäule und die Kreuzdarmbeingelenke betreffenden) Spondyloarthritis ohne deutliche Veränderungen im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke (so dass die Kriterien für den Morbus Bechterew nicht erfüllt sind) hat die ASAS den Begriff „nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis“ eingeführt. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Begriffe „undifferenzierten Spondyloarthritis“ und „nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis“ heute alternativ verwendet werden.  
Die Redaktion

Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde mit den Amor-Kriterien1 und den ESSG-Kriterien2 festgelegt, welche Krankheiten zu den Spondyloarthritiden (entzündlichen Wirbelsäulenkrankheiten) gehören und welche nicht. Obwohl für mehrere dieser Krankheiten spezielle Klassifikationskriterien geschaffen wurden, besteht weiterhin Uneinigkeit darüber, ob es sich dabei um verschiedene Ausprägungen einer Krankheit oder um verschiedene verwandte Krankheiten mit einem gemeinsamen Entstehungsmechanismus handelt.
Die undifferenzierte Spondyloarthritis3 (uSpA) ist eine Spondyloarthritis, bei der außer den gemeinsamen Kriterien für alle Spondyloarthritiden kein Kriteriensatz für eine bestimmte zu den Spondyloarthritiden gehörende Krankheit erfüllt ist. Insbesondere sind die modifizierten New-York-Kriterien4 für die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) nicht erfüllt, indem im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke keine deutlichen Veränderungen zu sehen sind.
Von den Patienten mit einer undifferenzierten Spondyloarthritis sind manche später wieder beschwerdefrei, bei anderen geht die Krankheit in eine ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) oder eine andere zu den Spondyloarthritiden gehörende Krankheit über. Wieder andere haben lebenslang eine undifferenzierte Spondyloarthritis.

Undifferenzierte Spondyloarthritis und M. Bechterew im Vergleich

PARAMARTA u.a. verglichen in einer 2013 veröffentlichten Studie die Beschwerden von Patienten mit einer undifferenzierten Spondyloarthritis mit denen bei der Spondylitis ankylosans und der Psoriasis-Arthritis. Sie stellten fest, dass besonders die undifferenzierte Spondyloarthritis häufig zu spät entdeckt und nicht optimal behandelt wird.
Die meisten der Patienten mit einer undifferenzierten Spondyloarthritis haben zunächst periphere Beschwerden (Gelenk- oder Sehnenansatzentzündung außerhalb der Wirbelsäule) und erst später auch Wirbelsäulenbeschwerden. Der Anteil mit dem Erbfaktor HLA-B27 und mit Beschwerden außerhalb des Skelettsystems (z.B. Iritis) ist kleiner als bei der Spondylitis ankylosans.
Der höchste Anteil der Patienten mit undifferenzierter Spondyloarthritis, die später die Kriterien für eine Spondylitis ankylosans erfüllten, fand sich mit 68% in einer von KUMAR u.a. durchgeführten Studie. Der Anteil, der später eine Psoriasis, eine entzündliche Darmerkrankung oder eine Iritis bekam, war wesentlich kleiner bzw. wurde gar nicht untersucht.

1) MBJ Nr. 106 S. 12, Nr. 109 S. 9–13, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
2) MBJ Nr. 109 S. 9–13, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
3) MBJ Nr. 99 S. 13–17, Nr. 109 S. 9–13, Nr. 117 S. 4, Nr. 118 S. 48
4) MBJ Nr. 123 S. 7, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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