Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 139 (Dezember 2014)

Morbus Bechterew – Basiswissen

Von Eva Sammel und Rüdiger Würtz, Höhfröschen, Rheinland-Pfalz

Beim 93. Seminar „Morbus Bechterew – Basiswissen“ am 21. und 22. Juni 2014 in Kassel fühlte man sich rundum gut beraten und aufgehoben.
Mit der Wahl des Hotels La Strada für die Veranstaltung konnten die Organisatoren einen sehr guten ersten Eindruck machen: saubere, geräumige Zimmer, zuvorkommendes Personal und vor allem hervorragendes und reichliches Essen. Der Wohlfühlfaktor während des Aufenthalts kam alles andere als zu kurz.

Das Konzept des Seminars war gut durchdacht. Die 20 Teilnehmer erhielten vielfältige Informationen in den folgenden drei wichtigen Bereichen: Medizinische Aspekte – aktives Sportangebot – Erfahrungen aus Alltag und Praxis.
Nach einer kurzen Begrüßungs- und Vorstellungsrunde hatten wir die Möglichkeit, mit Hilfe von Kärtchen alle möglichen Fragen zum Thema Morbus Bechterew, die wir schon immer beantwortet haben wollten, schriftlich zu formulieren. Diese Methode war gut gewählt: Zum einen gab diese die Möglichkeit, gerade den schüchterneren Gästen zu Beginn, an dem natürlicherweise noch eine etwas zurückhaltende Stimmung zwischen den Teilnehmern herrschte, wichtige Frage zu stellen. Zum anderen konnten die Referenten im Anschluss bei den Vorträgen durch die Vorauswahl und Aufteilung der Fragen auf die jeweiligen Bereiche gezielte und effiziente Antworten geben.
Den Anfang der Vortragsreihe machte Prof. Dr. med. Gerd Köhler, der für den medizinischen Bereich zuständig war. Mit viel Witz und Anekdoten aus der langjährigen Praxis gab er ein umfassendes Bild über die für viele Teilnehmer völlig neue Krankheit. Selbstverständlich wurden immer wieder zwischendurch Fragen beantwortet und die Teilnehmer direkt angesprochen und mit einbezogen. Dabei betonte Prof. Köhler vor allem immer wieder einen wesentlichen Aspekt: Ein normales Leben mit Morbus Bechterew ist nicht nur möglich, sondern eigentlich selbstverständlich, und es gibt keinen Grund, sich nach der Diagnose zurück zu ziehen und den Kopf in den Sand zu stecken. Ganz im Gegenteil! Insgesamt war die komplette Veranstaltung sehr motivierend und aufbauend und nahm den Neulingen die Angst vor und die Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit. „Bewegung führt zu Besserung, Schonung zu Verschlimmerung“, unterstrich Köhler immer wieder.
Getreu dem Motto „Bechterewler brauchen Bewegung“ gingen wir nach dem medizinischen Vortrag gemeinsam mit der leitenden Krankengymnastin Katharina Conti zur Sporthalle. Hier wurde vor allem praktisch gearbeitet. Die Teilnehmer kamen in den Genuss, zahlreiche Gymnastik- und Dehnübungen alleine und mit Partnern auszuprobieren, und manch einer entdeckte, dass er gar nicht so unbeweglich ist, wie er immer glaubte. Zum Abschluss gab es noch ein Basketballspiel mit den Teams Bechterewler gegen Nicht-Bechterewler. Hier kam der Spaßfaktor voll zum Einsatz, allerdings erfuhren auch einige Teilnehmer, dass sie tatsächlich ganz normal Sport mit anderen betreiben können und auch für ein paar Minuten ihre Krankheit vergessen.
Da der Zeitplan aufgrund des Fußball-WM-Spiels gegen Ghana etwas enger war als üblich, ging es nach einer kurzen Pause erneut weiter mit Prof. Köhlers Vortrag speziell zu Medikamenten und Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten.
Den krönenden Abschluss des ersten ereignisreichen Tages bildeten ein köstliches Abendessen und das WM-Spiel gemeinsam in der Lobby. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Veranstalter, die dem Wunsch der Teilnehmer gerne entgegen kamen.
Tag zwei begann erneut sportlich mit einer Runde Wassergymnastik. Das kühle Nass machte auch den letzten Langschläfer munter, und die Übungen waren durchaus fordernd und interessant. Selbstverständlich gab es auch hier zum Spaß noch ein Mannschaftsspiel.
Den Abschluss des 93. Seminars bildete die Antwortrunde, bei der die Fragen vom Vortag beantwortet wurden, und natürlich der Vortrag von Ludwig Hammel, selbst seit vielen Jahren Morbus-Bechterew-Patient. Dieser Vortrag war für viele Teilnehmer der gewinnbringendste, da es sehr interessant und aufbauend war, Erfahrungen eines Leidensgenossen zu hören. Vor allem aber die lockere und positive Art von Hammels Vortrag führten zu einem runden und gelungenen Abschluss des Seminars. Auch hier stand vor allem die Erhaltung der Beweglichkeit und positiven Einstellung im Vordergrund, denn was hilft am besten bei Morbus Bechterew? „Gymnastik, Gymnastik und Sport“, wiederholte Ludwig Hammel mehrmals.
Am Ende konnte man auch noch umfangreiches Lese- und Übungsmaterial der DVMB zu einem Vorzugspreis ergattern.
Alles in allem war das 93. Basiswissen-Seminar in den Augen der Teilnehmer ein großer Erfolg und kann jedem Neueinsteiger wärmstens empfohlen werden.
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