Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 139 (Dezember 2014)

Nordic-Walking-Film, ein Seminar in Nürnberg

Von Erika Weidinger, Angelbachtal

Am Freitag, dem 25. Juli 2014, gegen 18 Uhr trafen sich zehn mutige Morbus-Bechterew-Patienten aus verschiedenen Bundesländern. Im Rheuma-Therapie-Zentrum (RTZ) Nürnberg war ein Seminar für einen Nordic-Walking-Film geplant.
Wir sind uns sicher, dass wir mit dem Film „Neulinge“ und „Unentschlossene“ für Nordic-Walking begeistern können. Bevor es zu den Filmaufnahmen kam, mussten wir die trockene Theorie über uns ergehen lassen. Aber so trocken war es dann dank der Referenten doch nicht. Nach der Begrüßung durch Ludwig Hammel und Verteilung und Anprobe der einheitlichen T-Shirts berichtete Dr. Alfred Gruber über die Pathophysiologie des Morbus Bechterew. Anschließend stellten sich Ute Donhauser-Gruber und Peter Lommer – beide Physiotherapeuten und Nordic-Walking-Trainer – kurz vor.
Beim gemeinsamen Abendessen in der schönen Nürnberger Altstadt hatten wir endlich Gelegenheit, uns mit­einander bekannt zu machen und kennenzulernen. Wie das bei Bechterewlern üblich ist, waren wir sofort eine Super-Truppe. Nach langer durch Stau geprägter Anreise von Köln kam auch das sympathische Filmteam dazu.
Ausgeschlafen, ausgeruht und gestärkt durch ein gemeinsames Frühstück, ging es dann am nächsten Morgen voller Erwartung zu den Filmaufnahmen. Blauer Himmel und Sonnenschein, was wollten wir mehr? Die Pegnitzauen an der Satzinger Mühle boten eine hervorragende Kulisse für unsere ersten Gehversuche. Außer uns fühlten sich dort auch die Stechmücken und andere beißende Kleintiere wohl. Zum Glück versorgte uns Dr. Gruber mit Anti-Mückenspray.
Der Film soll vom Aufwärmen und Dehnen bis zum perfekten Lauf alles zeigen. Nachdem die Stöcke unseren Körpergrößen angepasst waren, begannen wir mit der Aufwärmphase. Diese wurde für die Filmaufnahmen immer und immer wieder wiederholt. Es war wie im „echten Leben“, Klappe die 15. und Aufnahme... Irgendwann merkten wir, wie viele Muskeln wir besitzen, und unsere Trainer Ute Donhauser-Gruber und Peter Lommer erinnerten uns bei jeder neuen Aufnahme immer wieder daran, wie welche Muskeln aufgewärmt werden müssen. Z.B. haben wir gelernt, dass für die Brust- und Armmuskulatur Partnerübungen gut sind, und wer keinen Partner hat, sucht sich eben einen Baumstamm.
Bis zur Mittagspause war uns dann tatsächlich ziemlich warm. Wir erholten uns nach einer gemeinsamen Stärkung mit Essen und viel, viel Trinken.
Am Nachmittag ging es dann endlich mit dem Walking weiter. Mit unseren tollen T-Shirts wurden wir von allen als Gruppe erkannt und bestaunt. Ute Donhauser-Gruber und Peter Lommer wiesen uns dann in die Nordic-Walking-Technik ein und korrigierten unsere Haltung immer wieder. Damit wir nicht in die gebeugte Haltung kamen, sollten wir uns einen Diamanten in der Knopfleiste unseres T-Shirts vorstellen und immer in Augenhöhe mit dem Diamanten sein. Wir liefen dann bergauf und bergab an der Pegnitz entlang, auf der Straße und querfeldein über Stock und Stein, bis die Aufnahmen passend waren. Das Filmteam hatte viel Geduld mit uns, wir aber auch mit ihnen. Sie fanden unermüdlich immer wieder neue Motive, die sich besonders für die nächste Szene eigneten. So erkundeten wir fast das gesamte große Naherholungsgebiet.
Unser Team bestand aus Neulingen und erfahrenen Nordic Walkern. Auch vom Krankheitsbild waren wir sehr unterschiedlich, aber wir passten aufeinander auf, so dass sich keiner überanstrengte. Wenn einer eine Verschnaufpause brauchte, legten wir eine Rast im Schatten ein. Ludwig Hammel und Ute Donhauser-Gruber versorgten uns dann mit Getränken.
Gegen Abend waren alle Aufnahmen und auch die Interviews zur Zufriedenheit des Filmteams im Kasten und wir durften durchatmen. Mit dem Auto ging es zurück ins Hotel zum Duschen – was dringend erforderlich war.

Wir konnten allerdings nicht so genau feststellen, ob unsere Schweißperlen vom Wetter, vom Aufwärmen oder vom Laufen kamen. Es konnte auch der Angstschweiß vor den Filmaufnahmen und den Interviews gewesen sein. Egal, es war auf jeden Fall ein erlebnisreicher und erfolgreicher Tag. Das Filmteam musste sich leider am Samstag von uns verabschieden. Es hat großen Spaß mit ihnen gemacht und sie haben es geschafft, uns den ganzen Tag zu motivieren.
Der Sonntag stand unter dem Motto: Laufen, Laufen, Laufen..., so war es dann auch. Etwas kaputt vom Samstag fuhren wir wieder Richtung Satzinger Mühle und konnten die Natur nochmals genießen, aufgeteilt in zwei Gruppen: die Erfahrenen gingen mit Peter Lommer, der nicht ganz so Geübten nahmen sich Ute Donhauser-Gruber und Ludwig Hammel an. Jetzt konnten wir unser Erlerntes umsetzen. Es hat super geklappt. Wir waren zufrieden und stolz und unsere Trainer auch.
Nach Beendigung des Seminars hatte aus Sicht der Veranstalter jeder Teilnehmer den Nordic-Walking-Diamanten der DVMB verdient.
Fazit des Wochenendseminars: Es war eine rundum erfolgreiche und wichtige Veranstaltung, wir haben viel gelernt und festgestellt: Nordic-Walking macht riesigen Spaß. Durch die Bewegung an der frischen Luft bekommt man den Kopf frei, die Ausdauer wird verbessert, aber auch die Muskulatur und Haltung werden gestärkt. Es ist ein Sport, den man in der Gemeinschaft, aber auch allein direkt vor der Haustür, ausüben kann.
Ganz wichtig: Egal welche Beeinträchtigungen man hat, Nordic-Walking geht immer. Wir sind uns ganz sicher: Wenn Sie sich bisher noch nicht „getraut“ haben: Schauen Sie den Film an – dann trauen Sie sich.
Wir bedanken uns bei Ludwig Hammel, Dr. Alfred Gruber, Ute Donhauser-Gruber, Peter Lommer und dem Filmteam für das ereignisreiche Wochenendseminar.
Adresse der Verfasserin: Ist der Redaktion bekannt
Anmerkungen: Das Seminar wurde dankenswerterweise von der Fa. AbbVie gesponsert.
Link zum Film