Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 139 (Dezember 2014)

Einfluss einer Radonstollen-Überwärmungs-Therapie auf Schmerz und Knochenstoffwechsel bei Morbus Bechterew

Von Dr. Gabriel Dischereit, Dr. Nikolai Neumann , Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner und Prof. Dr. Uwe Lange, Bad Nauheim, sowie Dr. Bernhard Kürten, Bad Hofgastein


Das Knochensystem des Menschen ist dauernden Ab- und Aufbauprozessen unterworfen. Hierbei wird der Knochenabbau durch Osteoklasten vermittelt, während der Aufbau von Knochensubstanz durch Osteoblasten erfolgt. Die Aktivität dieser Zellen ist eng aneinander gekoppelt, und schon kleinste Veränderungen dieses Gleichgewichts können zu Veränderungen des Knochens mit erhöhter Brüchigkeit führen.
Wesentlich an der Regelung des Knochenstoffwechsels beteiligt sind das Zytokin (Botenstoff) RANKL (Receptor Activator of NF-kappa-B Ligand) und sein Gegenspieler OPG (Osteoprotegerin).
Eine Osteoporose (verminderte Knochendichte durch Schwund der harten Knochensubstanz mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche) ist eine häufige Folgeerscheinung beim Morbus Bechterew. Ursächlich hierfür ist – neben einer möglicherweise inaktivitätsbedingten Abnahme der Knochendichte – ein Ungleichgewicht zwischen RANKL und OPG. Dabei ist der RANKL/ OPG-Quotient als Kennzeichen für einen erhöhten Knochenabbau häufig deutlich erhöht.
Entzündungsfördernde Zytokine wie der Tumornekrosefaktor alpha (TNF-a) und Interleukin (IL)-1 regen die Freisetzung von RANKL aus Osteoblasten, Osteoklasten und Immunzellen an und führen so zu einer Verschiebung des Gleichgewichts in Richtung Knochenabbau.
In mehreren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass viele Morbus-Bechterew-Patienten von einer Folge von Radonstollenaufenthalten profitieren1.  Eine weitere Studie belegte eine signifikante Abnahme der entzündungsfördernden Zytokine TNF-a, IL-1ß und IL-6 auf ca. 40–50% der Ausgangsspiegel bei Morbus-Bechterew-Patienten bis zu 24 Stunden nach der letzten Anwendung milder Überwärmungsbäder2.  
Es war daher naheliegend, zu untersuchen. ob durch die im Gasteiner Radonstollen vorherrschende natürliche Überwärmung in Zusammenwirkung mit dem radonhaltigen Klima neben einer Schmerzlinderung und einer Abnahme der Krankheitsaktivität auch eine günstige Beeinflussung der zentralen Zytokine des Entzündungsgeschehens und des Knochenstoffwechsels erzielt werden kann.

Studie zur Wirksamkeit des Gasteiner Radonstollens

Folgende Fragestellungen wurden daher bei Morbus-Bechterew-Patienten im Vergleich zu einer altersvergleichbaren Gruppe mit Arthrose untersucht:

  1. Führt die Radonstollen-Behandlung zu einer Schmerzabnahme, und falls ja, wie lange hält diese an?
  2. Bewirken die Behandlungen eine Abnahme der Krankheitsaktivität (BASDAI und BAS-G3 )?
  3. Lassen sich durch die Behandlungen Änderungen in den Serumspiegeln zentraler Zytokine des Knochenstoffwechsels (RANKL, OPG) und des entzündungsfördernden Zytokins TNF-a nachweisen?
Untersuchungsmethode

Die Therapie bestand aus 12 Einfahrten in 3 Wochen mit je 60 min Aufenthalt im Therapiebereich des Stollens. Die Einschlusskriterien für die Studienteilnahme umfassten ein Alter über 18 Jahre, gesicherter Morbus Bechterew nach den modifizierten New-York-Kriterien  und Aufenthalt im Gasteinertal im Rahmen eines  Kururlaubs ohne sonstige Rehabilitationsmaßnahmen, da wir nur die Wirkung des Heilstollens erfassen wollten. Eingeschlossen wurden 24 Morbus-Bechterew-Patienten (Durchschnittsalter 58 Jahre, durchschnittliche Dauer seit Diagnosestellung 9 Jahre) und eine altersvergleichbare Gruppe von 24 Patienten mit Arthrose. Die Medikation in beiden Gruppen umfasste lediglich eine bedarfsabhängige Einnahme nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) durch 12 der Morbus-Bechterew-Patienten und 14 der Arthrose-Patienten), während eine Anti-TNF-Therapie oder eine andere Medikation mit möglichem Einfluss auf den Knochenstoffwechsel ausgeschlossen wurde.

1) Bechterew-Brief Nr. 88 S. 3–10, MBJ Nr. 99 S. 23–24, Nr. 107 S. 10–16
2) MBJ Nr. 118 S. 12–18
3) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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