Aus dem Bechterew-Brief Nr. 71 (Dezember 1997)

APA BANE, der Heilige mit der „Palmenkrankheit“

von Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, Redaktion Bechterew Brief, München

Nach dem Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse ließ seine Exzellenz Bischof DEMETRIUS vom Episkopat Mallawi dieses offizielle Heiligenbild des leicht gekrümmten, von Palmen umgebenen Heiligen anfertigen. Die Inschrift in arabischer Schrift lautet "D
Nach dem Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse ließ seine Exzellenz Bischof DEMETRIUS vom Episkopat Mallawi dieses offizielle Heiligenbild des leicht gekrümmten, von Palmen umgebenen Heiligen anfertigen. Die Inschrift in arabischer Schrift lautet "Der Heilige APA FANA"

Wer es in den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. mit der Nachfolge Christi besonders ernst nahm, zog wie Jesus als Wanderprediger durchs Land. Erst um 300 n. Chr. entstand als extreme Form christlicher Nachfolge das Mönchtum, und zwar in Ägypten, wo es schon sehr früh große christliche Gemeinden gab. Um sich intensiver auf Askese und Gebet konzentrieren zu können, zogen sich fromme Menschen in die Einsamkeit der Wüste zurück. Einer der ersten Einsiedler und der berühmteste unter ihnen war ANTONIUS "der Eremit". Um 250 n. Chr. in Mittelägypten geboren, zog er sich um 285 n. Chr. in ein verlassenes Kastell östlich des Nils zurück, wo er nur zweimal im Jahr Brot erhielt. Als er schließlich wegen seines Rufs als Wundertäter häufig Besuch erhielt und deshalb um seine Demut fürchtete, zog er noch weiter in die Ostwüste und starb dort etwa 105-jährig um 356 n. Chr. Die Versuche von "Dämonen", ihn von seinem Lebensweg abzubringen, sind bis heute ein beliebtes Thema christlicher Malerei. Die andere Form des Mönchtums, die klösterliche Gemeinschaft, entstand kurz darauf ebenfalls in Ägypten. Der koptische Christ PACHOMIUS (um 293 bis 346 n. Chr.) gründete die erste von einer schützenden Mauer umgebene Mönchssiedlung, und viele andere folgten seinem Beispiel. Bei der Ausbreitung dieser Bewegung nach Europa spielten die Kirchenlehrer HIERONYMUS (um 345 bis 420 n. Chr.) und AUGUSTINUS (354 bis 430 n. Chr. aus dem Gebiet des heutigen Algerien) eine bedeutende Rolle. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts gab es bereits eine Art Tourismus reicher und gebildeter Römer zu den Wüstenvätern in Ägypten (oft in Verbindung mit einer Pilgerreise nach Jerusalem), und durch die Reiseberichte sind wir über das Leben der Mönche in Ägypten relativ gut informiert. In einem dieser Berichte, der "Historia Monachorum in Aegypto" (Geschichte des Mönchtums in Ägypten) von 394 n. Chr. ist unter anderem die Rede von Abu Fano als einem der ältesten Klöster, das etwa 300 km südlich des heutigen Kairo am Rande der Libyschen Wüste lag und in dem zu dieser Zeit etwa 1000 Menschen lebten. Als Hauptheiliger, nach dem das Kloster benannt wurde, wurde dort Pater BANUS (in der koptischen Sprache: APA BANE) verehrt, der nie die Unwahrheit gesagt, ein Leben voller Ruhe geführt und die Natur eines Engels gehabt habe. Aus anderen Berichten geht hervor, daß der heilige BANUS nach einer Wanderzeit im Dienste der Barmherzigkeit 18 Jahre lang in einer völlig finsteren Zelle lebte, stets auf seinen Füßen stand, keine von Menschenhand gefertigte Speise aß und ein ganz und gar asketisches Leben führte. Auch während des Essens stand er immer auf seinen Füßen, und zum Schlaf legte er sich mit der Brust über eine eigens dafür errichtete Mauer. Als im Jahre 395 n. Chr. Kaiser THEODOSIUS I. starb, weissagte er diesen Tod, lange bevor die Nachricht davon aus Konstantinopel eintraf. Kurz darauf starb er selbst und wurde in der Kirche des Klosters beigesetzt. Bald ereigneten sich auch an seinem Grab Wunder. Da viele Mönche in derselben Kirche wie er beigesetzt werden wollten, wurde Anfang des 5. Jahrhunderts an gleicher Stelle eine größere Begräbniskirche erbaut. Später entstand ein ausgedehnter Kult zu Ehren des Heiligen, und viele Pilger kamen zum Kloster. Um die Pilger von den Räumen der Mönche fernzuhalten, wurde auf dem Hügel oberhalb des Klosters eine große Gedächtniskirche errichtet, in der der Heilige verehrt werden konnte. Die Reste des Klosters Abu Fano wurden in den letzten 10 Jahren durch ein internationales Team von Forschern aus sieben europäischen Universitäten ausgegraben. Über die Grabungsergebnisse wird im Katalog der Ausstellung "Ägypten – Spätantike und Christentum am Nil" berichtet, die 1996 und 1997 in Hamm, Mainz und München zu sehen war. Bei dieser Ausgrabung wurde 1992 auch das Grab des Heiligen freigelegt, genau in der Mitte der alten Kirche. Die einbalsamierte Mumie des Heiligen, die mit kostbaren Linnen bandagiert und auf einer Schicht aus Weihrauch gebettet war, wurde geborgen. Es ist dies der älteste völlig erhaltene, in seinem Grab geborgene und authentisch identifizierte Heilige Ägyptens. Das Skelett des Heiligen wurde von Prof. Wolfgang PAHL von der Universität Tübingen paläomedizinisch untersucht. Dabei wurden krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule im Sinne eines voll ausgeprägten Morbus Bechterew mit deutlicher Spangenbildung zwischen den Wirbeln sichtbar (siehe Bild). Eine andere Krankheit, die Spondylosis hyperostotica (vgl. Bechterew-Brief Nr. 45 S. 17–21 = Heft 2 S. 23–27 der DVMB-Schriftenreihe sowie Bechterew-Brief Nr. 63 S. 3–8) konnte zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, ist aber in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Durch diesen überraschenden Befund erscheinen nicht nur einige Besonderheiten in den Lebensbeschreibungen des Heiligen in neuem Licht, sondern auch sein Name: Bane ist im oberägyptischen Dialekt das Wort für Palme. Möglicherweise erhielt der Heilige diesen Beinamen erst nach seinem Eintritt ins Kloster auf Grund seiner äußeren Erscheinung, die an eine Palme erinnerte, die sich dem Wüstensturm entgegenstemmt. Vielleicht hatte er Schwierigkeiten, sich nach dem Sitzen oder Liegen wieder aufzurichten, und hat sich deshalb angewöhnt, im Stehen zu essen und zu schlafen. Auf jeden Fall können wir annehmen, daß der Heilige die Versteifung damals nicht als Krankheit erkannte, sondern als ein von Gott gesandtes Schicksal, das ihm die Möglichkeit gab, seinen speziellen Weg der Askese zu beschreiten. Wer von uns ist in der Lage, die Krankheit ebenso als besondere Aufgabe zu verstehen? Nach den Ausgrabungen und Untersuchungen wurden die Gebeine des Heiligen in die Kirche auf dem Hügel überführt. Jedes Jahr zum Fest des APA BANE am 25. Emschir (ägyptischer Monatsname nach unserem Kalender Februar/März) kommen die koptischen Christen aus den entlegensten Teilen der Diözese unter großen Mühen auf den Hügel, um den Heiligen zu ehren. Nach dem Skelettbefund dürfte der Heilige etwa 40 Jahre alt geworden sein, also von etwa 355 bis etwa 395 n. Chr. gelebt haben. Er lebte also einige Jahrzehnte früher als der in spätantiken Berichten mit ihm in einem Atemzug erwähnte Heilige SIMEON, der in Syrien als erster "Säulenheiliger" von 422 n. Chr. an als Zeichen besonderer Askese den Rest seines Lebens auf einer hohen Säule verbrachte. Wenn es für Morbus-Bechterew-Patienten einen besonderen Schutzpatron gibt, dann ist es am ehesten APA BANE, der (Wirbelsäulen-)Heilige mit der "Palmenkrankheit".

Quelle: "Das Mönchswesen in Abu Fano" von Helmut Buschhausen, im Ausstellungskatalog "Ägypten: Schätze aus dem Wüstensand – Kunst und Kultur der Christen am Nil", Dr.-Ludwig-Reichert-Verlag Wiesbaden 1996

Die Wirbelsäule des Heiligen BANUS (koptisch: APA BANE) mit den Merkmalen eines ausgeprägten Morbus Bechterew
Die Wirbelsäule des Heiligen BANUS (koptisch: APA BANE) mit den Merkmalen eines ausgeprägten Morbus Bechterew