Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 140 (März 2015)

Axiale Spondyloarthritis: Häufigkeit, Erscheinungsformen und Diagnose

Von Dr. Siba P. Raychaudhuri und Prof. Dr. Atul Deodhar, USA

1. Einführung

Der Ausdruck Spondyloarthritis (SpA) umfasst eine Gruppe von Krankheiten mit gemeinsamen Erscheinungsformen und gemeinsamem genetischem Hintergrund. Zu den gemeinsamen Erscheinungsformen gehören eine Beteiligung der Kreuzdarmbeingelenke und der Wirbelsäule, häufig auch eine Beteiligung von Gelenken außerhalb der Körperachse und von Sehnenansätzen, akute Regenbogenhautentzündungen, eine Verknüpfung mit einer Psoriasis oder einer entzündlichen Darmerkrankung und das Vorliegen des Erbfaktors HLA-B27.
Je nachdem, ob die Beschwerden in der Körperachse oder außerhalb der Körperachse vorherrschen, unterscheidet man zwischen einer axialen und einer peripheren Spondyloarthritis. Die axiale SpA wird weiter unterteilt in die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) und die nicht-röntgenologische axiale SpA (nr-ax-SpA, mit Entzündungszeichen im Magnetresonanzbild der Kreuzdarmbeingelenke oder HLA-B27 und typischen SpA-Beschwerden, aber ohne deutliche Veränderungen im Röntgenbild der Kreuzdarmbeingelenke). Das weite Spektrum der Spondyloarthritiden ist im Bild 1 zu sehen.

2. Häufigkeit

Früher hielt man die ankylosierende Spondylitis für eine Krankheit, die hauptsächlich junge Männer befällt. Neuere Studien ergaben ein Verhältnis (Frauen:Männer) von etwa 1:2, mit großen geographischen und ethnischen Unterschieden.1
Die ankylosierende Spondylitis hat in der kaukasischen (weißen) Bevölkerung eine geschätzte Häufigkeit von 0,5% und die Spondyloarthritiden insgesamt eine Häufigkeit von 1,5 bis 2% der erwachsenen Bevölkerung.
In unterschiedlichen Teilen der Erde ist eine Spondyloarthritis umso häufiger, je häufiger der Erbfaktor HLA (Human Leukocyte Antigen)-B27 dort ist. In der mitteleuropäischen Bevölkerung hat das HLA-B27 eine Häufigkeit von 6–9%, in Japan und in Zentral- und Südafrika dagegen nur von 1% oder weniger. Dementsprechend sind auch die Spondyloarthritiden dort viel seltener.
Nur etwa 10% der HLA-B27-positiven Personen entwickeln eine ankylosierende Spondylitis. Andererseits kann die Krankheit auch ohne HLA-B27 auftreten.

3. Erste Krankheits-Symptome

Am charakteristischsten für eine axiale SpA sind entzündliche Rückenschmerzen. Da Rückenschmerzen in der Bevölkerung relativ häufig sind, ist es wichtig, zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Rückenschmerzen zu unterscheiden. Entzündliche Rückenschmerzen2 erkennt man daran, dass sie sich über Nacht oder bei längerer Inaktivität verschlechtern und durch Bewegung bessern.
Zwischen rechts und links wechselnde Gesäßschmerzen beruhen meistens auf einer Entzündung in den Kreuzdarmbeingelenken.
Manchmal treten Schmerzen im Brust- oder Halswirbelsäulenbereich als erstes auf, vor allem bei weiblichen Patienten. Weitere Hinweise auf eine axiale SpA sind ein gutes Ansprechen auf nichtsteroidale Antirheumatika, eine Verknüpfung mit Psoriasis, mit einer entzündlichen Darmkrankheit oder einer Regenbogenhautentzündung im Auge.

1) Eine Spondyloarthritis ist bei Männern und Frauen gleich häufig. Weil aber die knöchernen Veränderungen bei Männern rascher fortschreiten als bei Frauen, erreichen Männer häufiger das Stadium einer ankylosierenden Spondylitis, während Frauen häufiger im Stadium der nr-axSpA verbleiben, Anmerkung der Redaktion.
2) MBJ Nr. 96 S. 20, Nr. 106 S. 8, Nr. 110 S. 11, Nr. 122 S. 13 und DVMB-Schriftenreihe Heft 13

Bild 1: Die zu den Spondyloarthritiden gehörenden Krankheiten und ihre Überlappungen. AS = ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew), nr-axSpA = nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis, PsA = Psoriasisarthritis, ReA = reaktive Arthritis. IB
Bild 1: Die zu den Spondyloarthritiden gehörenden Krankheiten und ihre Überlappungen. AS = ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew), nr-axSpA = nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis, PsA = Psoriasisarthritis, ReA = reaktive Arthritis. IBD-SpA = mit einer entzündlichen Darmerkrankung (inflammatory bowel disease) verknüpfte Spondyloarthritis.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!