Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 140 (März 2015)

Erfahrungsbericht zur Neurokognitiven Therapie eines besonders schweren Morbus Bechterew

von DVMB-Mitglied O. Höwing (46 Jahre)

Gesundheitlicher Rückblick

Seit meinem 16. Lebensjahr hatte ich unspezifische Rückschmerzen mit der Diagnose LWS/HWS-Syndrom. Im Jahre 2005 nahmen die Rückschmerzen extrem stark zu. Ärzte und Orthopäden verschrieben mir Krankengymnastik. Mein Schmerz-Höhepunkt wurde Mitte  2007 erreicht. Wegen höllischer Schmerzen im Kreuz und in den Brustbein-Schlüsselbein-Gelenken mit Erbrechen wurde ich nachts in der Klinikum-Notfallambulanz behandelt. Diagnose: unspezifische „Virusinfektion“. In der Folge brachte ich eine Arzt-Odyssee hinter mich. In dieser Zeit habe ich 15 Kilogramm abgenommen und hatte kaum erträgliche Schmerzen. Magen- und Darmspiegelungen, Magnetresonanztomographie und eine Diagnose wie „Verdacht auf Gehirntumor“ haben mich verzweifeln lassen.
Auf Eigeninitiative habe ich mich im Dezember 2007 an eine Rheumatologin gewandt und von ihr im Januar 2008 die Diagnose „HLA-B27-positiver Morbus Bechterew“ bekommen. In der Folgezeit hatte ich eine hohe Schubaktivität mit starken Bewegungs-Einschränkungen. Im Dezember 2009 kamen Augenprobleme hinzu, die als Sjögren-Syndrom (eine rheumatische Erkrankung, die neben Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Trockenheitssymptomatik1  in den Augen und/oder im Mund einhergeht) diagnostiziert wurden.

Mein Morbus-Bechterew-Beschwerdebild vor der Neurokognitiven Therapie

Ein 24-Stunden-Dauerschmerz herrschte an der gesamten Wirbelsäule und in den Sternoclavioculargelenken, da ständig Entzündungen im Körper vorlagen. Durch Schmerzen in den Fingern war kein Zupacken möglich.
Erhebliche Bewegungseinschränkungen hatten zur Folge, dass ich mich nicht bücken konnte, um z.B. ein Stück Papier aufzuheben. Ich konnte keinen Arm mehr senkrecht in die Höhe strecken. Ich konnte den Oberkörper nicht drehen, um z.B. im Straßenverkehr nach hinten zu schauen.
Die Muskelverspannungen nahmen durch die Schmerzhaltung zu, es kam zum Humpeln beim Gehen.
Es war eine Qual, aus der Ruhelage in Bewegung zu kommen. Heftiger Überwindungsschmerz trat auf.
Eine tägliche Morgensteifigkeit von 1 bis 2 Stunden verlangte die Morgentoilette auf allen Vieren und ein langes Heißduschen. Anziehen war nur mit Unterstützung möglich.
In der Anfangszeit nach der MB-Diagnose waren tägliche Magen- und Darmprobleme mit Übelkeit, Durchfall und Erbrechen die Regel. Es folgten 3 Magen- und Darmspiegelungen in den letzten 6 Jahren wegen Auffälligkeiten im Stuhl und Urin.
Die Kurzatmigkeit bei Belastung aufgrund eingeschränkter Brustkorbbeweglichkeit nahm zu.
Am liebsten wollte ich wegen ständiger Müdigkeit und Abgeschlagenheit den ganzen Tag nur ruhen.
Ich hatte Schlafprobleme, da ein Liegen auf der Seite die Schmerzen in den Schultergelenken verstärkten und Rückenlage mit Schmerzen im Kreuz verbunden war. In der Nacht bin ich mit starken Schmerzen im Kreuz aufgewacht.
Ich konnte nur unter höchster Konzentration gehen. Fehltritte bei Stufen und Unebenheiten auf der Straße wurden sofort mit stechendem Schmerz im Kreuz bestraft. An Laufen war nicht mehr zu denken. Radfahren über unebene Wege war nur stehend möglich, ansonsten unangenehme Stöße im Kreuz.
Bei Kälte und Nässe in der freien Natur habe ich Zuflucht in der warmen, trockenen Wohnung gesucht, ansonsten nahmen die Bewegungseinschränkungen stark zu.
Folgende Medikamente habe ich eingenommen: Ibuprofen, Arcoxia, Diclofenac, Piroxicam. Auch Kortisonspritzen und Basistherapie mit Sulfasalazin waren ohne große Wirkung. Die Rheumatologin empfahl mir eine Anti-TNF-alpha-Therapie.
Nachdem ich im DVMB-Journal2 und auf diversen Homepages3 über die NKT gelesen und mich informiert hatte, kam ich zur Überzeugung, erst an der NKT teilnehmen zu wollen, bevor ich in mein Immunsystem mit TNF-alpha-hemmenden Medikamenten eingreife. Im April 2012 habe ich die NKT begonnen.

Mein Beschwerdebild des „Sicca-Syndroms“ vor der NKT

Meine Augenprobleme äußerten sich durch trockene Augen („Sicca-Syndrom“) mit starkem Brennen. Morgens beim Aufwachen herrschte ein abgrundtiefer, stechender Schmerz beim Augenöffnen, dann folgten tränende Augen. Eine Kühlung und Befeuchtung der Augen mit dem Waschlappen war von Nöten. Erst nach Reizreduzierung der Augen (teilweise über 30 Minuten) war wieder Sehen möglich. Ich hatte ständig ein „Sandgefühl“ in den Augen.
Behandlung mit spezieller Augenhygiene und Linderung der Augenprobleme mit Augentropfen. Diagnose durch einen Augenarzt: Das Sicca-Syndrom steht im Zusammenhang mit dem Morbus Bechterew.

Mein Gesundheitszustand nach 90 NKT-Sitzungen zur Behandlung des Morbus Bechterew

Durch die „Behandlung“ mit der inneren Wahrnehmung verschwanden meine Schmerzen vollständig. Nach Behandlung des Kreuzbeins folgte eine Besserung des Kreuzbeins. Dasselbe geschah bei den Lendenwirbeln, den Brustwirbeln, den Halswirbeln, den Rippen, dem Brustbein und dem Schulterbereich. Nach und nach wurde jedes behandlungsbedürftige Organ in meinem Körper therapiert.
Die Einnahme von Entzündungshemmern (NSAR) konnte ich im Laufe der Therapie ständig reduzieren. Später habe ich nur noch bei akuten Problemen NSAR genommen. Seit Frühjahr 2014 nehme ich keine Medikamente mehr ein.
Die Morgensteifigkeit ist mit dem Abschluss der ersten Stufe der NKT verschwunden, von einen auf den anderen Tag – dies nun seit über 2 Jahren!
Ich kann mich wieder selbständig ankleiden und den Arm heben.
Gehen, leichtes Laufen und Radfahren sind wieder ohne Konzentration und ohne Probleme möglich. Spontane Bewegungen sind ohne Schmerz möglich. Ich kann mich auch bei Kälte und Nässe beschwerdefrei in der Natur bewegen.
Ein vergrößertes Lungenvolumen ist wieder da. Meine Körperhaltung ist aufrechter geworden. Auch die ständige Müdigkeit und die Magen- und Darmprobleme sind verschwunden.
Lediglich  die bereits verwachsenen Wirbel und die Muskelverkürzungen durch 30 Jahre Morbus Bechterew schränken mich ein wenig ein.  Die Muskelverkürzungen müssen nun durch Dehnen und Strecken mobilisiert werden und geschwächte Muskeln müssen durch Sport wieder aufgebaut werden.

Mein Gesundheitszustand nach 22 NKT-Sitzungen zur Behandlung der Augenprobleme

Seit knapp einem Jahr habe ich morgens keine stechenden Schmerzen mehr in den Augen. Das „Sandgefühl“ in den Augen ist nach und nach verschwunden. Ich benötige keine Augentropfen und keine besondere Augenhygiene mehr.

Fazit nach 112 NKT-Sitzungen:

Ich habe die Therapie im November 2014 abgeschlossen. Alle oben beschriebenen Beschwerden des Morbus Bechterew und des Sicca-Syndroms sind überwunden. Diesbezüglich ist bei mir eine 100%ige Beschwerdefreiheit eingetreten.
Die NKT erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, offen diese Methode anzunehmen.
Durch Absolvierung der Neurokognitiven Therapie bin ich mit neuer Lebensqualität belohnt worden.

1) deshalb auch „Sicca-Syndrom“, d. h. Trockenheits-Syndrom
2) MBJ Nr. 100 S. 30–31, Nr. 101 S. 18, Nr. 107 S. 27, Nr. 109 S. 26–27, Nr. 112 S. 10–12, Nr. 128 S. 27
3) u.a. auf www.bechterew.de/inhalt/morbus-bechterew/neurokognitive-therapie/