Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 140 (März 2015)

Körperliche Aktivität von Spondyloarthritis-Patienten

Von Emma Haglund, Dr. Stefan Bergman, Dr. Ingemar F. Petersson, Dr. Lennart T. H. Jacobsson, Dr. Britta Strömbeck und Dr. Ann Bremander, Universität Lund und Spenshult Rheumaklinik in Halmstad, Schweden

Der gesundheitliche Wert körperlicher Aktivität wird in zunehmendem Maße anerkannt. Die Welt-Gesundheits-Organisation (World Health Organisation, WHO) hat allgemeine Empfehlungen zur körperlichen Aktivität herausgegeben und auch für Menschen mit einer entzündlichen Erkrankung angepasst. Körperliche Aktivität reduziert das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von Blut-Hochdruck und auch von Osteoporose (verminderte Knochendichte).
Die WHO empfiehlt wöchentlich 150 Minuten körperliche Aktivität moderater Intensität (z.B. Wandern oder Gartenarbeit) oder 75 Minuten mit hoher Intensität. Wenn möglich, sollten Erwachsene sich sogar noch länger oder intensiver bewegen. Viele Menschen mit einer rheumatischen Krankheit erreichen ebenso wie Gesunde die empfohlenen Werte jedoch nicht, obwohl bekannt ist, dass gerade bei einer entzündlich-rheumatischen Krankheit ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko besteht und ein gesunder Lebensstil umso wichtiger ist.
Wir haben deshalb das Ausmaß körperlicher Aktivität von Patienten mit einer Spondyloarthritis (Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, Arthritis in Verbindung mit einer entzündlichen Darmerkrankung oder undifferenzierte Spondyloarthritis) untersucht.

Fragebogen an Spondyloarthritis-Patienten versandt

Ein entsprechender Fragebogen wurde mit der Post an 3.711 Spondyloarthritis-Patienten im südlichsten Bezirk Schwedens verschickt. Einbezogen wurden nicht nur Patienten entsprechender Kliniken, sondern auch Personen, die auf Grund von Arztbesuchen im Gesundheitsregister des Bezirks als Spondyloarthritis-Patienten registriert waren. Dadurch wurde vermieden, dass unsere Ergebnisse nur für schwere Krankheitsverläufe repräsentativ sind.
Gefragt wurde nach der Häufigkeit, Dauer und Intensität körperlicher Aktivität. Außerdem wurde nach Krankheitsdauer, Rauchgewohnheiten und Ausbildungsgrad gefragt sowie nach der Krankheitsaktivität (BASDAI)1, nach der Behinderung bei Alltagsverrichtungen (BASFI)1, nach der Stärke der Schmerzen und der Müdigkeit sowie nach der Lebensqualität einschließlich Ängsten und Depressionen.

Studienergebnisse

2.167 der angeschriebenen 3.711 Patienten schickten den Fragebogen ausgefüllt zurück. Nicht beantwortet wurde der Fragebogen vorzugsweise von jüngeren Patienten und von Patienten, bei denen die Spondyloarthritis mit einer entzündlichen Darmerkrankung verbunden war.
Von den Spondyloarthritis-Patienten erfüllte ein größerer Anteil (68%) die WHO-Empfehlungen zur körperlichen Aktivität als in der schwedischen Allgemeinbevölkerung (65%). Der Anteil betrug bei weiblichen Patienten 70% und bei männlichen Patienten 66%. Jüngere weibliche Patienten waren allerdings weniger körperlich aktiv als ihre Altersgenossinnen in der Allgemeinbevölkerung.
Eine stärkere Behinderung (BASFI) und eine geringere Lebensqualität war mit einer geringeren Bereitschaft zu körperlicher Aktivität verknüpft. Raucher und ehemalige Raucher waren weniger körperlich aktiv als Nichtraucher.

Diskussion

Mehrere Studien haben gezeigt, dass körperliche Inaktivität beträchtliche Folgen in Bezug auf Schmerzen, Behinderung und vorzeitigem Tod hat. Körperliche Aktivität ist ein kostengünstiges Mittel zur Erhaltung der Gesundheit.
Dass ein Drittel sowohl der Patienten als auch der Allgemeinbevölkerung weniger körperlich aktiv ist als von der WHO empfohlen, ist beunruhigend. Dass Spondyloarthritis-Patienten etwas besser abschneiden als die Allgemeinbevölkerung, mag damit zusammenhängen, dass sie immer wieder zu regelmäßigen Bewegungsübungen aufgefordert werden und die Folgen einer Inaktivität deutlicher vor Augen haben.

Schlussfolgerung

Patienten mit einer Spondyloarthritis muss dringend geraten werden, körperlich aktiv zu bleiben, gerade auch bei hoher Krankheitsaktivität.

Anschrift der erstgenannten Verfasserin: Research and Development Center Spenshult Hospital for Rheumatic Diseases
                                                                              SE-313 92, Oskarström, Schweden

Quelle: Gekürzte patientengemäße Überarbeitung eines in der Zeitschrift Arthritis Care & Research,
             Band 64 (2012) S. 1886–1894 erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis)

1) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13