Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 140 (März 2015)

Rauchen und Morbus-Bechterew: Nicht nur Brandbeschleuniger, sondern auch Brandstifter!

Prof. Dr. Vibeke Videm, Dr. Adrian Cortes, Prof. Dr. Ranjeny Thomas, Universität Trondheim, Norwegen, und Prof. Dr. Matthew A. Brown, Brisbane, Queensland, Australien

Es ist bekannt, dass die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) bei Rauchern ungünstiger verläuft als bei Nichtrauchern: Raucher haben im Mittel eine höhere Krankheitsaktivität, sind stärker behindert und die knöcherne Versteifung schreitet schneller fort als bei Nichtrauchern.1
Bei Rauchern beginnt die Krankheit auch früher. Es gibt dafür noch keine Erklärung, vieles spricht aber für eine entzündungsfördernde Wirkung des Rauchens.
Rauchen ist ein anerkannter Risikofaktor für die rheumatoide Arthritis beim Vorliegen einer erblichen Veranlagung für diese Krankheit. Rauchen erhöht auch die Wahrscheinlichkeit einer Psoriasis-Arthritis und verdoppelt das Risiko für einen Morbus Crohn, während paradoxerweise das Risiko für eine Colitis ulcerosa nach einer kleinen Studie geringer ist. Wir wollten herausfinden, ob Rauchen auch das Morbus-Bechterew-Risiko erhöht.

Norwegische Bevölkerungs-Studie

An zwei Gesundheitsstudien in den Jahren 1995–1997 bzw. 2006-2008 nahmen 70% bzw. 54% der über-20-jährigen Bevölkerung der Region Nord-Trøndelag in Norwegen teil. In beiden Fragebögen wurde auch nach dem Vorliegen eines Morbus Bechterew und nach Rauchgewohnheiten gefragt. 107 der Teilnehmer gaben in der zweiten Studie das Vorliegen eines Morbus Bechterew an, nicht jedoch in der ersten Studie. Die Krankheit war also in der Zwischenzeit ausgebrochen. Soweit möglich, wurde eine ärztliche Bestätigung für die Diagnose eingeholt. Unter den Patienten mit neu ausgebrochenem Morbus Bechterew waren 48% HLA-B27-positiv, in der Gesamtbevölkerung 12%.

Studienergebnisse

Die Patienten mit neu ausgebrochenem Morbus Bechterew waren häufiger frühere oder gegenwärtige Raucher und hatten seltener zwischen den beiden Studien mit dem Rauchen aufgehört als die übrigen Studienteilnehmer. Ein Beginn des Rauchens zwischen den beiden Studien erhöhte das Risiko für den Ausbruch eines Morbus Bechterew ebenso wie das fortgesetzte Rauchen zwischen den Studien.
Auch Bluthochdruck erhöhte das Risiko für den Ausbruch eines Morbus Bechterew, während Übergewicht, Diabetes oder eine frühere Herz-Kreislauf-Erkrankung das Morbus-Bechterew-Risiko nicht erhöhte.

Diskussion der Ergebnisse

Eine mögliche Erklärung unserer Ergebnisse ist die entzündungsfördernde und oxydative Wirkung des Rauchens. Es könnte auch sein, dass Patienten bei der ersten Studie noch eine (unentdeckte) nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis2 hatten und die versteifungsbeschleunigende Wirkung des Rauchens den Übergang zum Morbus-Bechterew-Stadium provoziert hat.

Schlussfolgerung

Insbesondere Personen mit einer Veranlagung zum Morbus Bechterew (Spondyloarthritis in der nahen Verwandtschaft, HLA-B27-Positivität) sollte vom Rauchen abgeraten werden.

Anschrift des erstgenannten Verfassers: Department of Immunology and Transfusion Medicine,
                                                                              St. Olavs University Hospital 7006 Trondheim, Norwegen

Quelle: Gekürzte patientengemäße Überarbeitung eines im Journal of Rheumatology Band 41 (2014) S. 2041–2048
              erschienenen Artikels (dort mit ausführlichem Literaturverzeichnis)

1) MBJ Nr. 103 S. 8–9, Nr. 115 S. 8 und 14, Nr. 117 S. 18, Nr. 119 S. 6–7, Nr. 122 S. 22, 25, 27, Nr. 123 S. 18, Nr. 126 S. 15
    und 18, Nr. 129 S. 17–18, Nr. 130 S. 8 und S. 20, Nr. 133 S. 9
2) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6