Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 141 (Juni 2015)

Bei zerstörtem Hüftgelenk ist es für eine Operation nie zu früh

von Francisco Fernandez-Chamizo, Hannover

Ich bin 49 Jahre jung und habe seit meinem 18. Lebensjahr Morbus Bechterew. Durch einen sehr aggressiven Verlauf und die mir sehr oft fehlende Kraft, gegen die Krankheit anzukämpfen, hat sich meine gesamte Wirbelsäule versteift. Die Halswirbelsäule hat sich etwas nach hinten und leicht  seitlich gekrümmt und ist dabei auch völlig versteift, womit ich aber bislang leben kann. Die Brust- und Lendenwirbelsäule hatte sich leider sehr gekrümmt. Ich hatte einen Rundrücken und einen Knick auf der Höhe des Bauchs. Durch diesen Knick waren schon einige Organe eingeengt.
Beim Verkrümmen der Wirbelsäule hatte sich auch mein Becken nach hinten gekippt mit der Folge, dass meine Hüftgelenke darunter gelitten hatten und der Hüftkopf die Hüftpfanne eingedrückt und regelrecht vergrößert hatte. Meine Schmerzen an den Hüftgelenken und Leisten wurden immer unerträglicher.
Anfang des Jahres 2011 fand ich im Internet den Fernsehbericht von der Aufrichtoperation von Ludwig HAMMEL. Nach einem Telefonat mit ihm vereinbarte ich einen Termin bei Dr. Heinrich BÖHM in Bad Berka zu einer Untersuchung und Einschätzung. Herr Dr. Böhm war erschrocken, wie kaputt meine Hüftgelenke waren und fragte, warum ich noch nicht daran operiert wurde. Ich sagte ihm, dass einige meiner Ärzte mich für zu jung hielten, um mich an den Hüftgelenken zu operieren. Ich sollte es lieber hinauszögern und mit Medikamenten und Krankengymnastik behandeln.
Dr. Böhm meinte, dass meine Hüftgelenke unbedingt operiert werden müssten, dass es aber besser wäre, wenn ich mich zuvor an der Wirbelsäule aufrichten lasse (falls das auch meine Absicht wäre). Er klärte mich auf, was er an der Wirbelsäule machen würde und dass er mich nur vom 12. Brustwirbel bis zum Kreuzbein aufrichten würde. Im oberen Bereich wäre ich nicht so gekrümmt, dass man auch dort operieren sollte. Dadurch würden die Risiken der Operation etwas geringer werden. Sollte mich der Morbus Bechterew weiter ärgern und mich im oberen Bereich weiter verkrümmen, dann könnte man ja immer noch später eine Operation auch in diesem Bereich in Betracht ziehen.
Er gab mir Bedenkzeit und nach ein paar Wochen hatte ich mich zur dieser Operation entschieden.
Im Dezember 2011 wurde ich operativ aufgerichtet. Natürlich ging es mir dann für einen gewissen Zeitraum nicht so gut und ich musste viel kämpfen und an mir arbeiten. Aber mit der Zeit wurde alles viel besser und einfacher. Ich kann nur sagen, dass es für mich ein unbeschreibliches Gefühl war und ist, wieder aufrecht sehen zu können, in den Himmel zu schauen und – wie Herr Hammel im Video erzählte – mal wieder ein Glas im Stehen trinken zu können.
Nachdem alles an der Wirbelsäule verheilt und stabil war und Dr. Böhm meinte, dass ich jetzt stabil genug für eine Hüftoperation sei, bat ich ihn um einen Rat, wo ich mich am besten operieren lassen könnte. Er meinte, dass ich mich unbedingt von einem orthopädischen Rheumatologen operieren lassen sollte, denn die kennen sich sehr gut aus mit unserer Krankheit. Nach Erkundigungen im Internet über orthopädische Rheumatologen und die Krankenhäuser, wo sie tätig sind, entschied ich mich für das Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main, wo Prof. Dr. Stefan REHART tätig ist. Ich wusste damals noch nicht, dass Prof. Rehart Ärztlicher Berater der DVMB ist und dass in der Ambulanz seiner Abteilung auch der Landesverband Hessen einen Sprechtag hat.
Ich stellte mich dort vor, und die Ärztin aus dem Team von Prof. Rehart war genauso darüber entsetzt, wie meine Hüftgelenke aussahen und warum noch keine Operation stattgefunden hatte. Sie machten ein Röntgenbild von meinen Hüftgelenken und die Ärztin klärte mich über eine eventuelle Operation auf. Sie meinte, dass auf Grund des Zustands meiner Hüftgelenke und in Anbetracht meiner Krankheit es besser wäre, wenn mich der Leiter der Endoprothetik-Abteilung operieren würde. Dr. Richard WAGNER sei ein Spezialist für komplexe Operationen, und viele Ärzte aus ganz Deutschland schickten ihre Patienten bei Operationen, die sie sich nicht selbst zutrauen, zu ihm.
Wenn ich mich zur Operation entscheiden sollte, würden sie zunächst die rechte Hüfte operieren (denn diese ist besonders kaputt) und nach mindestens einem halben Jahr, wenn ich das operierte Bein voll belasten kann, würden sie dann die linke Hüfte operieren. Ich stimmte sofort der Operation zu und wir vereinbarten einen Operations-Termin.

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