Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 141 (Juni 2015)

TRX® Erfahrungsbericht eines Betroffenen

von Christian Detzer, 2. Gruppensprecher der DVMB-Gruppe Ludwigshafen am Rhein

In meinen bisher 30 Jahren als Morbus-Bechterew-Patient habe ich so manche Therapieform ausprobiert. Viele neue Varianten sind gekommen und manche wieder gegangen. Da ich privat einige Physiotherapeuten kenne, wurden neben der Standardgymnastik vielfältige Methoden an mir auf ihren therapeutischen Nutzen geprüft. In den letzten Jahren beobachtete ich, wie das TRX-Training aus den USA unsere Fitnesszentren erobert, und fragte mich, ob das Training an den Schlingen eine hilfreiche Ergänzung unserer Morbus-Bechterew-Gymnastik sei, traute mich aber nicht, das alleine auszuprobieren. Als dann mein 87-jähriger Vater begeistert von seinen Erfahrungen aus dem Fitnessstudio mit TRX berichtete und schließlich der Verfasser des obigen Artikels an mich herantrat, ob ich bei seiner Semesterarbeit als Proband mitwirken möchte, sagte ich sofort zu.
Meine Bedenken, dass das Training nur mit gesunder und flexibler Wirbelsäule zu absolvieren sei, wurden mit den ersten angeleiteten Übungen entkräftet. Mich überzeugte vor allem die Möglichkeit, durch einfache Stellungsveränderungen die Belastung  bestmöglich an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Je schräger ich z.B. an den Schlingen stehe, desto anstrengender wird das Training. Beeindruckend ist die schier endlose Vielfalt an Übungen, die diese einfachen Schlingen bereithalten. Der therapeutischen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Wichtig ist für uns Bechtis das Aufwärmen mit einfachen Übungen zu Beginn und das allmähliche Herantasten an das Belastungslimit, um speziell bei den Übungen mit vielen Dehnungsanteilen in Seitneige und Rotation dem verhärteten Gewebe Zeit zu lassen, nachzugeben. Der große Vorteil gegenüber den überwiegend durchgeführten Übungen an klassischen Fitnessgeräten liegt in der freien Aufhängung der Schlaufen, ähnlich den Übungen an Ringen im Geräteturnen. Statt nur einzelne Muskelgruppen zu trainieren, wird hier koordinativ der ganze Körper einbezogen.
Es wird gekräftigt, mobilisiert und gedehnt in einem. Als Morbus-Bechterew-Therapie erfordert dies bei Anfängern naturgemäß mehr Betreuungsaufwand als beim puren Fitnesstraining, um individuell die passenden Übungen samt Einstellungen herauszufinden. Vor allem ist es ratsam, exakt die eigene Belastungsgrenze auszuloten und das Training gut einzustudieren, falls man es alleine durchführen möchte.
Wichtig scheint mir, das Krankheitsstadium zu berücksichtigen. Durch die nahezu komplette Einsteifung meiner Wirbelsäule konnte ich leider nicht das volle Potential an Übungen ausschöpfen. Interessant wäre als nächstes, die Methode an Patienten in früheren Krankheitsstadien zu testen. In jedem Fall hat mir das Training sehr geholfen, meine Beweglichkeit, Kraft und Fitness zu verbessern, und ich werde es weiter in meinen Therapieplan einbauen.

Anschrift des Verfassers: ist der Redaktion bekannt

Anmerkung von Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht:
Das TRX-Training sollte selbstverständlich nur unter Anleitung eines
1. mit der Methode und
2. mit dem Morbus Bechterew
vertrauten Therapeuten erlernt werden. Wie bei manch anderer hochwirksamen physiotherapeutischen und sporttherapeutischen Methode sind auch beim TRX-Training vielfältige Fehlermöglichkeiten gegeben, wenn man sich selbständig und ohne Supervision an die Übungen heranzutasten versucht.
Unter guter und wiederholt kontrollierender Anleitung und bei Beachtung der Sicherheitsvorschriften kann aber – wie aus dem Bericht des Betroffenen ersichtlich – auch für einen Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung und Einsteifung durchaus ein respektabler Erfolg möglich werden.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!