Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 142 (September 2015)

Körperliche Aktivität von Morbus-Bechterew-Patienten

von Camilla Fongen, Silje Halvorsen und Dr. Hanne Dagfinrud, Oslo, Norwegen

Grundelement der Morbus-Bechterew-Therapie sind Bewegungsübungen zur Erhaltung der Beweglichkeit. In Studien zeigte sich, dass 24–59% der Morbus-Bechterew-Patienten mehr als 2 Stunden pro Woche oder mindestens 3 mal pro Woche Bewegungsübungen ausführen, während 17–26% seltener als einmal wöchentlich Bewegungsübungen ausführen.1 Streckübungen, Übungen im Wasser und Walking waren die häufigsten Übungsarten.
Eine 2011 veröffentlichte norwegische Studie2 ergab, dass bei Morbus-Bechterew-Patienten mit hoher Krankheitsaktivität (hohem CRP-Entzündungs-Laborwert) das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung besonders hoch ist. Zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird ein Ausdauer-Training empfohlen3, entweder mit mäßiger Intensität mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche oder mit hoher Intensität mindestens 20 Minuten an drei Tagen der Woche.

Studie zur körperlichen Aktivität von Morbus-Bechterew-Patienten

Wir untersuchten zwischen 2008 und 2010 an unserer Klinik die körperliche Alltags-Aktivität von Morbus-Bechterew-Patienten und verglichen dabei Patienten mit hoher und niedriger Krankheitsaktivität und Vergleichspersonen ohne Morbus Bechterew. Nach unserem Wissen wurde noch nie untersucht, wie oft und intensiv sich Morbus-Bechterew-Patienten im Alltag bewegen.
An der Studie nahmen 149 Morbus-Bechterew-Patienten teil, die im Umkreis von höchstens 50 km um unsere Klinik wohnten und jünger als 70 Jahre waren. Dazu kamen 133 Vergleichspersonen ohne Morbus Bechterew.
Als Maß für die Krankheitsaktivität wurde der Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS)4 verwendet, der neben Patienteneinschätzungen (Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit, Gelenkbeschwerden) auch den CRP-Laborwert berücksichtigt.

Beurteilung der körperlichen Aktivität

Zur Erfassung der Art und Intensität körperlicher Aktivität wurde ein Fragebogen mit 59 Fragen verwendet, in den die Aktivitäten bei der Arbeit, im Verkehr, zu Hause und bei Freizeitunternehmungen in einer typischen Woche im Sommer bzw. im Winter eingetragen wurden. Aus den Angaben wurde der wöchentliche Energieaufwand errechnet, ausgedrückt in Vielfachen des Ruhe-Energieaufwands. Zum Beispiel erfordert langsames Gehen das Zweifache des Ruhe-Energieaufwands, schnelles Gehen das Fünffache, langsames Radfahren das Vierfache und schnelles Radfahren bis zum Achtfachen. Aus der Aktivität im Sommer und im Winter wurde der Mittelwert gebildet.
Ein gesundheitsförderndes Training erfordert nach der Definition der IPAQ-Forschungsgruppe5 ein halbstündiges moderates Training an mindestens 5 Tagen der Woche oder ein intensives 20-minutiges Training an mindestens 3 Tagen der Woche. Der damit verbundene zusätzliche Energieaufwand entspricht dem Ruhe-Energieaufwand von 10 Stunden pro Woche.

Studienergebnisse

Patienten mit einer hohen Krankheitsaktivität kamen im Mittel auf einen signifikant geringeren Energieaufwand pro Woche im Vergleich zu Patienten mit einer geringeren Krankheitsaktivität und zu Vergleichspersonen ohne Morbus Bechterew. Zwischen Patienten mit einer geringen Krankheitsaktivität und den Vergleichspersonen gab es keinen signifikanten6 Unterschied in der körperlichen Aktivität.
Patienten mit hoher Krankheitsaktivität kamen beim Gehen im Mittel auf einen signifikant geringeren Energieaufwand (d. h. sie gingen weniger zu Fuß) als Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität. Der Energieaufwand bei Aktivitäten hoher Intensität war ebenfalls niedriger, allerdings ohne dass der Unterschied signifikant war. Im Energieaufwand beim Training mit mäßiger Intensität gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen.
Wenn der Energieaufwand in den Tätigkeitsbereichen Arbeit, im Verkehr, zu Hause und bei Freizeitaktivitäten getrennt verglichen wurde, gab es keine statistischen Unterschiede zwischen den Gruppen. In allen Gruppen waren Freizeitaktivitäten diejenigen mit dem höchsten Energieaufwand (also mit dem höchsten Trainingseffekt).

1) Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahre 2008 gaben 26% der Antwortenden an, fast täglich
     Bewegungsübungen auszuführen.
2) MBJ Nr. 129 S. 29
3) MBJ Nr. 128 S. 4–6, Nr. 132 S. 16, Nr. 133 S. 4–5
4) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 122 S. 21, Nr. 124 S. 17–18, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) IPAQ = International Physical Activity Question-naire
6) Ein Unterschied ist „signifikant“, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Zufallsergebnis darstellt, kleiner als 5% ist.

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