Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Der Wurzelschnitzer von Berg am Laim

von Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, Redaktion Morbus-Bechterew-Journal, München

Rudi GUNDEL wohnt im Münchner Stadtteil Berg am Laim. Wenn er seine Schnitzereien ausstellt, liegt dabei ein Kärtchen mit seiner Anschrift und der Bezeichnung „Wurzelschnitzer“. Auf Spaziergänge in den Wald zusammen mit seiner Frau geht er nie ohne Säge im Rucksack, denn es könnte ja sein, dass er eine Wurzel findet, die ihn zu einer neuen Schnitzerei inspiriert und die er an Ort und Stelle auf ein transportables Maß zurechtschneiden will.
In Berg am Laim gibt es als Teil des „Bürgerkreises“, der sich um Kultur im Stadtteil kümmert, eine „Künstlergilde“, zu der sich Hobbykünstler aller Kunstgattungen zusammengetan haben. Bei ihrer Herbstausstellung 2009 fiel mir die nebenstehende Wurzelschnitzerei auf. Wie schrecklich, wenn wir Bechterewler alle so daherkommen müssten. Da hätte unser Ärztlicher Berater Dr. Böhm noch mehr zu tun, als er sowieso schon zu tun hat.
Rudi Gundel hat noch ein zweites Hobby. Wenn er bei einer Veranstaltung des Bürgerkreises als „Taucher von Berg am Laim“ auftritt (wo es weit und breit nichts zu tauchen gibt), denkt man, einen Schüler von Karl Valentin vor sich zu haben, so sprüht seine Phantasie. Kein Wunder, dass er von der Stadt München mit dem Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet wurde.