Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Die Vielfalt der nichtmedikamentösen Spondyloarthritis-Therapie

Von Dr. Andreas M. Reimold, Dallas (Texas, USA), und Dr. Vinod Chandran, Toronto (Ontario, Kanada)

Einführung

Die optimale Behandlung einer Spondyloarthritis1 erfordert eine Kombination aus nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden und Medikamenten. Als nichtmedikamentöse Behandlungen empfiehlt die ASAS (Assessment of SpondyloArthritis international Society)2 in erster Linie regelmäßige Bewegungsübungen und Patientenschulung. In der Literatur werden außer Bewegungsübungen zuhause, in der Gruppe und bei stationären Klinik- und Rehabilitations-Aufenthalten auch Moorbäder, manuelle Therapie und Elektrotherapie empfohlen. Zunehmendes Interesse gilt auch Verhaltensänderungen in Bezug auf Rauchen und Übergewicht sowie geeigneten Ernährungsgewohnheiten.

Häusliche Bewegungsübungen

Nicht jede körperliche Aktivität ist automatisch von Vorteil für Morbus-Bechterew-Patienten. Bei einer Befragung von 397 vor mindestens 20 Jahren diagnostizierten Morbus-Bechterew-Patienten waren diejenigen, die sich im Beruf rasch bücken, verdrehen, strecken oder nach oben greifen mussten, stärker behindert (gemäß BASFI)3 als diejenigen ohne diese Anforderungen. Patienten, die sich rasch oder ausgiebig beugen mussten oder Körpervibrationen ausgesetzt waren, wiesen im Röntgenbild auch mehr knöcherne Versteifungen auf.
Ein häusliches Übungsprogramm hat sich in vielen Studien als wirksam erwiesen, nicht nur in Bezug auf die Beweglichkeit, sondern auch in Bezug auf Schmerzen, Krankheitsaktivität (BASDAI)3, Atemfunktion und Lebensqualität.

Bewegungsübungen in der Gruppe

In mehreren Studien wurde das häusliche Übungsprogramm mit fachlich angeleiteten Übungen in der Gruppe verglichen. Es zeigte sich, dass beide Methoden von großem Nutzen waren, die Gruppentherapie aber in vielen der Studien den ausschließlich häuslichen Übungen überlegen war.
Bei der Methode der „Global Postural Reeducation“ werden Übungen ausgeführt, die durch Muskeldehnung bzw. -stärkung speziell auf eine Korrektur der Körperhaltung, insbesondere der Wirbelsäule und des Brustkorbs, abzielen. In mehreren Studien zeigte sich, dass die Gruppen mit wöchentlicher Global Postural Reeducation in den Beweglichkeits- und Behinderungsmaßen im Mittel noch besser abschnitten als die Gruppen mit konventioneller Physiotherapie.
Insgesamt zeigten die Studien zur Physiotherapie in der Gruppe Verbesserungen in vielen Parametern. Schon eine Gruppentherapie pro Woche zusätzlich zu den häuslichen Übungen erwies sich als hilfreich.4
Auch der Nutzen der Gruppentherapie im warmen Wasser ist durch Studien gut belegt.5

Hydrotherapie und Balneotherapie

Behandlungen in der Wanne wie die Unterwassermassage mit einem Wasserstrahl werden unter der Bezeichnung Hydrotherapie zusammengefasst. Von Balneotherapie spricht man, wenn das Wasser Mineralien oder gelöste Gase (CO2, Radon) enthält, wie es in vielen Kurorten zur Verfügung steht. Die Spondyloarthritis-Therapie in darauf spezialisierten Kurorten6 besteht oft aus mehreren Anwendungen pro Tag, darunter Bewegungstherapie in der Gruppe, Haltungsschulung, Hydrotherapie, Balneotherapie, Überwärmungsbehandlungen und Sport.
Ein bekanntes Beispiel für eine Studie zur Wirksamkeit der Spondyloarthritis-Therapie am Kurort ist die Untersuchung zur WirkWirksamkeit des Gasteiner Heilstollens im Vergleich zur Behandlung in einer niederländischen Rheumaklinik mit Sauna-Anwendungen und zur wöchentlichen Gruppentherapie am Wohnort. Die Kurort-Therapie und insbesondere diejenige mit Radoninhalation erwies sich als deutlich überlegen.7

1) eine Gruppe entzündlicher Wirbelsäulenkrankheiten, zu denen auch der Morbus Bechterew gehört
2) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9, Nr. 130 S. 10
3) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
4) Bechterew-Brief Nr. 59 S. 3–5
5) MBJ Nr. 99 S. 4–7 und S. 10–11 in diesem Heft
6) Über den Nutzen von Rehabilitationsverfahren wurde immer wieder berichtet, siehe Bechterew-Brief Nr. 65 S. 29–34, Nr. 68 S. 23–28, MBJ Nr. 101 S. 34–37, Nr. 112      S. 5–9, Nr. 113 S. 5, Nr. 116 S. 8–11, Nr. 129 S. 6–8, Nr. 130 S. 11, Nr. 133 S. 31–32, Nr. 137 S. 18–20, Nr. 139 S. 4–6, Nr. 140 S. 18–20.
7) Bechterew-Brief Nr. 88 S. 3–10

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