Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Maßgeschneiderte Reduktion der TNF-Blocker-Dosis bei Morbus Bechterew

Von Dr. Suzanne Arends, Dr. Eveline van der Veer, Dr. Fleur B. S. Kamps, Dr. Pieternella M. Houtman,
Dr. Reinhard Bos, Dr. Hendrika Bootsma, Dr. Elisabeth Brouwer, Dr. Anneke Spoorenberg,
Universität Groningen und Rheumazentrum Leeuwarden, Niederlande

Die Therapie der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) mit Medikamenten, die den Botenstoff „Tumor-Nekrose-Faktor-alpha“ (TNF-a) blockieren, hat sich als sehr wirksam zur Begrenzung der Entzündung und der Schmerzen und damit zur Verbesserung der Lebensqualität erwiesen.
Da der Morbus Bechterew mit Medikamenten nicht geheilt werden kann, muss man damit rechnen, die Anti-TNF-Therapie über eine lange Zeit (möglicherweise „lebenslang“) zu benötigen. Dabei ist als Nebenwirkung das erhöhte Infektionsrisiko zu bedenken sowie die hohen Kosten dieser Therapie.
Mehrere Forschergruppen haben sich deshalb mit der Möglichkeit befasst, die Anti-TNF-Therapie nach einer gewissen Zeit zu beenden oder wenigstens die Dosis zu reduzieren.1  BARALIAKOS u.a. zeigten 2005, dass der Abbruch einer 3-jährigen Therapie mit Infliximab bei 88% der Patienten innerhalb von 24 Wochen zu einem Wiederanstieg der Krankheitsaktivität führt. Innerhalb eines Jahres mussten bei fast allen Patienten die Infliximab-Infusionen wieder aufgenommen werden. Risikofaktoren für einen rascheren Rückfall waren eine höhere Krankheitsaktivität (BASDAI, CRP), höheres Alter und eine längere Krankheitsdauer zum Zeitpunkt des Therapieabbruchs.
Die Ergebnisse zur Reduktion der Medikamentendosis bei Patienten, die unter dem Einfluss der Medikamente beschwerdefrei waren, waren vielversprechender. In einer Studie von 2013 blieb die Beschwerdefreiheit bei einer Behandlung mit 50 mg Etanercept im 2-wöchigen Abstand bei 86% der Patienten erhalten, im Vergleich zu 90% bei der üblichen wöchentlichen Behandlung mit 50 mg Etanercept.

Studie zur maßgeschneiderten Dosis-Anpassung

Wir haben nun untersucht, ob es möglich ist, die TNF-Blocker-Dosis für jeden Patienten individuell anzupassen, ohne dass die Wirksamkeit nachlässt. Die Teilnehmer an der Studie wurden nach folgenden drei Kriterien ausgewählt:

  1. hohe Krankheitsaktivität (BASDAI  mindestens 4 oder ASDAS3 mindestens 2,1) vor Beginn der Anti-TNF-Therapie,
  2. stabil niedrige Krankheitsaktivität (BASDAI kleiner als 4) für mindestens 6 Monate unter der üblichen TNF-Blocker-Dosis,
  3. Beginn mit der versuchsweisen Dosis-Reduktion vor Juni 2011, so dass mindestens 2 Jahre Weiterbeobachtung ausgewertet werden konnten.

Alle Patienten waren mehr als 18 Jahre alt und erfüllten die modifizierten New-York-Kriterien für die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew)4. Alle 6 Monate wurde die Krankheitsaktivität (BASDAI, ASDAS, CRP) als Maß für die Wirksamkeit des Medikaments bestimmt.
Um die individuell geeignetste Dosis zu ermitteln, wurde die Dosis schrittweise heruntergefahren bzw. der zeitliche Abstand zwischen den Anwendungen verlängert (Bild 1), wobei die Wünsche der Patienten berücksichtigt wurden. Die Entscheidung zu einer weiteren Reduktion orientierte sich an dem Ziel, einen BASDAI unter 4 beizubehalten, an der Expertenmeinung und der Motivation des Patienten. Auch Nebenwirkungen und BegleitErkrankungen wurden berücksichtigt.

1) MBJ Nr. 111 S. 11, Nr. 122 S. 22, Nr. 126 S. 6, Nr. 133 S. 17, Nr. 137 S. 13–14.
2) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
3) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 122 S. 21, Nr. 124 S. 17–18, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
4) MBJ Nr. 109 S. 9–13, Nr. 123 S. 7, Nr. 140 S. 7, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

Bild 1: Schema der schrittweisen Dosis-Reduktion für die unterschiedlichen TNF-Blocker. Die grün eingefärbten Dosierungen wurden in unserer Studie am häufigsten gewählt.
Bild 1: Schema der schrittweisen Dosis-Reduktion für die unterschiedlichen TNF-Blocker. Die grün eingefärbten Dosierungen wurden in unserer Studie am häufigsten gewählt.

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