Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Morbus Bechterew und Hämorrhoiden

Von Yrd.Doç. Dr. Mehmet Caglayan, Yrd.Doç. Dr. Ahmet Türkoglu, Yrd.Doç. Dr. Pelin Oktayoglu, Dr. Mehmet Yildiz, Dr. Abdullah Zübeyir Dagli, Yrd.Doç. Dr. Abdullah Böyük, Yrd.Doç. Dr. Serda Em, Yrd.Doç. Dr. Mehtap Bozkurt und Prof. Dr. Kemal Nas von der Dicle-Universität in Diyarbakir, Türkei*
*) yardimci doçent = Assistenz-Professor

Hämorrhoiden (knotenförmige Verdickungen am Darmausgang durch Blutgefäßerweiterung unter der Schleimhaut) gehören zu den häufigsten von Chirurgen behandelten Beschwerden. Ihre Häufigkeit ist unbekannt, weil sie häufig zunächst keine Beschwerden bereiten und manche Patienten sich auch scheuen, deshalb zum Arzt zu gehen. Zu den Ursachen gezählt werden chronische Verstopfung, balaststoffarme Ernährung, Bewegungsarmut, starkes Übergewicht und Durchfall sowie dadurch bedingte Anstrengung beim Stuhlgang und verstärktes Bauchpressen. Die Gewebsaufweichung während einer Schwangerschaft und das Pressen in der Austreibungsphase einer natürlichen Geburt werden ebenfalls zu den möglichen Ursachen gezählt. Mögliche Symptome sind Blutungen, Schmerzen, Juckreiz und unbeabsichtigter Stuhlabgang.
Je nach dem Ort im Enddarm und der Größe des Schleimhautvorfalls unterscheidet man vier Schweregrade:

Tabelle 1: Schweregrade von Hämorrhoiden
Grad IVerdickung tritt nicht nach außen
Grad IIVorfall bei Anstrengung, zieht sich von selbst zurück
Grad IIIWulstvorfall, kann manuell verkleinert werden
Grad IVVorfall kann nicht manuell verkleinert werden, nur chirurgisch behandelbar


Morbus-Bechterew-Patienten pressen wegen ihrer Rückenschmerzen und wegen schwacher Rückenstreckmuskeln beim Stuhlgang oft gewohnheitsmäßig nach tiefem Einatmen mit angehaltenem Atem, um die Bauchpresse zu verstärken („Valsalva-Manöver”).
In der Literatur wird über häufige Varikozelen (Hodenerweiterungen) bei Morbus-Bechterew-Patienten auf Grund verstärkter Bauchpresse beim Stuhlgang berichtet. Es gibt aber unseres Wissens noch keine Untersuchung zur Häufigkeit von Hämorrhoiden beim Morbus Bechterew.

Studie zur Ermittlung der Häufigkeit von Hämorrhoiden beim Morbus Bechterew

Um diesem Unwissen abzuhelfen, haben wir eine Studie zur Häufigkeit von Hämorrhoiden beim Morbus Bechterew durchgeführt. Wir verglichen dazu 72 Morbus-Bechterew-Patienten mit 75 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen anderer Ursache und 74 Freiwilligen ohne chronische Rückenschmerzen. Patienten mit Diabetes, Herz- oder Lungenkrankheiten, gutartiger Prostata-Vergrößerung, Bluthochdruck oder einer anderen entzündlich-rheumatischen Krankheit wurden ausgeschlossen. Die Teilnehmer waren im Mittel 31 Jahre alt. Der weibliche Anteil betrug in der Morbus-Bechterew-Gruppe 24%, in der Rückenschmerz-Gruppe 37% und in der Vergleichsgruppe 30%. Alle Teilnehmer wurden auf Hämorrhoiden untersucht und die Hämorrhoiden wurden nach Tabelle 1 eingeteilt.

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