Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Was gibt es vor einer Therapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu bedenken?

Von Ingrid Nota, Dr. Constance Drossaert, Dr. Erik Taal und Dr. Mart van de laar, Universität Twente, Enschede, Niederlande

In den vergangenen Jahren gab es große Fortschritte in der Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Empfohlen werden je nach Krankheitsverlauf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Corticosteroide (kortison-ähnliche Substanzen) und krankheitsmodifizierende Medikamente (meist mit DMARDs abgekürzt von englisch disease modifying antirheumatic drugs). Zu letzteren gehören die konventionellen Basismedikamente (wie Sulfasalazin und Methotrexat) und die Biologika (auf Erkenntnissen der Molekularbiologie beruhende Medikamente, beim Morbus Bechterew insbesondere die TNF-Blocker). Zwischen den Medikamenten gibt es große Unterschiede bezüglich Ansprechzeit, Art der Anwendung (oral, Injektion unter die Haut, Infusion in eine Vene), mögliche Nebenwirkungen und Kosten.
Mit der zunehmenden Verbreitung neuer Behandlungs-Strategien werden sowohl Rheumatologen als auch Patienten mit komplexen Entscheidungen konfrontiert, denn die Wahl des richtigen Medikaments zum richtigen Zeitpunkt ist nicht nur eine Frage medizinischer Aspekte, sondern auch eine Frage der Situation und Interessenlage des Patienten.
Die Beteiligung der Patienten an der Medikamentenwahl wird empfohlen, weil darin ein berechtigter Anspruch der Patienten gesehen wird und weil sie dann das Medikament bereitwilliger und zuverlässiger nehmen.1 Rheuma-Patienten sind besonders auf ausführliche Information angewiesen, um an diesem Entscheidungsprozess teilnehmen zu können.
Wir haben untersucht, welche Gesichtspunkte für Patienten bei diesem Entscheidungsprozess wichtig sind und welche Informationen sie dazu benötigen.

Studie über Informationsbedarf und Patienten-Interessen

An der Studie nahmen 32 Patienten teil, die im Monat vor der Befragung einen Rheumatologen aufgesucht hatten und mit ihm den Beginn einer Therapie mit krankheitsmodifizierende Medikamenten besprachen. 28 dieser Patienten hatten eine rheumatoide Arthritis, 3 eine ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) und 1 Patient eine Psoriasis-Arthritis. Fünf der Teilnehmer besprachen zum ersten Mal mit ihrem Rheumatologen den Beginn einer Therapie mit einem krankheitsmodifizierenden Medikament. Bei den übrigen 27 Teilnehmern ging es um einen Wechsel des Medikaments.
Die erstgenannte Verfasserin interviewte jeden Teilnehmer 45–120 Minuten lang. Je nach Wunsch der Patienten fanden die Interviews beim Patienten zuhause oder in der Universität statt. Wesentliche Inhalte der Interviews betrafen die Überlegungen, Fragen, Bedenken und den Informationsbedarf der Patienten bei der Entscheidung für ein solches Medikament.

1) MBJ Nr. 115 S. 40–41, Nr. 119 S. 14, Nr. 134 S. 10–11, Nr. 137 S. 4–7, Nr. 139 S. 5

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