Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Welche Befunde begründen einen Verdacht auf eine Spondyloarthritis?

Von DVMB-Forschungspreisträger Dr. Denis Poddubnyy*, Dr. Astrid van Tubergen**, Prof. Dr. Robert Landewé***, DVMB-Forschungspreisträger Prof. Dr. Joachim Sieper* und Prof. Dr. Désirée van der Heijde**** für die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS)
* Charité Universitätsmedizin Berlin; ** Universität Maastricht, Niederlande; *** Universität Amsterdam, Niederlande; **** Universität Leiden, Niederlande

Zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose einer axialen Spondyloarthritis (Morbus Bechterew oder nicht-röntgenologische Spondyloarthritis)1 vergeht meistens immer noch eine Zeitdauer von 5–8 Jahren. Einer der Hauptgründe für diese Diagnoseverzögerung ist die späte Überweisung der Patienten zum Rheumatologen durch den Arzt, der wegen chronischer Rückenschmerzen aufgesucht wird. Die zögerliche Überweisung kann vom Arzt oder vom Patienten verursacht werden. Chronische Rückenschmerzen sind in der Bevölkerung relativ häufig und eine axiale Spondyloarthritis ist nur in etwa 5% der Fälle dafür verantwortlich. Bei dieser geringen Wahrscheinlichkeit ist es nicht sinnvoll, alle Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zum Rheumatologen zu überweisen. Wir brauchen also einfache Kriterien, bei deren Erfüllung eine axiale Spondyloarthritis wahrscheinlicher und eine Überweisung zum Rheumatologen sinnvoll ist.
In den vergangenen 10 Jahren ist eine ganze Reihe solcher Überweisungsstrategien vorgeschlagen und erprobt worden2, von denen sich aber keine international durchgesetzt hat. Im Rahmen der ASAS (Assessment of SpondyloArthritis international Society3, einem internationalen Zusammenschluss von Experten für entzündliche Wirbelsäulenkrankheiten) wurde nun ein auf den Erfahrungen vieler Experten beruhender Kriteriensatz entwickelt, der diese Lücke füllen soll.

Vierstufige Entwicklung einer ASAS-Empfehlung

Bei der Entwicklung der ASAS-Überweisungsstrategie zur Erleichterung einer frühen Diagnose der axialen Spondyloarthritis wurde in 4 Stufen vorgegangen:

  1. Im Rahmen einer systematischen Literaturstudie wurde nach bereits erprobten Überweisungsstrategien und ihren Erfolgsraten gesucht.
  2. In einer ersten internetbasierten „Delphi-Runde“4 wurden die ASAS-Mitglieder nach der Notwendigkeit einer weiteren Überweisungsstrategie und nach Kriterien-Kandidaten gefragt. Die Zwischenergebnisse wurden beim ASAS-Workshop in Houston (Texas) im Januar 2013 präsentiert und zur Diskussion gestellt.5
  3. In einer zweiten internetbasierten Delphi-Befragung wurde die nützlichste Kriterien-Kombination ermittelt.
  4. Im Rahmen des ASAS-Workshops im Januar 2014 in Düsseldorf wurde die endgültige Empfehlung diskutiert und zur Abstimmung gestellt.6

1) MBJ Nr. 100 S. 7, Nr. 106 S. 5–8, Nr. 117 S. 4–6 und S. 39–40, Nr. 123 S. 5, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 132 S. 5–6, Nr. 140 S. 6–8
2) MBJ Nr. 133 S. 34, Nr. 134 S. 5, Nr. 137 S. 21–22, Nr. 138 S. 10
3) MBJ Nr. 129 S. 35, Nr. 136 S. 19
4) MBJ Nr. 126 S. 10
5) MBJ Nr. 133 S. 33–34
6) MBJ Nr. 137 S. 21–23

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