Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Wirbelfrakturen bei Morbus Bechterew und zugrundeliegende Risiken

Von Dr. Gita Fatemi, Dr. Lianne S. Gensler, Dr. Thomas J. Learch und Dr. Michael H. Weisman, Los Angeles und San Francisco, Kalifornien, USA

Die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) kann im fortgeschrittenen Stadium zu Gleichgewichts- und Koordinations-Störungen und damit zu Stürzen und letztendlich zu einem Wirbelbruch führen. Zum Beispiel führen eine Wirbelsäulen-Kyphose (Krümmung nach vorn) und eine mangelnde Streckfähigkeit der Hüftgelenke zu einer Verlagerung des Körperschwerpunkts nach vorn. Bei schwerer Kyphose kann sogar die Sicht eingeschränkt sein.
AMOR-DORADO u.a. beschrieben ein häufigeres Vorkommen von Innenohr-Störungen bei Morbus-Bechterew-Patienten im Vergleich zu Gesunden. Diese Störungen können ebenfalls zu den Gleichgewichts-Störungen beitragen, mögen allerdings zum Teil auf dem Gebrauch nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) beruhen.
Die Brustwirbelsäulen-Kyphose und die eingeschränkte Streckfähigkeit der Hüftgelenke gleichen Morbus-Bechterew-Patienten häufig durch angewinkelte Kniegelenke aus. Auch die Fußgelenke bewegen Morbus-Bechterew-Patienten beim Gehen häufig weniger als Gesunde.
Zu den Gleichgewichts- und Koordinations-Störungen kann auch eine eingeschränkte Propriozeption (Empfindung der eigenen Haltung) beitragen, z.B. auf Grund einer Entzündung der Bänder, die die Wirbelsäule zusammenhalten.
Die Wirbelsäulenversteifung und die beim Morbus Bechterew vermehrt auftretende Osteoporose (verminderte Knochendichte) erhöhen das Risiko, schon bei geringfügigen Unfällen (z.B. Stürzen in der Ebene) einen Wirbelbruch zu erleiden1. Literaturangaben zur Häufigkeit von Wirbelbrüchen beim Morbus Bechterew reichen von 0,4% bis 32%.2 Bei einer von der ASIF (Ankylosing SponSpondylitis International Federation) organisierten Befragung3 von Morbus-Bechterew-Patienten, die einen Wirbelbruch erlitten hatten, gaben 35% an, dass der Wirbelbruch bei einem Bagatell-Unfall mit niedriger Energie entstand. Bei rund der Hälfte war der Wirbelbruch mit Nervenausfällen verbunden, die nur bei einem Drittel der betroffenen Patienten wieder vollständig zurückgingen.
In normalen Röntgenaufnahmen ist der Wirbelbruch oft nicht zu erkennen. Häufig ist eine Computertomographie nötig, oder gar eine Magnetresonanztomographie, in der auch der Zustand des Rückenmarks zu erkennen ist.

1) MBJ Nr. 105 S. 19–20, Nr. 118 S. 4–5, Nr. 119 S. 31–32 und 49, Nr. 122 S. 16, Nr. 127 S. 16 und 24–25, Nr. 136 S. 31–32.
2) Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahr 2000 betrug die Häufigkeit eines Wirbelbruchs nach langer Krankheitsdauer 14%, siehe MBJ Nr. 100 S. 15–20.
3) Zweite Stufe der im MBJ Nr. 100 S. 15–20 beschriebenen Befragung

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