Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 143 (Dezember 2015)

Wirksamkeit der Wassergymnastik bei Morbus-Bechterew-Patienten wissenschaftlich nachgewiesen

Von Doç. Dr. Ümit Dündar, Doç. Dr. Özlem Solak, Yrd.Doç.* Dr. Hasan Toktas, Yrd.Doç.* Dr. Ümit Seçil Demirdal, Dr. Volkan Subasi, Prof. Dr. Vural Kavuncu und Prof. Dr. Deniz Evcik von den Abteilungen für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Universitäten in Afyon, Izmir, Mersin und Ankara, Türkei
*) yardimci doçent = Assistenz-Professor

In Empfehlungen für die Behandlung der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) werden Bewegungsübungen als wichtiger Teil der Therapie angeführt.
Bewegungsübungen im Wasser sind oft weniger schmerzhaft als dieselben Übungen im Trockenen, denn der Auftrieb im Wasser vermindert den Druck auf die Knochen und Gelenke und erleichtert Bewegungen gegen die Schwerkraft. Gleichzeitig stellt das Wasser einen natürlichen Widerstand gegen Bewegungen dar und unterstützt so die Muskelstärkung. Diese Eigenschaften des Wassers legen nahe, dass Übungen im Wasser für Patienten mit Morbus Bechterew besonders geeignet sind.
Trotzdem gibt es unseres Wissens noch keine wissenschaftliche Studie, in der der Nutzen von Übungen im Wasser für Morbus-Bechterew-Patienten untersucht wurde.

Untersuchung der Wirksamkeit der Wassergymnastik bei Morbus Bechterew

Wir haben deshalb eine Studie durchgeführt, in der die Wirksamkeit der Krankengymnastik im Wasser mit der Wirksamkeit von Bewegungsübungen zuhause verglichen wurde, denn Krankengymnastik wird Morbus-Bechterew-Patienten oft mit dem Hinweis verweigert, dass Bewegungsübungen nach einer Anleitungsphase genauso gut zuhause durchgeführt werden können.
Von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen wurden Patienten mit Prothesen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Patienten, die während der vorausgegangenen 3 Monate regelmäßig Bewegungsübungen durchgeführt hatten.
Die 69 Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: 35 Morbus-Bechterew-Patienten nahmen innerhalb von 4 Wochen an 20 Übungsstunden im 32–33°C warmen Wasser teil. Jede Übungseinheit dauerte 60 Minuten. Dabei wurden jeweils 8–9 Patienten von einem Krankengymnasten angeleitet. Das Übungsprogramm begann mit 15 Minuten Aufwärmen durch Bewegungen und Streckübungen außerhalb des Wassers, gefolgt von 40 Minuten Übungen im Wasser: Vorwärts- und Rückwärtsgehen, Aquajogging, aktive Bewegung der Gelenke aller Gliedmaßen. Strecken des Nacken, des Rumpfs und aller Gliedmaßen und Atemübungen. Das Programm endete mit 5 Minuten Ausklingen durch langsames Gehen und Kauern.
Die 34 Patienten der Vergleichsgruppe absolvierten ein 4-wöchiges Übungsprogramm im Trockenen zuhause mit 15–20 Wiederholungen während 60 Minuten pro Tag. Auch dieses Übungsprogramm enthielt Atemübungen, Streckübungen, Muskelentspannungsübungen im Liegen, Bewegung aller Wirbelsäulenabschnitte (Kinn zur Brust, Blick zur Decke, Beugen und Strecken der Brust- und Lendenwirbelsäule), Übungen für die Hüft- und Schultergelenke und Bauchmuskeln, Einüben der aufrechten Haltung und isometrische Übungen. Als Anleitung diente eine Einführung durch einen Physiotherapeuten und eine Anleitungsbroschüre, die allen Teilnehmern dieser Gruppe ausgehändigt wurde. Durch wöchentliche Telefonanrufe wurde sichergestellt, dass die Teilnehmer das Übungsprogramm nicht vernachlässigten. Gegebenenfalls wurde der Teilnehmer zu einer weiteren Demonstration in die Klinik einbestellt.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!