Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Iritis als Wegweiser zur Spondyloarthritis-Frühdiagnose

Dr. Muhammad Haroon, Dr. Michael O’Rourke, Pathma Ramasamy, Prof. Dr. Conor C. Murphy, und Prof. Dr. Oliver FitzGerald, St.-Vincent’s Universität, Dublin, Irland

Bei der Therapie einer axialen Spondyloarthritis (entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung, bei der die Wirbelsäule im Vordergrund steht) gibt es große Fortschritte. Der Hemmschuh für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch die späte Diagnose. Mit ihrer langen Diagnoseverzögerung von durchschnittlich mehr als 6 Jahren hält die axiale Spondyloarthritis den Rekord unter allen entzündlichrheumatischen Erkrankungen. Gerade in den ersten Krankheitsjahren geht aber ein Großteil der Beweglichkeit verloren, so dass eine frühe Diagnose besonders wichtig wäre.
Im Frühstadium einer Spondyloarthritis kommt es oft zu einer Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut im Auge). Studien ergaben, dass rund die Hälfte der Iritis-Patienten HLA-B27-positiv ist und dass mehr als die Hälfte dieser HLA-B27-positiven Iritis-Patienten eine Spondyloarthritis haben. Eine Iritis kann also ein Hinweis sein, dass es sich bei bestehenden Rückenschmerzen mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Spondyloarthritis handelt.
Die Kardinalfrage lautet daher: Welche Iritis-Patienten sollten vom Augenarzt mit einem Verdacht auf eine Spondyloarthritis zum Rheumatologen überwiesen werden? Eine Möglichkeit wäre, alle HLA-B27-positiven Iritis-Patienten zum Rheumatologen zu überweisen. Augenärzte veranlassen eine HLA-Typisierung aber allenfalls bei einer wiederholt auftretenden oder therapieresistenten Iritis.
Bis heute gibt es keine internationalen oder nationalen Leitlinien, die besagen, welche Iritis-Patienten vom Augenarzt zum Rheumatologen überwiesen werden sollten, um evtl. eine Spondyloarthritis rechtzeitig zu entdecken. Der Verdacht auf eine Spondyloarthritis hängt also ab vom Kenntnisstand und der Initiative des jeweiligen Augenarztes.
Um die Spondyloarthritis-Frühdiagnose zu erleichtern, haben wir im Rahmen einer Studie zwei Vorgehensweisen erprobt, mit Hilfe derer unter den Iritis-Patienten solche mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Spondyloarthritis ermittelt werden können.
Studienteilnehmer waren Patienten, die die Notaufnahme der Universitäts-Augenklinik in Dublin wegen einer Iritis aufsuchten und bei denen vorher keine Spondyloarthritis diagnostiziert worden war. Alle Teilnehmer (mit und ohne SpA-Risikofaktor) wurden durch einen Rheumatologen der Universitätsklinik untersucht, und zwar

  • auf eine axiale Spondyloarthritis (Morbus Bechterew oder nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis1 nach den ASAS- Kriterien)2 oder
  • eine Psoriasis-Arthritis nach den CASPAR-Kriterien (Criteria of the ClASsification of Psoriatic ARthritis)3.

Bei allen Teilnehmern wurde der HLA-B27-Status bestimmt und es wurden Röntgenaufnahmen der Kreuzdarmbeingelenke angefertigt, gegebenenfalls auch Magnetresonanztomogramme.

1) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6
2) MBJ Nr. 117 S. 39–40, Nr. 123 S. 5, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
3) MBJ Nr. 123 S. 6

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