Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Morbus Bechterew am Arbeitsplatz

Von Dr. Jane Martindale, Dr. Rudresh Shukla und Prof. Dr. John Goodacre, Lancaster University, Lancashire, England

Die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) ist grundsätzlich wie jede chronische Erkrankung mit dem Risiko einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit verbunden. Andererseits gibt es heute innovative Möglichkeiten, Menschen mit dieser Krankheit erfolgreich bis zum Rentenalter erwerbsfähig zu halten.

Behandlung der axialen Spondyloarthritis

Die ASAS/EULAR-Empfehlungen1 zur Behandlung der axialen Spondyloarthritis (Morbus Bechterew und nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis2) zielen darauf, langfristig die Lebensqualität zu optimieren durch Hemmung der Entzündung, Vermeidung des Fortschreitens der Versteifung und Erhaltung der Teilhabe am normalen Zusammenleben.
Schlüsselelemente der Behandlung sind Patientenschulung und Bewegungsübungen. Die Patienten werden aufgefordert, selbst die Verantwortung für das Übungsprogramm zu übernehmen, in dem Physiotherapeuten eine wichtige Funktion innehaben. Eine Cochrane-Analyse3, in der die bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Studien zur Physiotherapie beim Morbus Bechterew ausgewertet wurden, wies mit hoher Evidenz nach, dass Bewegungsübungen – entweder zuhause oder unter fachlicher Anleitung – die Beweglichkeit verbessern und Behinderungen mindern können.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) lindern zusammen mit den Bewegungsübungen die entzündungsbedingten Rückenschmerzen. Bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität, die nicht auf die Behandlung mit NSAR anspricht, kann eine Anti-TNF-alpha-Therapie die Krankheitsaktivität mindern. Sie verhindert aber nach heutigem Kenntnisstand nicht das Fortschreiten der knöchernen Versteifung.
In schweren Fällen mag eine Operation mit Ersatz eines peripheren Gelenks oder eine operative Aufrichtung der Wirbelsäule notwendig werden.

Beweglichkeitsmessungen und Verlaufskontrolle

Die Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS)4 hat einheitliche Verfahren zur Untersuchung und Verlaufskontrolle festgelegt5. Alle Morbus-Bechte-rew-Patienten sollten nach der Diagnose und danach regelmäßig entsprechend untersucht werden. Dabei sollten auch die Medikamenten-Verordnungen, die Beweglichkeit, etwaige Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit und auf soziale Aktivitäten, Begleit-Erkrankungen und die psychische Gesundheit beachtet werden.
Zur Dokumentation der Untersuchungsergebnisse steht eine Reihe von Indizes und Fragebögen zur Verfügung5. Mit dem Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI6) und dem Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI6) korrelieren auch Maße für die Lebensqualität, Angstgefühle und Depressionen, die ebenfalls berücksichtigt werden sollten.

Einfluss der Krankheit auf Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung

Der Morbus Bechterew hat einen bedeutenden Einfluss auf viele Bereiche der Persönlichkeitsentfaltung und Selbstverwirklichung. Die Beschwerden beginnen normalerweise im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, einer kritischen Zeitspanne im Zuge der Ausbildung, der Aufnahme einer Berufstätigkeit und Gründung einer Familie. Die Krankheit schreitet normalerweise langsam fort und führt oft zur allmählichen Einschränkung körperlicher und sozialer Fähigkeiten, auch durch die Entwicklung von Begleit-Erkrankungen. Der Krankheitsverlauf ist weitgehend unvorhersehbar und der mögliche Grad der Behinderung reicht von minimal bis 100%. Dies kann zu Problemen in Bezug auf die berufliche Karriere, die Familie und das soziale Leben führen. Schmerzen, Steifheit, Erschöpfung und Schlafprobleme sind wichtige Einflussgrößen in Bezug auf den Gemütszustand, das Selbstwertgefühl und Sorgen bezüglich der eigenen Zukunft. 

1) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9
2) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6, Nr. 139 S. 23
3) MBJ Nr. 117 S. 16–17
4) MBJ Nr. 129 S. 35, Nr. 136 S. 19
5) DVMB-Schriftenreihe Heft 13
6) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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