Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Nutzen der Ergotherapie bei Morbus Bechterew

Dr. Antonio Spadaro, Tania de Luca, Maria Pia Massimiani, Fulvia Ceccarelli, Valeria Riccieri und Prof. Dr. Guido Valesini, Rheumatologische Abteilung der Universität La Sapienza in Rom, Italien

In Rahmen der nicht-medikamentösen Therapie der ankylosierenden Spondylits (Morbus Bechterew) werden insbesondere Patientenschulung und regelmäßige Bewegungsübungen empfohlen. Wie für andere rheumatische Erkrankungen stehen außerdem vielfältige Angebote der Ergotherapie  zur Verfügung, um die Fähigkeit zur Ausübung täglicher Verrichtungen zu verbessern, die Anpassung des Lebensstils zu erleichtern, eine zunehmende Behinderung zu vermeiden und die psychische Verfassung zu erhalten.
Im Rahmen einer Studie zur Wirksamkeit der Ergotherapie bei Morbus Bechterew wurde die Funktionsfähigkeit bei täglichen Verrichtungen zuhause, bei der Arbeit und in der Freizeit erfasst sowie die körperlichen, psychischen und sozialen Fähigkeiten und das Verständnis der Krankheit. Die Schulungsmaßnahmen (einzeln und in der Gruppe) betrafen die Einübung täglicher Aktivitäten, Gelenkschutzmaßnahmen, den Umgang mit Müdigkeitserscheinungen, Bewegungsübungen, Schienungen [splinting] und Hilfsmittel, Ratschläge zur Berufstätigkeit und Freizeit, zur Sexualität, zur Erholung sowie Übungen zur Schmerzbewältigung, soweit nötig.
Besonderer Wert wurde auf Rückmeldungen gelegt sowie auf das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten, um den Einfluss der Krankheit auf ihr Leben zu erkunden und bei der Anpassung des Lebensstils Hilfestellung zu geben.

Studie zur Wirksamkeit der Ergotherapie

27 Patienten, welche die New-York-Kriterien für die ankylosierende Spondylitis erfüllten, beteiligten sich an der Studie. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip aufgeteilt in eine Gruppe, die mit Ergotherapie und einem TNF-Blocker behandelt wurde, und eine Vergleichsgruppe ohne Ergotherapie.
Beide Gruppen wurden ausführlich über die Krankheit Morbus Bechterew und die allgemeinen Ziele der Ergotherapie informiert.
Die ergotherapeutische Behandlung in der Ergotherapie-Gruppe dauerte 6 Stunden, verteilt auf je 2 Stunden zu Beginn der Studie, nach 6 und nach 12 Wochen. Alle Teilnehmer der Ergotherapie-Gruppe wurden zunächst nach ihrer körperlichen Aktivität im Alltag, ihrer Haltung bei der Arbeit und beim Gehen gefragt. Es wurde der Einfluss der Krankheit auf ihren Lebensstil besprochen, um ihre Probleme und Prioritäten für die Therapie zu erfahren. Die Behandlung beinhaltete:

  • Information über die Krankheit und ihre Behandlung,
  • Übungen zu Alltags-Aktivitäten,
  • krankheitsgemäßes Verhalten (siehe Kasten),
  • Haltung und Lagerung,
  • Empfehlungen zur Anpassungen der häuslichen Umgebung,
  • Ratschläge zur Arbeit und Erholung
  • und ein Wirbelsäulen-Übungsprogramm für zuhause.

Bei den Ergotherapie-Sitzungen wurden auch die Fortschritte im angepassten Verhalten ermittelt und gegebenenfalls zusätzliche Behandlungszeiten angeboten.
Die Patienten der Vergleichsgruppe ohne Ergotherapie wurden nach 6 und 12 Wochen nach ihrem Gesundheitsstatus gefragt.

Empfehlungen zum krankheitsgemäßen
Verhalten (siehe auch  MBJ Nr. 129 S. 4–5)
Vermeiden Sie, über eine lange Zeit immer
die gleiche Haltung beizubehalten
Passen Sie Ihre Aktivitäten so an,
dass Sie Wirbelsäulenspannungen vermeiden
Achten Sie auf Ihre Sitzhaltung
Achten Sie auf Ihre Kopfhaltung
Regelmäßige Ruhepausen mit Strecken der Wirbelsäule

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