Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Schluckbeschwerden im Rahmen eines Morbus Bechterew

Von Prof. Dr. Éric Toussirot, Dr. Olivier Mauvais, Dr. Sébastien Aubry, Universitätsklinik in Besançon, Frankreich

Ein 37 Jahre alter Morbus-Bechterew-Patienten kam in unsere Klinik, weil er seit 3 Monaten Schluckbeschwerden hatte. Er hatte vorher keine Krankheitszeichen außerhalb des Bewegungsapparats und war in den vergangenen 6 Jahren mit TNF-alpha-Blockern (zunächst Infliximab, dann Adalimumab) behandelt worden.
Er klagte über zunehmende Schwierigkeiten, feste Nahrung herunterzuschlucken, hatte aber keine Schmerzen, keinen Husten oder Gewichtsverlust. Der Patient war übergewichtig (Body Mass Index 30 kg/m2), hatte aber keine Zucker- oder Stoffwechselkrankheit.
Die Brustwirbelsäule war deutlich verkrümmt (Kopf-Wand-Abstand 14 cm). Der Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI1) betrug 5,7 auf der 10-Punkte-Skala.
Bei der Kehlkopf-Spiegelung mit einem biegsamen Laryngoskop zeigte sich eine Vorwölbung der hinteren Rachenwand. Im Röntgenbild fiel eine überschießende Knochen-Neubildung an der Vorderseite des 4. und 5. Halswirbels auf (Bild 1). Auch im Computertomogramm war die Knochenneubildung, die die Speiseröhre einengte, deutlich zu sehen (Bild 2).
In einer 8 Jahre älteren Röntgenaufnahme waren nur geringe Knochenneubildungen zu sehen, die als Syndesmophyten2 diagnostiziert wurden. Die Knochenneubildungen an der Vorderseite der Halswirbelsäule schritten, ausgehend von den vorhandenen Syndesmophyten, trotz der Anti-TNF-alpha-Therapie fort.
Die Dysphagie (Schluckstörung) besserte sich zusehends im Rahmen eine Schluck-Rehabilitations-Therapie.

1) MBJ Nr. 121 S. 9–12, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
2) MBJ Nr. 102 S. 15–19

Bild 1: Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule aus dem Jahr 2014 zur Zeit der Schluckbeschwerden. Zu sehen ist eine überschießende Verknöcherung, die von den Vorderkanten des 4. und 5. Halswirbels ausgeht und den 2. und 3. Halswirbel überbrückt, sowie
Bild 1: Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule aus dem Jahr 2014 zur Zeit der Schluckbeschwerden. Zu sehen ist eine überschießende Verknöcherung, die von den Vorderkanten des 4. und 5. Halswirbels ausgeht und den 2. und 3. Halswirbel überbrückt, sowie eine Knochen-Neubildung an der Vorderkante des 6. Halswirbels.
Bild 2: Computertomographie der Halswirbelsäule aus dem Jahr 2014 mit einer auffallenden Knochenneubildung, die die Speiseröhre einengt.
Bild 2: Computertomographie der Halswirbelsäule aus dem Jahr 2014 mit einer auffallenden Knochenneubildung, die die Speiseröhre einengt.

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