Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Bei Morbus Bechterew und undifferenzierter Spondyloarthritis:

TNF-alpha-Blocker allein oder in Kombination mit einem weiteren krankheitsmodifizierenden Medikament?

Von Dr. Elisabeth Lie*, Dr. Lars Erik Kristensen**, Prof. Dr. Helena Forsbladd’Elia*, Dr. Tatiana Zverkova-Sandström*, Dr. Johan Askling*** und Dr. Lennart T. Jacobsson*
* Sahlgrenska Universitätsklinik, Göteborg, Schweden; ** Lund Universität, Malmö, Schweden, *** Karolinska Institut, Stockholm, Schweden

Bei der rheumatoiden Arthritis hat es sich gezeigt, dass eine zusätzliche Verschreibung von Methotrexat die Wirksamkeit der Behandlung mit einem TNF-alpha-Blocker verbessert und die Gelenkveränderungen reduziert. Auch die Psoriasis-Arthritis wird häufig mit Methotrexat behandelt. Bei ihr wurde aber noch nicht durch eine zufallskontrollierte Studie untersucht, ob die zusätzliche Behandlung mit einem konventionellen synthetischen (durch chemische Synthese hergestellten) krankheitsmodifizierenden Medikament die Wirksamkeit der Anti-TNF-alpha-Therapie verbessert. Immerhin ergab die Analyse von Patientenregistern, dass die Zusatzbehandlung mit Methotrexat bei der Psoriasis-Arthritis das Beibehalten der Anti-TNF-Therapie verlängert.
Einer der Gründe für einen Therapieabbruch bei der Anti-TNF-alpha-Therapie ist ein Nachlassen ihrer Wirksamkeit. Ein möglicher Mechanismus für den allmählichen Wirksamkeitsverlust ist die körpereigene Bildung von Antikörpern gegen den TNF-alpha-Blocker, wie es Studien mit Infliximab und Adalimumab auch bei der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) zeigten . Die Rolle von Antikörpern gegen Etanercept ist weniger klar erwiesen. Auf Grund der Erfahrungen bei der rheumatoiden Arthritis und beim Morbus Crohn wird allgemein angenommen, dass eine Zusatzbehandlung mit einem konventionellen krankheitsmodifizierenden Medikament generell die Wirksamkeit der Anti-TNF-alpha-Therapie verbessert.
Ziel unserer Untersuchung war, herauszufinden, ob Patienten mit Morbus Bechterew oder einer undifferenzierten Spondyloarthritis2 (vor allem nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis3) die Anti-TNF-alpha-Therapie länger beibehalten, wenn zusätzlich ein konventionelles krankheitsmodifizierendes Medikament verordnet wird. Außerdem wollten wir herausfinden, ob dies für alle TNF-alpha-Blocker gilt und welche Gründe zum Absetzen eines TNF-alpha-Blockers führen.

Untersuchungsmethode

Datenquelle für unsere Untersuchung war das schwedische Biologika-Register ARTIS, das 1999 eingerichtet wurde und in dem alle Behandlungen mit Biologika (auf molekularbiologischer Grundlage, z.B. mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen, hergestellte Medikamente auf Proteinbasis) durch den behandelnden Rheumatologen dokumentiert werden.
Ausgewertet wurden 1365 Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis und 1155 Patienten mit einer undiffenzierten Spondyloarthritis, nicht jedoch Patienten mit einer Psoriasis-Arthritis. Die Untersuchung konzentrierte sich auf die TNF-alpha-Blocker Infliximab, Adalimumab und Etanercept. Die neueren TNF-Blocker Golimumab and Certolizumab Pegol wurden nicht berücksichtigt.

Untersuchungsergebnisse

Zu Beginn einer Anti-TNF-alpha-Therapie wurde bei 41% der Morbus-Bechterew-Patienten und bei 50% der Patienten mit einer undifferenzierten Spondyloarthritis die Therapie mit einem konventionellen krankheitsmodifizierenden Medikament kombiniert. Eine solche Kombinationstherapie wurde häufiger bei Infliximab angewandt (55% bzw. 61%) als bei Adalimumab (28% bzw. 38%) oder Etanercept (30% bzw. 49%).
Patienten mit einer Kombinationstherapie hatten im Mittel höhere Entzündungslaborwerte (CRP und Blutsenkung) und häufiger mindestens ein geschwollenes peripheres Gelenk (in den ASAS/EULAR-Therapie-Empfehlungen4 wird die Behandlung mit konventionellen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nur empfohlen, wenn periphere Gelenke mit betroffen sind).

1) MBJ Nr. 111 S. 11, Nr. 113 S. 7–8, Nr. 143 S. 52
2) MBJ Nr. 99 S. 13–17, Nr. 109 S. 9–13, Nr. 117 S. 4, Nr. 118 S. 48, Nr. 139 S. 24–25
3) MBJ Nr. 117 S. 4–6, Nr. 129 S. 36–37, Nr. 130 S. 6, Nr. 131 S. 4–6, Nr. 132 S. 5–6, Nr. 137 S. 12 und S. 22–23
4) MBJ Nr. 103 S. 24, Nr. 113 S. 36–37, Nr. 121 S. 4, Nr. 123 S. 8–9

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