Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 144 (März 2016)

Wirkung und Wirkungsmechanismen physikalischer Therapiemaßnahmen bei Morbus Bechterew

Von Prof. Dr. Uwe Lange, Dr. Ingo Helmut Tarner, Dr. Gabriel Dischereit und Prof. D. Ulf Müller-Ladner, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim

Auf die Diagnose abgestimmte physikalische Therapiemaßnahmen stellen einen festen und auch in Leitlinien empfohlenen Bestandteil der Therapie entzündlichrheumatischer Erkrankungen dar. Leider ist bis heute nur teilweise bekannt, wie sich die physikalischen Therapiemaßnahmen auf die Zellen des Immunsystems auswirken und so zu den bewirkten Besserungen beitragen.
Immerhin kennt man inzwischen die zentralen Botenstoffe des Entzündungsgeschehens, die u. a. für die Wechselwirkungen zwischen Immunzellen und Knochenzellen von zentraler Bedeutung sind, und kann so deren Beeinflussung durch physikalische Therapiemaßnahmen untersuchen.
Die Beeinflussung des zentralen Regulationssystems bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch physikalische Maßnahmen ist ein spannendes und faszinierendes Forschungsfeld. Über erste interessante Ergebnisse haben wir bereits im Morbus-Bechterew-Journal berichtet.1 Unter anderem konnte in den damaligen Studien zur Überwärmungs- und Ganzkörperkältetherapie eine signifikante Beweglichkeits-Verbesserung nachgewiesen werden, verbunden mit einer signifikanten Einflussnahme auf zentrale Botenstoffe des Entzündungsgeschehens.
Heutzutage wird in der Wissenschaft verlangt, nicht nur auf Tradition und Erfahrung zu setzen, sondern die Wirksamkeit soweit wie möglich auch durch Studien nachzuweisen. Andererseits bleibt in einer Zeit zunehmender Kostendeckelung bei gleichzeitig steigenden Medikamentenkosten kaum finanzieller Spielraum, sodass physikalische Therapie nur sparsam verordnet wird.
Zur Lösung dieser beiden Ziele stellen Untersuchungen zur Wirkung auf Zell- und Molekül-Ebene einen vielversprechenden Ansatz dar, denn durch eine Erforschung der molekularen und zellulären Auswirkungen physikalischer Therapiemaßnahmen kann es gelingen, sowohl die geforderte Evidenz2 zu liefern als auch durch den Vergleich mit teureren medikamentösen Therapien ihre Wirtschaftlichkeit zu belegen.

Ganzkörper-Überwärmung durch wassergefiltertes Infrarot­-A

Eine Form der milden Ganzkörper-Überwärmung stellt die wassergefilterte Infrarot­A­Strahlung dar, bei der gezielt eine Körperkerntemperatur von 38,5°C erreicht werden kann. Die wassergefilterte Infrarot­A­Strahlung dringt gut ins Gewebe ein, wird rasch in Wärme umgewandelt, und durch die Wasserfilterung wird hautschädigende Infrarot­B­ und Infrarot­C­Strahlung minimiert.
In einer Studie mit 20 Morbus-Bechterew-Patienten wurde die wassergefilterte Infrarot­A­Strahlung zusätzlich zu einer Behandlung mit Krankengymnastik, Massage, Elektrotherapie, Schlammpackungen und Ergotherapie durchgeführt („Interventionsgruppe“), während die 15 Patienten der Vergleichsgruppe dieselbe Behandlung ohne wassergefilterte Infrarot­A­Strahlung erhielten. In der Interventionsgruppe zeigten sich eine bis zu 3 Monate anhaltende Schmerzlinderung, eine bis zu 6 Monate anhaltende signifikante Besserung der Krankheitsaktivität (BASDAI) und eine 3 Monate anhaltende signifikante Besserung der Behinderung (BASFI). Das entzündungsfördernde Zytokin (Botenstoff) Interleukin-1beta (IL­1ß) zeigte 3 Monate nach der Therapie in der Interventionsgruppe (aber nicht in der Vergleichsgruppe) eine signifikante Minderung gegenüber dem Ausgangswert vor der Behandlung.
Auch bei Patienten mit einer Psoriasis-Arthritis konnten gemäß einer weiteren Studie Studie in Bezug auf die Beweglichkeit und den NSAR-Bedarf vergleichbare Ergebnisse erzielt werden.

1) MBJ Nr. 125 S. 4–7, Nr. 139 S. 12–14
2) MBJ Nr. 114 S. 20–21, Nr. 115 S. 13, Nr. 140 S. 4 und S. 21–22, Nr. 141 S. 16–17

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