Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 145 (Juni 2016)

Darf ich vorstellen …

Von Peter Koncet, Mitglied des DVMB-Bundesvorstands

Die Beratung von Morbus-Bechterew-Patienten in Situationen, die durch die Krankheit beeinträchtigt werden, ist eines der zentralen Ziele der DVMB. Oft werden Gruppensprecher oder ihre Helfer von Mitpatienten angesprochen, obwohl sie außer durch ihre eigenen Erfahrungen darauf nicht vorbereitet sind. Wer sich freiwillig engagiert, braucht in der DVMB Hilfestellung. Diesem Ziel dienen unsere Leitungsteam-Schulungen, insbesondere das Schulungsmodul „Beratung“. Dazu benötigen wir Leute vom Fach, die uns in ihrer Freizeit ihr professionelles Fachwissen zur Verfügung stellen. Es geht ja nicht nur um Fachwissen, sondern in hohem Maße auch um das Einfühlungsvermögen in die Situation anderer. Für diese Aufgabe einen „dicken Fisch“ geangelt zu haben, gehört für uns nicht zum Anglerlatein: Wir sind glücklich, dafür eine Psychologin gewonnen zu haben, die die erforderliche Sensibilität den Leitungsteammitgliedern vermitteln kann.
Gesundheitsinformationen, Medizinisches Wissen und wissenschaftliche Zusammenhänge aktuell, fundiert und patientenverständlich erklärt, gibt seit Jahren den Teilnehmern der Referentenausbildung Orientierung. Sie wissen seit Jahren einen kompetenten Rheumatologen an ihrer Seite, der immer ein offenes Ohr, aber nicht immer bequeme Antworten bereithält.
Die beiden hier Vorgestellten sind die Menschen, die unsere Schulungen zu etwas ganz Besonderem machen.

Esther Maria Bruhn

erlebte den frühen Teil ihrer Kindheit in Mühlheim an der Ruhr. Geboren wurde sie Anfang September 1984 in der Nachbarstadt Duisburg. Nach diversen Umzügen und damit verbundenen Schulwechseln machte sie in Ravensburg ihr Abitur und studierte zunächst in Ulm Molekulare Medizin, bevor sie ihre Liebe zur Psychologie entdeckte. „Psychologie“, so schwärmt sie heute, „ist ein großartiges Fach, das so viel mehr kann als die „Ach, analysierst Du mich jetzt?“-Frager immer glauben“. Zum Studium ihrer neuen Leidenschaft wechselte sie an die Universität Mannheim und erwarb 2011 dort ihr Diplom.
Ihre erste Stelle nach Abschluss des Studiums hatte sie in einer Reha-Klinik in Schleswig-Holstein. Dort sollte sie die Patientenschulung für Morbus-Bechterew-Betroffene übernehmen. Dass ihre anfängliche Verwunderung darüber, dass ihr Vorgänger ihr dazu einen Overheadfoliensatz der DVMB zum Krankheitsbild von 1994 vermachte, für sie zu einem Glücksfall werden sollte, stellte sich bald heraus. Als sie ihn fragte, ob es sowas nicht auch in digital gäbe, rief er in der DVMB-Geschäftsstelle an, und am nächsten Tag hatte sie Ludwig Hammel am Telefon und eine Einladung zur einer Referentenschulung nach Leipzig. So fing ihre Beziehung zur DVMB an. Zunächst hielt sie auf den Basiswissen-Seminaren kleine Vorträge und unterstützte dann den Verband bei der Referentenausbildung. Vor allem brachte sie sich, noch unter ihrem Mädchenamen, Esther Maria Glahn, in der Erstellung, Ausarbeitung und Vermittlung des Basis-Moduls „Beratung“ ein.
Für die DVMB war eine Psychologin an dieser Stelle geradezu eine ideale Besetzung.
Früher sagte ihr das Krankheitsbild Morbus Bechterew gar nichts. Heute empfindet sie es als ein gemeinsames Merkmal einer bunten und ihr sehr angenehmen Gruppe von Menschen. „Ich habe den Eindruck, Morbus Bechterew tritt häufig „komorbide“ (begleitend) mit Offenheit, Humor und Kampfgeist auf. Ich habe bisher keine Studien gefunden, die das belegen, verlasse mich aber derweil ganz auf mein eigenes Urteil.“ Während Betroffene oft Erwartungen mit einem Beitritt in unsere Solidargemeinschaft verknüpfen, wurde sie 2012 Mitglied, weil sich ihre Erwartungen erfüllt hatten. Seitdem sieht sie ihre Einsätze für die DVMB als Teil ihres Privatlebens an.
Spontan antwortet sie auf die Frage, was sie am liebsten gerne geworden wäre, mit: „Nobelpreisträgerin, oder reich, oder beides.“ Lächelnd ergänzt sie: „zur Not halt glücklich.“
Mit ihrer aktuellen Lebensweise kommt sie an Letztgenanntes schon nahe heran, findet sie. Als Diplom-Psychologin arbeitet sie in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis. In ihrer Freizeit könnten ihre Aktivitäten unterschiedlicher nicht sein. Stricken und Segeln. Kein Wunder, dass sie ihren Urlaub derzeit besonders gerne auf der Ostsee verbringt. Träumen tut sie aber davon, dass es irgendwann vielleicht auf dem Pazifik sein könnte. Das Lachen, ihre Familie, Freunde und das Meer sind ihr im Leben wichtig. Wenn es ginge, würde sie gerne nochmal einen Tag mit ihren Großeltern verbringen. Sie ist davon überzeugt, dass die mit dem Menschen, der aus ihr geworden ist, sehr zufrieden wären. Vielleicht wären sie sogar stolz. Genauso wie Esther Maria Bruhn besonders stolz auf ihren Studienabschluss ist und die dicke Forelle, die sie letztes Jahr Ostern in Dänemark geangelt hat. Der größte „Fisch“ den sie an Land zog, ist natürlich ihr Mann, den sie erst kürzlich heiratete.

Herbert Ludwig Kellner

1960 als Münchner Kindl geboren, verlebte er eine glückliche Kind- und Jugendzeit in seiner Heimatstadt. 1966 erfolgte die Einschulung in der Volksschule, die er bis 1970 besuchte. Es erfolgte dann der Wechsel auf das mathematisch-naturwissenschaftliche Gisela-Gymnasium, wo er 1979 sein Abitur mit Erfolg ablegte. 1979/1980 leistete er anschließend seinen Wehrdienst als Gebirgsjäger in Bad Reichenhall ab. 1980 nahm er sein Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München auf, welches er im Mai 1986 beendete und die Approbation als Arzt erhielt. Im selben Monat 1986 schloss er seine Dissertation zur „Lymphozytapherese bei Patienten mit chronischer Polyarthritis“ mit magna cum laude ab. Während seiner Schul- und Studienzeit besserte er seinen Lebensunterhalt als Bote einer Bank, als Gepäck-Verlader am Flughafen und später als Stationshilfe in Krankenhäusern auf.
Von 1986–1990 war seine erste Anstellung als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. N. Zöllner an der Medizinischen Polklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1991 bis 1993 war er Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Division of Rheumatology an der University of California in Los Angeles (USA). Zwischenzeitlich erhielt er die Anerkennung als Internist (1992) und als Rheumatologe (1993). Ab 1993 war er wieder als zunächst Funktionsoberarzt und zuletzt kommissarischer Leiter der Rheumaeinheit der LMU bis 2003 tätig. Er habilitierte sich 1997 und erhielt damit die Ernennung zum Privatdozenten. Es folgte die Anerkennung als Gastroenterologe (1998) und die Ernennung zum apl. Professor in Innerer Medizin und Rheumatologie (2003). 2004-2005 war er in einer interdisziplinären Praxisklinik in München tätig. Seit 2005 ist er Leitender Arzt der Abteilung Rheumatologie im Krankenhaus Neuwittelsbach. Anfang 2006 hat er sich zusätzlich in einer eigenen Schwerpunktpraxis für Rheumatologie und Gastroenterologie in München niedergelassen. „Auch wenn mein beruflicher Werdegang, nicht immer geradlinig verlief“, merkt Prof. Kellner an, „so passt er aber zu mir.“
Der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew ist er im wahrsten Sinne hinterhergerannt. Dass es die DVMB gibt, bekam er bereits als junger Assistent in der Rheumaeinheit in München mit. So richtig aufmerksam wurde er bei dem damals traditionellen 5-km-Lauf „Fun-Run“ am Rande der Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Der ihm noch völlig unbekannte Repräsentant der DVMB, zu erkennen an einem unverwechselbaren Schnurrbart, war zunächst immer als „Erster“ im Ziel, später riss dieser den Lauf – mit seinem Outfit und Sprüchen – zum Wohlgefallen der Teilnehmer sogar gänzlich an sich. So lernte er beim Fun-Run 1994 Ludwig HAMMEL kennen, der ihn zudem veranlasste, sich für die DVMB zu engagieren. Das bedurfte keiner großen Überzeugungsarbeit. „Da es sich bei Morbus Bechterew insbesondere um eine chronische Erkrankung handelt, ist die DVMB ein wichtiger Ansprechpartner für betroffene Patienten“, weiß der ärztliche Berater des Landesverbands Bayern, denn „die DVMB kann Dinge leisten, die ein betreuender Arzt nicht kann – z.B. eigene Erfahrungen der Betroffen vermitteln. Auch sollte das heutzutage wichtige politische Gewicht einer Patientenselbsthilfeorganisation nicht unterschätzt werden.“
Gesundheit, Freiheit und Unabhängigkeit, sowie Familie und wirkliche Freunde sind dem bekennenden und toleranten Bayern – getreu seinem Lebensmotto „Dem Menschen sein Wille ist sein Himmelreich“ – wichtig. Viel Freizeit bleibt dem verheirateten Familienmenschen und stolzen Vater von sechs Kindern – vier Töchter und zwei Söhne – nicht. Im Winter Skifahren, im Sommer gelegentlich Wandern. Viel zu selten macht er Urlaub im benachbarten Österreich. Bedauert, dass er selten zur Jagd gehen kann. Ansonsten „nutzt“ er die freie Zeit damit, was der Bayer als „rumwerkeln“ bezeichnet. Zu seinem bayerischen Selbstverständnis gehört natürlich auch ein Schweinsbrat’n. Einen ganz besonderen Schatz hegt und pflegt er wie seinen Augapfel. 1959 erstand sein Vater 6 Monate vor seiner Geburt eine BMW Isetta 600 als „Halbjahreswagen“. Es war gleich nach dem Führerschein sein erstes Fahrzeug und läuft heute noch.